Das Jahr, in dem wir Dating neu erfinden

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Good News! Bei immer mehr Singles verschieben sich jetzt die Prioritäten: Sie sehnen sich nach Echtheit, Klarheit und Verbindlichkeit - und verändern damit, wie wir lieben. Ein Ausblick.

Es ist ein knallharter Job. Sie werden regelmäßig Überstunden schieben, müssen im Sekundentakt Entscheidungen treffen – swipe ich nach links oder rechts? – und werden immer wieder mal geghostet werden. Als Dank für Ihren unermüdlichen Swipe-Einsatz gibt’s ungenierte Nachrichten (Achtung Dickpics!), und je schlechter es läuft, desto mehr Horrorprofile erscheinen in Ihrer Timeline. Autsch!

Willkommen in der schönen Welt des Online-Datings. Apropos Schwerst- ähm Swipe-Arbeit: Eine norwegische Tinder-Studie ergab, dass es im Durchschnitt 57 Matches braucht, bis überhaupt ein Treffen zustande kommt. Hochgerechnet heißt das: rund 290 Matches, bis man in etwas landet, das sich zumindest beziehungsähnlich anfühlt.

Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen erschöpft und überfordert fühlen von den vermeintlich unzähligen Verheißungen am Online-Singlemarkt. Sind wir liebesmüde?

Und wie! Sogar Michael Nast, der deutsche Single-Papst und oft als männliche Version von Carrie Bradshaw beschrieben, hat keinen Bock mehr. Er hatte unzählige Treffen, aus denen sich einfach nichts weiterentwickelte. „Meine Dates waren immer schlechter geworden. Ich fühlte mich entladen. Ich hatte keine Kapazitäten mehr. Bis ich irgendwann kapitulierte“, erinnert sich der 50-jährige Berliner Autor, der bis auf „gelegentliche Beziehungspausen inzwischen schon seit 30 Jahren Teil des Dating-Lebens ist“, wie er selbst zugibt.

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Über seine emotionale Erschöpfung hat er jetzt ein Buch geschrieben: „Generation Dating Burnout. Warum die Liebe scheitert, bevor sie beginnt“ (Piper Verlag).

Auch wenn wir die große Freiheit haben, zu lieben, wie wir wollen und wen wir wollen, steckt unsere Liebesgesellschaft in der Krise, findet Nast. Er vermisst die Gewissheiten, die er eigentlich mit Dates verband: „Hoffnung, Perspektive, Vertrauen. Dating erschien mir plötzlich sinnlos. Aber anstatt mich zu fragen, was das alles für einen Sinn hat, machte ich weiter“, beschreibt er seinen Weg ins Burnout.

„Menschen perfektionieren immer mehr die Mittel, um sich nicht auf andere einlassen zu müssen. Die Entwicklung des Datings scheint inzwischen vor allem eine Evolution der Unverbindlichkeit zu sein“, so Nast.

Das bestätigen auch Expert:innen: Gerade im digitalen Kontext führt die permanente Verfügbarkeit unzähliger Optionen dazu, dass man sich immer weniger auf eine Person einlässt. Denn das nächste, vermeintlich noch besser passende Match wartet ja nur einen Swipe weiter rechts. Schlechter Musikgeschmack? Next! Geht nicht gerne ins Kino? Passt gar nicht. Schreibt nicht gleich zurück? Match auflösen. Um eine echte, tiefe Verbindung aufbauen zu können, braucht es allerdings Zeit und Entwicklung, sind sich Beziehungsberater:innen einig.

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Liebe ist überall

Auch Anna Dushime hat sich nach zwölf Jahren Beziehung als Single-Mum wieder in den Dating-Dschungel gewagt. In ihrem Buch „1000 letzte Dates“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch) nimmt sie ihre Leser:innen mit auf die Suche nach Liebe beziehungsweise zumindest „einer guten Story“. Natürlich war die 37-Jährige zuerst einmal überfordert. „Denn als ich das letzte Mal länger solo war, gab es nicht einmal Tinder. Jetzt gibt es für gefühlt jede Zielgruppe eine App: für Christen, Naturfreunde, für jene, die nur Sex suchen …“ Ihre Devise im Kampf gegen die Großstadteinsamkeit: „Mehr Dates, mehr Fun, weniger Ernst.“ Der Spaßfaktor steht für die motivierte Berlinerin im Vordergrund. „Es muss ja nicht die große Liebe rauskommen. Ein schöner Dienstagabend reicht auch. Denn die schlimmsten Dates sind die langweiligen. Einmal hat mich jemand gefragt, welche Tapete ich zu Hause habe. Da war es Zeit, zu gehen“, schmunzelt sie.

Dass die Online-Partnersuche oft als frustrierend und überfordernd erlebt wird, kann die deutsche Journalistin und Mutter gut nachvollziehen. „Vor allem, wenn man es zu sehr will und zu verbissen rangeht“, glaubt sie. Auch in ihrem Bekanntenkreis kommt das Thema Dating-App-Fatigue, also die Erschöpfung durch Online-Dating, immer wieder auf. „Dabei könnte unsere Gesellschaft insgesamt viel mehr Liebe vertragen, so viel ist sicher. Für mich ist die Liebe überall, in Freundschaften, Familien, nicht nur in romantischen Zweierbeziehungen. Ich frage mich sowieso, warum diese Beziehungsform die wichtigste sein soll.“ Für mehr Leichtigkeit und Spaß beim Daten hat der Autorin ein Perspektivenwechsel geholfen: „Ich bin ein People Pleaser und dachte früher vor allem an mein Gegenüber: Hat er Spaß? Findet er mich gut? Nun weiß ich, dass es auch um mich geht. Ich frage mich heute viel bewusster: Habe ich auch gerade Spaß? Finde ich ihn gut? Hört sich vielleicht banal an, aber das umzudrehen, hat mein Dating-Leben verändert.“

Außerdem: „Keine SwipeMarathons, nicht zu lange schreiben und besser gleich analog kennenlernen“, ist sie überzeugt. Dushime findet mittlerweile analoge Begegnungen ganz ohne Apps genauso spannend. „Wir müssen uns klarmachen, dass die Hersteller von Dating-Apps und wir, die Konsument:innen, unterschiedliche Ziele haben. Den Machern geht’s darum, dass wir möglichst viel Zeit auf der Plattform verbringen, um Werbung zu konsumieren oder zum zahlenden Kunden zu werden“, kritisiert die Berlinerin. Nicht umsonst weist Tinder immer wieder darauf hin, dass eine regelmäßige Nutzung zu mehr Sichtbarkeit und mehr Likes führe. Ein verflixter Teufelskreis!

Stabilität & Ehrlichkeit

Dabei sehnen sich immer mehr Menschen nach authentischen Begegnungen und echter Nähe, fernab vom Social-MediaZirkus und der Jagd nach Likes. Eine neue Umfrage des amerikanischen Dating-Portals „Plenty of Fish“ unter 6.000 Nutzer:innen hat ergeben, dass Singles sich verstärkt Offenheit sowie Authentizität wünschen. Und das ist sogar richtig gut. Nur wer sich echt zeigt, zieht auch Menschen an, die wirklich zu einem passen. „Ehrlichkeit ist ein Beziehungskompass.

Dadurch filtern wir automatisch die Menschen raus, die uns nicht sehen wollen. Das kann manchmal wehtun, aber es bringt uns zu Personen, mit denen man glückliche Beziehungen führen kann“, analysiert Psychologin Pia Kabitzsch.

Das bestätigt auch der neu herausgekommene Parship Dating Kompass 2026. „Das Bewusstsein der Menschen für stabile und gesunde Partnerschaften verändert sich. Gerade in unsicheren Zeiten gewinnen Stabilität und Perspektiven an Bedeutung. Oberflächliche Kriterien rücken in den Hintergrund, während die Grundlagen für eine tragfähige und erfüllende Beziehung stärker in den Vordergrund treten“, weiß Love Coach und Parship-Expertin Stella Schultner.

Sieben von zehn Singles und besonders Frauen (75 Prozent) möchten nur noch Menschen treffen, mit denen echte Chancen auf eine langfristige Beziehung bestehen. Vor allem das weibliche Geschlecht setzt auf Transparenz und Klarheit, so das Ergebnis der Umfrage. Sie möchten früh herausfinden, ob sie mit ihrem Gegenüber in grundlegenden Aspekten wie Werte und Zukunftspläne übereinstimmen (82 Prozent), und ihre Vorstellungen von einer Beziehung klar kommunizieren (79 Prozent).

Endlich ankommen

Das neue Jahr steht bei Singles laut Parship-Bericht also ganz im Zeichen von Neustart, einem bewussten LiebesReboot. Jeder Zweite möchte die nächste Beziehung bewusster gestalten als die vorherige, mit dem Ziel, sich weiterzuentwickeln, anstatt alte Muster zu wiederholen. Die Partnerbörse fasst diesen neuen Trend unter „Re:Loving“ zusammen, soll heißen: Man kennt seine Bedürfnisse und zeigt beim Kennenlernen emotionale Reife und Eigenverantwortung.

Auch Michael Nast scheint nach seinen jahrelangen Irrfahrten durch das Dating-Universum langsam bei sich angekommen zu sein. „Ich habe mehrere Bücher gefüllt, weil ich mich in der Suche nach Liebe verfangen habe. Es geht schon lange nicht mehr darum, ein Ziel zu erreichen, es geht nur noch darum, weiterzusuchen. Es ist zu einem Selbstzweck geworden“, reflektiert er. Seine Jagd nach der großen Liebe ist Teil seiner Identität geworden. Was wäre, wenn die Suche endet, fragt er sich abschließend: „Würde ich zu einer männlichen Version von Rosamunde Pilcher werden?“ Vielleicht liegt die eigentliche Reife ja nicht im Weitersuchen, sondern im Mut, sich wirklich auf jemanden einzulassen.

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So lieben wir 2026

Bewusster, zielgerichteter und authentischer. Was jetzt beim Kennenlernen wichtig wird.

SHAMELESS DATING

Ehrlich ist das neue Sexy, bestätigt eine neue Umfrage der Dating-App Tinder. Junge Menschen haben keine Lust mehr auf Perfektion, sie wollen sich echt, „shameless“ und authentisch zeigen. Diese neue Offenheit wird nicht als unromantisch oder unangenehm empfunden – im Gegenteil. 67 Prozent der Befragten fühlen sich stärker hingezogen, wenn ihr Gegenüber über mentale Gesundheit spricht, 72 Prozent finden klare Gespräche über Beziehungserwartungen attraktiv, und 58 Prozent schätzen offene Kommunikation über Sexualität.

CURVEBALL CRUSHING

Der Begriff stammt aus dem Baseball: Ein Curveball fliegt anders als erwartet. Übertragen aufs Dating heißt das, sich auf jemanden einzulassen, der nicht dem eigenen Idealbild entspricht. Die Idee dahinter: Nicht vorschnell aussortieren. Anziehung ist nichts Statisches – sie kann sich entwickeln.

LOVE-LOREING

„Lovelore“ bezeichnet Legenden über die Liebe oder romantische Erzählungen und bezieht sich darauf, Dates nicht als Prüfung zu sehen, sondern als Kapitel einer Geschichte. Man sammelt Erlebnisse statt Erwartungen und lässt sich überraschen, wie sich der Plot entwickelt – ob beim Blind Date oder beim gemeinsamen Ausprobieren von etwas völlig Neuem.

BAGGAGE HANDLING

Nach einer Umfrage aus dem Parship-Dating-Kompass 2026 zeigt sich die große Mehrheit (91 Prozent) bereit, vergangene Erfahrungen oder aktuelle Lebensumstände potenzieller Partner:innen mitzutragen.

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