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Melinda French Gates: Das Portrait einer starken, unaufgeregten Frau

34 Jahre lang waren Melinda und Bill Gates liiert, 27 davon verheiratet. Jetzt lässt sich das Paar scheiden. Wer ist die Frau, die so lange Zeit an der Seite des Microsoft-Gründers war?

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Melinda French Gates: Das Portrait einer starken, unaufgeregten Frau
© Getty Images

"Nach reiflicher Überlegung und sehr viel Arbeit an unserer Beziehung haben wir uns dazu entschieden, unsere Ehe zu beenden", haben Microsoft-Gründer Bill Gates, 65, und Noch-Frau Melinda, 56, vor wenigen Stunden auf Twitter gepostet. Sie beide haben den Text zur exakt selben Zeit hochgeladen. Das Aus nach 34 gemeinsamen Jahren. Viele große und prägende Momente liegen hinter dem Paar. Sie sind Eltern von drei erwachsenen Kindern: Jennifer, 25, Rory, 21, und Phoebe, 18. Und sie haben eine gemeinsame Mission, die sich auch trotz Trennung künftig zusammen weiterverfolgen möchten: Die Arbeit in ihrer Stiftung "Bill & Melinda Gates Foundation", die mit Einlagen von rund 46,8 Milliarden US-Dollar die größte private Stiftung der Welt ist. Die Idee zur Wohltätigkeitsorganisation hatte sie 1993 während einer Kongo-Reise. Als Team wollen sie sich weiterhin für die weltweite Verbesserung der Gesundheitsversorgung, globaler Bildungssysteme und der Bekämpfung extremer Armut einsetzen.

Im Zuge der Corona-Krise investierten die beiden immense Summen in die Entwicklung eines Impfstoffs – und los ging's mit zahlreichen Verschwörungstheorien: Er arbeite an der Kontrolle der Bevölkerung, würde den Menschen mit der Impfung Chips implementieren lassen. Überhaupt habe er das Virus erfunden …

Bill Gates erlangte Weltruhm durch das Betriebssystems "Microsoft Windows", das er 1975 mit seinem Kindheitsfreund Paul Allen entwickelt hat. Heute gilt er mit einem geschätzten Vermögen von 110 Milliarden US-Dollar als einer der reichsten und einflussreichsten Männer der Welt.

Bei einem Geschäftsessen trafen sich Bill und Melinda Gates zum 1. Mal.

In seinem Unternehmen hat er auch sie kennengelernt: Melinda Ann French, Tochter eines Ingenieurs und einer Hausfrau. 1987 wurde sie dort als Produktmanagerin engagiert, ihr erster Job nach ihrem Abschluss in Informatik und Wirtschaft an der Duke University, einer Privatuni in North Carolina. Bei einem gemeinsamen Geschäftsessen in New York saßen sie sich gegenüber und kamen zum ersten Mal ins Plaudern. Als "lustig" und "voller Tatendrang", beschreibt Melinda später den ersten Eindruck, den sie von ihm hatte. Nach diesem Dinner begegneten sie einander immer wieder auf dem Firmenparkplatz und flirteten miteinander. Bill fragte Melinda schließlich um ein Date – mit einer Vorlaufzeit von zwei Wochen. Das war ihr zu sehr geplant, zu wenig spontan. Sie sagte ab. Er aber gab nicht auf und fragte sie wieder – dieses Mal um ein Date am selben Abend. Und dieses Mal sagte sie zu.

»Ich bin reingekommen und habe gesehen, dass er auf der einen Seite die Pros, auf der anderen die Kontras zu einer Ehe mit mir aufgeschrieben hat.«

Ein Jahr später stand Bill in seinem Schlafzimmer – vor ihm ein Whiteboard, auf das er wilde Notizen malte. "Ich bin reingekommen und habe gesehen, dass er auf einer Seite die Vorteile, auf der anderen die Nachteile zu einer Ehe mit mir aufgeschrieben hat", erzählt sie später lachend in einem Interview für die dreiteilige Netflix-Reihe "Der Mensch Bill Gates", veröffentlicht 2019. "Ich hab das mit dem Heiraten einfach sehr ernst genommen" , erklärt er seine unromantische Aktion im Nachhinein. Es ist dasselbe Interview, in dem er auch sagt, wie dankbar er für sie an seiner Seite sei: "Sie ist mir sehr ähnlich: Optimistisch und an der Wissenschaft interessiert. Aber sie kann besser mit anderen Menschen umgehen als ich."

Melinda und Bill Gates waren 34 Jahr lang liiert, 27 Jahre davon verheiratet.

Eines ihrer großen Engagements gilt dem Female Empowerment.

In einem Interview mit der US-amerikanischen Ausgabe der Vogue im Februar 2020 antwortete sie auf die Frage, warum weibliche Führung so viel bewegt: "Frauen betrachten die Welt aus einem anderen Blickwinkel, sie stellen andere Fragen. In Führungsangelegenheiten geht es viel um berufliche Erfahrung, aber auch um persönliche, um das, was man selbst erlebt hat. Es ist schwierig, ein System als parteiisch und befangen wahrzunehmen, wenn es zu eigenen Gunsten passiert. Stellen Sie sich also vor, was möglich ist, wenn dieselben reflektierten, engagierten Frauen endlich an allen Orten willkommen geheißen werden, an denen Entscheidungen getroffen werden, und die Möglichkeit erhalten, Veränderungen von innen heraus voranzutreiben."

»Wir Frauen verbringen noch immer unverhältnismäßig mehr Zeit damit, unbezahlte Arbeiten wie Kochen, Putzen und das Betreuen von Kindern und älteren Menschen zu erledigen als Männer.«

Vier Jahre zuvor thematisiere sie das Problem unbezahlter Arbeit, die vorwiegend von Frauen geleistet wird: "Meine Geschwister, ich und viele meiner Freunde hatten Mütter, die - wie wir immer sagten - zuhause blieben anstatt zu arbeiten. Heute weiß ich, dass das genauso Arbeit ist - harte Arbeit, für die man aber nicht einmal Geld bekommt. Durch meine Kinder und deren Freunde weiß ich, dass die heutige Generation an Mädchen es anders machen möchte als ihre Großmütter. Die meisten Jungs unterstützen sie dabei. Auch Umfragen zeigen das. Wenn Sie jetzt aber glauben, dass das der Realität entspricht, irren Sie sich! Auch wenn sich bereits viel verändert hat, verbringen wir Frauen noch immer unverhältnismäßig mehr Zeit damit, unbezahlte Arbeiten wie Kochen, Putzen und das Betreuen von Kindern und älteren Menschen zu erledigen als Männer. Warum das so ist? Weil die Gesellschaft uns nach wie vor in diese Position drängt …"

Melinda Gates, eine Frau, die die Medien als "ruhig" und "introvertiert" beschreiben und als jemanden, der Privatssphäre sehr wichtig ist. "Ich kann verstehen, dass sich viele für unsere Beziehung interessieren", sagte sie in einem ihrer wenigen Interviews 1995, ein Jahr, nachdem die beiden sich auf Hawaii das Ja-Wort gegeben hatten (Die Liste der Pluspunkte war offensichtlich länger als die der Abzüge ;-)), "Trotzdem möchte ich diese nicht mit der Öffentlichkeit teilen." Bislang lebte die Familie zurückgezogen auf einem großzügigen Seegrundstück in Seattle im nordwestlichen US-Bundesstaat Washington. Nur wenige Infos über ihre Beziehung drangen all die Jahre nach außen. Etwa, dass die beiden große Puzzle-Fans sind.

Was man noch weiß: Das Paar hat, so heißt es, keinen Ehevertrag. Im Scheidungsantrag, der dem US-Magazin "People" vorliegen soll, steht, dass Melinda auf Unterhaltszahlungen verzichten wird. Und, dass die Ehe "unwiderbringlich kaputt sei". Etwas, dass die beiden auch ihren insgesamt 57,2 Millionen Followern auf Twitter mitteilen: "Wir glauben nicht länger daran, dass wir als Paar in der kommenden Phase unseres Lebens weiter zusammen wachsen können". Die Scheidung soll im April 2022 offiziell gemacht werden.