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Schlaganfall erkennen: Ursachen, Symptome und erste Hilfe

Woran erkennt man einen Schlaganfall rechtzeitig? So funktioniert der FAST-Test. Und was sind die Ursachen? Wie leistet man erste Hilfe? Hier erfährst du, was im Notfall zu tun ist!

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Schlaganfall erkennen: Ursachen, Symptome und erste Hilfe

Je früher ein Schlaganfall erkannt wird, desto geringer sind die Folgeschäden!

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Schlaganfälle sind die dritthäufigste Todesursache in den westlichen Industriestaaten. In Österreich erleiden etwa 24.000 Menschen jährlich einen Schlaganfall. Das Schlaganfall-Risiko steigt mit dem Alter exponentiell an. Neue Studiendaten zeigen jedoch, dass auch immer mehr junge Menschen von einem Schlaganfall betroffen sind.

Ursachen des Schlaganfalls

Die häufigste Ursache eines Schlaganfalls ist die Verstopfung einer Ader im Gehirn (transitorische ischämische Attacke, TIA). Durch den Sauerstoffmangel können die Nervenzellen ihre Tätigkeit nicht mehr durchführen und stellen diese ein. Unser Gehirn muss aber konstant mit Blut versorgt werden, um lebensnotwendigen Sauerstoff und Nährstoffe zu bekommen. Hält die Durchblutungsstörung nur kurz an, sterben keine oder nur wenige Nervenzellen ab, die meisten können ihre Tätigkeit wieder aufnehmen, wenn die Durchblutung nach ein paar Minuten wieder einsetzt.
Dauert die Durchblutungsstörung länger, können viele Nervenzellen und damit auch das betroffene Gehirngewebe absterben. Dann spricht man von einem ischämischer Gehirninfarkt.

Ein Schlaganfall kann aber auch durch eine Einblutung (Hämorrhagie) verursacht werden. Hier reißt eines der Hirngefäße, Blut tritt in das umliegende Gehirngewebe ein und schränkt dort die Durchblutung ein. Hier spricht man auch von einem blutigen oder rotem Schlaganfall.

Wer ist schlaganfall-gefährdet?

Mehr als 80% aller Schlaganfallopfer sind älter als 60 Jahre. Je älter man ist, desto höher ist das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden. Doch auch andere Faktoren wie Rauchen oder Bewegungsmangel können das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. Die genetische Veranlagung spielt ebenso eine Rolle. Haben enge Verwandte bereits einen Hirnschlag gehabt, sollte man aktiv gegensteuern und einen gesunden Lebensstil pflegen, um das Risiko zu senken: Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte sind ebenso riskant wie Übergewicht und mangelnde Bewegung. Außerdem sollte man den Alkohol stark einschränken und zum Rauchen (Aeriosklerose) aufhören.

Symptome des Schlaganfalls

Häufig gibt es bereits vor dem Hirnschlag Anzeichen, die auf eine Durchblutungsstörung hinweisen. Eine TIA kann beispielsweise bis zu 24 Stunden bestehen. Je früher man den Schlaganfall erkennt, desto geringer sind die Folgeschäden bzw. desto höher sind die Überlebenschancen.

Im Zweifelsfall gilt immer: lieber Rettung oder Notarzt/-ärztin rufen!

  1. Einseitige Lähmung : Der Arm oder das Bein sind plötzlich schwach oder gänzlich gelähmt
  2. Taubheitsgefühl : Arm, Bein oder eine Gesichtshälfte fühlen sich plötzlich taub an und kribbeln, der Mundwinkel einer Gesichtshälfte hängt
  3. Sehstörung : Man sieht alles verschwommen, doppelt oder eingeschränkt
  4. Sprechstörung : verwirrtes Stammeln, undeutliche Aussprache, Wiederholung von Wörtern und lange Pausen bis hin zur gänzlichen Sprechblockade
  5. Unlogisches Verhalten : Betroffene können einfachen Anweisungen nicht mehr folgen und äußern sich sinnlos
  6. Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
  7. Bewusstlosigkeit
  8. Starke Kopfschmerzen : plötzlich auftretende Kopfschmerzen, die kaum zu ertragen sind
  9. Schluckstörungen

Schlaganfälle rechtzeitig erkennen: So funktioniert der FAST-Test

Alle zwei Minuten erleidet in Westeuropa ein Mensch einen Schlaganfall. Oftmals erkennen die Personen in der direkten Umgebung die Symptome jedoch zu spät und es kann zu gravierenden Spätfolgen kommen. Der sogenannte FAST-Test (auch Cincinnati Prehospital Stroke Scale (CPSS)) soll dabei helfen, Schlaganfälle zu bestimmen und rechtzeitig zu handeln.

Mit diesem Test können auch ungeübte Personen innerhalb einer Minute einen Schlaganfall relativ sicher erkennen:

  • Fordere die Person auf zu lächeln. (Das Gesicht wird bei Lähmung einseitig verzogen.)
  • Fordere die Person auf gleichzeitig beide Arme nach vorne zu heben, Handflächen nach oben. (Bei einer Lähmung kann ein Arm nicht gehoben werden bzw. sinkt oder dreht sich)
  • Fordere die Person auf einen einfachen Satz nachzusprechen, wie etwa: "Ich fühle mich gut und brauche keine Hilfe." (Der Satz muss korrekt wiederholt werden, die Sprache darf nicht verwaschen sein.)

Falls die betroffene Person Probleme mit einem dieser Tests hat, rufe sofort die Rettung und beschreibe bereits am Telefon die Symptome. Jede Minute zählt!

Erste Hilfe bei Schlaganfall

  • Sind die oben genannten Symptome eingetreten (ein bis zwei reichen), sofort den Notruf 112 anrufen (europaweit immer erreichbar).
  • Beim Eintreffen der Rettung alle Symptome und die Uhrzeit der Hinweise mitteilen
  • Den Betroffenen auf keinen Fall alleine lassen, ihm oder ihr gut zusprechen und beruhigen
  • Enge Kleidung lockern, Zahnprothesen und Zahnspangen entfernen
  • Auf keinen Fall etwas zu essen oder trinken geben, da es beim Schlucken zu Schwierigkeiten kommen könnte
  • Den Oberkörper des oder der Betroffenen etwas höher lagern, z.B. mit einem Kissen unter dem Rücken
  • Bei Bewusstlosigkeit oder Erbrechen in die stabile Seitenlage bringen
  • Verliert der oder die Betroffene Atmung oder Puls, sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen

Wie viele Schlaganfälle kann man überleben?

Es gibt keine Faustregel, wie viele Schlaganfälle ein Mensch überleben kann. Es gibt Menschen, die vier oder mehrere Schlaganfälle überlebt haben, dies ist eben immer vom Schweregrad abhängig. Allerdings kann bereits der erste Schlaganfall tödlich enden.
Je eher der Patient oder die Patientin ins Krankenhaus gebracht wird, desto höher sind die Überlebenschancen. Ein großes Problem ist zudem, dass viele nach einem Schlaganfall eine massive Beeinträchtigung erleiden. Sie können nicht mehr gehen, sprechen oder essen und werden pflegebedürftig.

Wie beugt man einem Schlaganfall vor?

  1. In erster Linie sollte man versuchen Übergewicht zu reduzieren, sich regelmäßig zu bewegen und sich gesund zu ernähren.
  2. Wer das Rauchen aufgibt, senkt bereits fünf Jahre nach der letzten Zigarette das Schlaganfall-Risiko auf das eines Nichtrauchenden.
  3. Menschen mit Diabetes, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder zu hohem Cholesterin, sollten dringend mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin darüber sprechen, wie man das Schlaganfall-Risiko senken kann.
  4. Wenig oder keinen Alkohol trinken.

Wie wird ein Schlaganfall therapiert?

Wird jemand mit Verdacht auf Schlaganfall ins Krankenhaus gebracht, so arbeiten die Ärztinnen und Ärzte in erster Linie daran das Gehirn zu schützen. Danach zielt die Behandlung auf eine Wiederherstellung der beeinträchtigten Funktionen ab. Dies geschieht meist in Form einer Rehabilitation.

Mittels einer systemischen Thromolyse (Lyse) versucht man die Durchblutung der Gehirnareale wieder herzustellen. Dafür wird ein blutgerinnselauflösendes Mittel über die Venen verabreicht. Dies sollte spätestens 3-4 Stunden nach Auftreten der ersten Schlaganfallsymptome verabreicht werden. Nach Ablauf von viereinhalb Stunden ist eine solche Therapie in Europa nicht mehr zugelassen.

Die Lyse-Therapie ist allerdings umstritten, da sie einen erheblichen Einfluss auf die Blutgerinnung hat. Akute Lebensgefahr kann beispielsweise von Gehirnblutungen ausgehen, deren Risiko aufgrund des herabgesetzten Gerinnungsfaktors steigt.

Wann beginnt die Rehabilitation?

Idealerweise beginnt die Rehabilitation bereits am ersten Tag der stationären Aufnahme – soweit dies der Zustand des oder der Betroffenen erlaubt. Vor allem Stroke-Units (spezielle Schlaganfall-Überwachungseinheiten) und neurologische Stationen gewährleisten eine gezielte frühzeitige Rehabilitation. Weitere Informationen zu den Schlaganfall-Überwachungseinheiten findet man unter Stroke-Unit).

Die Therapien erfolgen auf ärztliche Verordnung und werden von diplomierten Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sowie von Logopädinnen und Logopäden durchgeführt.

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