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Liebe aus Silikon: Hier können in Österreich Silikonpuppen bestellt werden

Der Burgenländer Josef Le fabriziert lebensechte Sex Dolls. Wir wollten es genau wissen und sind bei einem Besuch handgreiflich geworden.

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Liebe aus Silikon: Hier können in Österreich Silikonpuppen bestellt werden

Josef Le steht auf unzählige Frauen. Zumindest beruflich.

© Monika Saulich

Das Szenario ist gruselig. Zwei Damen sitzen in knappen Dessous auf einem braunen Ledersofa, eine weitere Frau liegt auf einer Art Operationstisch. Die drei wirken etwas verkrampft, starren uns mit leblosen Augen und leicht geöffneten Mündern an. "Ich weiß, den meisten graut erst ein wenig, aber wenn man sich näher mit den Puppen beschäftigt, merkt man, wie menschlich sie sind. Greifen Sie sie ruhig an", animiert uns Josef Le, 42. Wir tatschen also an einer Nackten herum, verdrehen ihr den Hals, verbiegen Arme und Beine, schrecken schließlich auch vor Körperöffnungen nicht zurück.

So fühlen sich Silikonpuppen an

Fazit des etwas befremdlichen Ausgreifens: In unterschiedliche Positionen lässt sich die künstliche Geliebte nur schwer verbiegen. Dafür greift sich die Silikonhaut sehr echt an, beim Busen oder Bauch ist sie weicher, an den Armen oder Beinen straffer. Beim neuesten Prototyp wird die Festigkeit noch realistischer ausgelegt sein, freut sich Le. "Jedes Modell lässt sich auf 36 Grad aufheizen und reagiert durch Touch-Sensoren auf Berührungen. Nur sprechen kann die Puppe noch nicht, lediglich stöhnen. Aber bald wird eine leichte Konversation möglich sein. Auch die Vagina wird sich in Zukunft selbst befeuchten, derzeit muss man sie noch mit Gleitgel eincremen", erklärt der Wirtschaftsingenieur.

Vor eineinhalb Jahren ist er ins Sex-Dolls-Geschäft eingestiegen: "Der Andrang ist enorm. Zu mir kommen an die acht Kunden pro Tag." Und wer ordert die willigen Liebesdienerinnen? Man hat da ja so ein Klischee im Kopf - zu Unrecht, weiß Le. "Mittlerweile wirklich jeder. Männer ab 30 bis über 80." Zunehmend kommen auch Frauen zu Le. Sie bestellen Dolls mit umschnallbarem Dildo oder gleich eine männliche Version: "Jeder Penis funktioniert wie ein Vibrator."

In einer Hietzinger Altbauwohnung befindet sich der Showroom von Josef Les Sex Dolls.


Der verheiratete Burgenländer kennt die sehr unterschiedlichen Gründe, aus denen sich Menschen einen Silikongefährten nach Hause holen: "Frauen erzählen, dass sie den simplen Massagestab oder Männer im Allgemeinen satthaben und etwas Neues ausprobieren wollen. Ein Kunde hat eine Puppe für seinen behinderten Bruder gekauft, ein anderer hat eine ganze Sammlung in seinem Gartenhaus." Einige schicken Le sogar jahrelang Fotos von ihren Gespielinnen. "Die sitzen ganz normal gekleidet bei ihnen auf der Couch." Denn immer mehr bekämpfen so nicht nur ihre Lust, sondern auch ihre Einsamkeit. "Die freuen sich, wenn jemand mit ihnen im Raum ist oder sie 'erwartet', wenn sie heimkommen." Es gebe auch Paare, bei denen einer nicht mehr sexuell aktiv sein kann oder will. Der kauft dann eine Puppe für den Partner, um so eventuellem Fremdgehen vorzubeugen: "Das sexuelle Bedürfnis ist bei allen Menschen nun einmal da."

Wie viel kosten Silikonpuppen bzw. Sex Dolls?

TEURES VERGNÜGEN: Dass die hochwertigen Modelle - sie wiegen 35 Kilo und bestehen aus einem mit Kunststoff überzogenen Stahlskelett - nicht billig sind, versteht sich fast von selbst. Die günstigste Variante kostet 2.000 Euro. Nach oben hin gibt es keine Grenzen. "Die meisten investieren so viel wie in einen Kleinwagen." Man wählt eine Vorlage oder eine maßgeschneiderte Variante: "Einige wollen, dass sie wie ihre verstorbene Frau vor 20 Jahren aussieht. Sie kommen mit einem Foto. Ältere wählen eher Modelle mit kleineren Brüsten und Schambehaarung, jüngere umgekehrt."

Selbst die Vagina kann variabel geordert werden. Die billigste Variante: normale Silikon-Schläuche. Bei einer teureren wird ein 3D-Abdruck einer echten Frau genommen. Le verspricht, dass es jede Musterpuppe im wirklichen Leben gibt. "Sie werden nach exakten Körperformen asiatischer Pornodarstellerinnen gegossen und entsprechen zu 80 Prozent der realen Vorlage." 35 Leute arbeiten an einem Modell, der Zusammenbau in China dauert bis zu acht Wochen.

Ein neuer Trend zeichnet sich auch in der Laufhausszene ab: "Immer mehr Betreiber kaufen bei mir Puppen. Entweder werden sie dann direkt im Bordell eingesetzt. Oder für Pornodrehs weitervermietet - solo oder gemeinsam mit einer Prostituierten." Als Le von den Modellen erzählt, die zur Reparatur zurückkommen, schlägt unsere bis dahin eher heitere Stimmung um: "Viele Männer reagieren sich im Puff ab und lassen ihrem Fetisch hemmungslos freien Lauf. Die 'Verletzungen' reichen von Bisswunden über Messerstiche bis zu Knochenbrüchen."

Mit unserer Frage konfrontiert, ob durch die Gewalt an Puppen die Hemmschwelle für Verbrechen an echten Frauen nicht sinkt, meint Josef Le: "Ich bin kein Psychologe. Aber die gleiche Diskussion könnte man über Killer-Computerspiele führen. Da weiß man auch nicht, ob sie Massenmorde eher hervorrufen oder verhindern." Seine Zukunftsvison ist ohnehin eine andere: "Ich wäre gerne eine Art Madame Tussauds für Silikon. Meine Puppen wären dann nicht nur Lustobjekt, sondern Kunstwerke."