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Sex: Auf die Größe kommt's nicht an

Erotik-Check: Wächst mit den Zentimetern eines Sex? Was Experten zu dem "uralten" Thema sagen. Und warum Männer ihre Komplexe vergessen dürfen.

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Sex: Auf die Größe kommt's nicht an

30 Zentimeter...was die Größe ihres besten Stücks betrifft, sind die meisten Männer komplexbeladen.

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Wie wichtig sind uns Frauen die Ausmaße seines besten Stücks wirklich? Wird der Sex besser mit den Zentimetern? Und wie steht's mit dem Augenschmaus?

Dass für die Männer selbst oft die Größe ihres "besten Freundes" über Selbstbewusstsein oder Komplexe entscheiden kann, ist bekannt. Für Sexualtherapeutin Elia Bragagna die Folge eines schlechten Vorbilds, das Erwachsene immer wieder an Kinder weitergeben. Für ihren Kollegen Karl Stifter hingegen Programmierung aus grauen Vorzeiten. "Bei Primaten dient das erigierte Glied auch als Droh- und Imponiersignal", so der klinische Psychologe. Und ein "richtiger Mann" ist auch in unserer Gesellschaft das Gegenteil von einem "Schlappschwanz". Muss ein richtiger Mann aber auch soundso viele Zentimeter "von sich strecken" können?

Wieviel Zentimeter sind Durchschnitt?

Sind es die berühmten "20 Zentimeter"? Nehmen Sie einmal ein Lineal in die Hand. Sicher nicht! Das Internet klärt über einen Durchschnitt von 14,5 Zentimetern in einsatzbereitem Zustand auf. Bei einer durchschnittlichen Scheidenlänge von 10-12 Zentimetern von der Natur durchaus gut berechnet!

Doch was, wenn ein Mann den "Kürzeren" zieht? Nach neuester Umfrage ist "nur" jeder fünften Frau die Penisgröße wichtig. Zu ihnen ist auf jeden Fall auch Samantha, die Männer mordende Freundin aus Sex and the City zu zählen. Einer ihrer Sprüche, die in die Annalen eingingen, war: "Ich liebe nun mal einen großen Schwanz, ich liebe ihn in mir, ich liebe es, ihn anzuschaun. Ich liebe einfach alles daran." Als sie an einen Freund mit Winzling gerät, will Miranda sie mit eigenen Erfahrungen trösten, und Charlotte fragt aufmunternd: "Kann er denn gut küssen?" "Ist doch scheißegal", faucht Samantha, "er hat einen Schwanz wie ein Essiggurkerl!"

Ein Frust, den Elia Bragagna, Leiterin der Akademie für sexuelle Gesundheit , gar nicht nachvollziehen kann. Denn nach wissenschaftlichen Erkenntnissen soll sich der Scheideneingang der Frau bei entsprechender Erregung so verengen, das sie sich "auch dem dünnsten Penis" anpassen kann.

Bringt ein großer Penis mehr Lustgewinn?

Experte Stifter meint hingegen, dass zwar nicht die Länge, aber ein größerer Umfang in vielen Fällen sehr wohl etwas für den Lustgewinn der Frau bringen würde (der durchschnittliche Penisumfang beträgt um die Mitte gemessen nach Sex-Forscher Alfred Kinsey 12-13 cm).

"Beim Koitus wird die Klitoris durch den Penis nur indirekt stimuliert", so Stifter. "Durch die größere Dicke werden die erotisierenden Bereiche im Scheideninneren, wie der G-Punkt oder auch die innen liegenden Klitorisschenkel, besser stimuliert. Das ist deshalb vorteilhaft, weil die Vagina bei zunehmender sexueller Erregung eine beträchtliche Raumerweiterung - im hinteren Teil - erfährt. Wenn dann vielleicht auch noch eine schwache Beckenbodenmuskulatur (hier: Beckenbodentraining für den Orgasmus ) vorliegt, kann der Kontakt mit dem Penisschaft ungenügend werden, und es kann zum Lost-Penis-Syndrom (verlorener Penis) kommen. Ein größerer Penisumfang kann das besser kompensieren.
So gesehen kann man sagen: Size matters!"

Wo liegen die erogenen Zonen?

Stifter schätzt, dass auf jeden Fall weniger als die Hälfte aller Frauen zum koitalen Orgasmus kommen. Der französische Arzt und Universitätsprofessor für Sexualmedizin Yves Ferroul kommt in einer neuen Studie sogar nur auf sechs Prozent, die durch Penetration den Höhepunkt erreichen.

Der G-Punkt würde hingegen schon eher eines versierten Regisseurs mit Zauberstab bedürfen. Erst gefeiert, dann wieder infrage gestellt, bekommt das Lustareal von Professor DDr. Stifter Schützenhilfe: "Natürlich gibt's den G-Punkt. Ich habe ihn fotografiert, bei Kongressen vorgestellt. Es ist eine Zone an der oberen Vaginalwand, die unterhalb der weiblichen Prostata ist. Und prostatisches Gewebe ist erotisierendes Gewebe." Schließlich gibt es laut Dr. Bragagna auch noch Frauen, die durch Stimulation des Gebärmuttermundes in höchste Höhen fliegen.

...und trotzdem sexuelle Lustlosigkeit?

Nicht so schnell! Wenn's beim Liebemachen gar nicht klappt, weder so noch so, sieht die Therapeutin die Wurzel allen Übels in einer Voreiligkeit der Frauen: "Viele glauben, wenn sie einen steifen Penis sehen, müssen sie schon feucht sein, und verlangen vom Körper Unmögliches." Kein Wunder, dass in der Folge Lustlosigkeit bei jungen Frauen die häufigste sexuelle Störung ist.

Was das Duett unter der Bettdecke angeht, so sind Experten sicher, dass sich mit Variieren der Stellungen Pannen wie ständiges Herausrutschen des Penis beheben lassen. Es gibt aber auch das Gegenteil, das Au-weh-hör-auf-Syndrom, wenn sein Teil zu lang oder dick ist. Wo Karl Stifter ein Zitat aus dem Roman "Der große Gatsby" beitragen kann, in dem eine Dame sinngemäß sagt: "Wenn ich nur die Wahl hätte zwischen einem Esel und einem Eichhörnchen, würde ich das Eichhörnchen wählen." Aber welche Ausmaße auch immer: "Ein Paar sollte sich auf die vorhandenen Werkzeuge einstellen können."

Was macht guten Sex aus?

Sex, so der Experte, könne man im Übrigen auch nicht nur auf das Körperliche reduzieren. Die Stimmung, die Lust, die Leidenschaft und das gegenseitige aufeinander Eingehen seien ganz wichtige Faktoren. "Und ein intimes Gespräch, um sich gegenseitig besser zu verstehen."

Denn DAS richtige Sexualverhalten gibt es nicht. "Doch jeder kultivierte Mann will ein guter Liebhaber sein", bricht der Therapeut für seine Geschlechtsgenossen eine Lanze, "das ist ihm so eigen, wie einer Frau die Attraktivität wichtig ist." Für Potenzmittel würde oft das letzte Hemd hergegeben, würden Hoden, Hörner und Gifte geschluckt. Ja sogar chirurgische Penisverlängerungen boomen in letzter Zeit, bei denen ein Band des Penis-Halteapparats durchtrennt wird und das Glied somit im schlaffen Zustand etwas mehr herabhängt. Auf die Länge bei der Erektion hat dies allerdings keinen Einfluss.

Potenz, Geschick und sexologisches Wissen machen jedenfalls noch lang keinen Liebhaber aus - und erst recht nicht die Maße. Karl Stifter: "Ein guter Liebhaber ist vielmehr ein Magier, der das Spiel mit der leidenschaftlichen Lust liebt." Womit er mit Kollegin Bragagna d'accord geht, die sinngemäß sagt, dass ein Mann am besten "als Ganzes" ein Penis ist. Aufmerksam, interessiert, selbstbewusst und im Einklang mit seinem Mannsein.

Thema: Sex & Erotik

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