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Was Finanzbildung mit Gleichberechtigung zu tun hat

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Die Welt der Finanzen ist männlich: Sowohl im Großen (Führungsetagen von Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften, ATX-Konzernen) als auch im Kleinen (Finanzentscheidungen in der Partnerschaft) haben in den meisten Fällen Männer das Sagen. Trotz aller Bemühungen um Gleichberechtigung heißt es in vielen Beziehungen bei Geldfragen: "Mein Mann kümmert sich darum." Aber das muss und sollte nicht so sein. Ein Plädoyer für mehr weibliches Geldbewusstsein.

Vermögensaufbau: "It's a man's world!"

Besonders im Investment-Bereich sind Männer überrepräsentiert. Sie setzen beim Vermögensaufbau doppelt so oft auf Wertpapiere wie Frauen. Denn einerseits haben Männer im Schnitt mehr Geld zur Verfügung als Frauen (Hallo, Gender-Pay-Gap!), andererseits sind sie tendenziell risikofreudiger (Hallo, Testosteron!). Und da Kapitalmarktinvestitionen allgemein immer noch als eher risikoreich gelten, scheuen viele Frauen davor zurück. Dass man durch breit gestreute ETFs/Fonds das Risiko minimieren und schon mit kleinen Beträgen monatlich investieren kann, spricht sich nur langsam herum.

Immerhin: Wenn Frauen investieren, dann sind sie dabei oft erfolgreicher als Männer. Sie informieren sich besser, denken langfristiger und "verzocken" weniger Geld als Männer. All das trägt positiv zur Rendite, also zum Ertrag einer Geldanlage bei.

Nun sind Wertpapiere nicht unbedingt für alle Frauen die richtige Lösung. Aber der Kapitalmarkt ist einer von vielen Wegen, um Finanzen selbst in die Hand zu nehmen und Vermögen aufzubauen. Und das sollten wir Frauen dringend tun.

Ungleiche Verteilung zwischen den Geschlechtern von Anfang an

Entlang einer typischen Frauenbiografie gibt es viele Entscheidungsmomente, die sich stark auf das eigene Geldleben auswirken.

Es beginnt schon in der Kindheit: Studien zeigen, dass Mädchen weniger Taschengeld bekommen als Buben und schon früh vermehrt im Haushalt anpacken. Diese Rollenbilder setzen sich im Berufsleben fort: Mädchen entscheiden sich eher für Branchen, die weiblich dominiert und dadurch tendenziell schlechter bezahlt sind. Frauen übernehmen den Löwinnenanteil der unbezahlten Sorgearbeit – sowohl in Bezug auf Kinderbetreuung als auch auf zu pflegende Angehörige. So geht aktuell nur 1 % der Väter länger als sechs Monate in Karenz! Obwohl auch Väter von einer fairen Aufteilung der Karenz- und Kinderbetreuungszeiten profitieren. Zum Beispiel durch eine bessere Bindung zum eigenen Kind und durch eine zufriedenere Partnerschaft.

Dieses Ungleichgewicht führt unter anderem dazu, dass Frauen seltener in Führungspositionen anzutreffen sind und häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer – mit drastischen Auswirkungen für ihr Lebenseinkommen und damit ihre Pension.

Die Rechnung bekommen wir Frauen zum Pensionsantritt

Dass sich Frauen vermehrt um andere kümmern und beruflich zurückstecken, bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Ganz konkret führt es zu einem Gender-Pension-Gap von rund 40 %. Frauen bekommen also im Schnitt nur etwas mehr als die Hälfte der Pension von Männern. Aktuell beträgt die durchschnittliche Netto-Pension von Frauen 1.093 €. Das reicht für ein unabhängiges, sorgenfreies Leben häufig nicht aus.

Im Gegenteil: Im Alter leben viele Frauen unter der Armutsgefährdungsschwelle. Sie sind doppelt so häufig von Altersarmut betroffen wie Männer – und das, obwohl sie maßgeblich zum Funktionieren von Familie und Gesellschaft beigetragen haben.

Das ist unfair – aber wir können etwas dagegen tun.

Beim eigenen Geldleben anfangen

Viele der Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern - auch jene in Bezug auf Geld - sind tief in unserer Gesellschaft verankert und lassen sich nicht von heute auf morgen umkrempeln. Trotzdem haben wir die Möglichkeit, in unserem eigenen Leben etwas zu verändern. Dafür lohnt sich eine Auseinandersetzung mit unseren Verhaltensweisen, Glaubenssätzen und Werten in Bezug auf Geld. Bei Bildung & Beratung Geldleben unterstützen wir diesen Prozess, zum Beispiel mit kostenlosen und unabhängigen Beratungen und Workshops.

Frauen wenden sich mit ganz unterschiedlichen Geldfragen an uns: Mara (31) möchte sich von ihrem Mann trennen, hat aber Angst, sich alleine keine Wohnung leisten zu können. Außerdem fällt es ihr schwer, den Überblick über ihre Rechnungen zu behalten. Kathi (42) ist geschieden und hat zwei Kinder. Um ihre Kinder zu betreuen, hat sie den Großteil ihres Lebens in Teilzeit gearbeitet. Kathi macht sich große Sorgen um ihre Altersvorsorge und wünscht sich mehr finanziellen Spielraum. Und Ingrid (74) kann die Raten ihres variablen Kredits nicht mehr bezahlen, die sich von einem Monat auf das nächste verdreifacht haben.

Mehr Selbstbestimmung durch Finanzbildung – für alle!

In all diesen Fällen ist uns eine ganzheitliche Perspektive wichtig. Denn Geldsorgen sind oft mit massiven Schamgefühlen und Versagensängsten verbunden. Diese haben in unseren Beratungen ebenso Platz wie die gemeinsame Suche nach konkreten Lösungsmöglichkeiten. Wie auch immer der persönliche Weg sich gestaltet: Eine Stärkung der Finanzkompetenz ist gleichzeitig eine Stärkung der eigenen Selbstwirksamkeit und Unabhängigkeit. Daher ist es für Frauen essenziell, Finanzentscheidungen nicht mehr in Männerhand zu belassen.

Denn finanzielle Unabhängigkeit ist auch eine Frage der Gleichberechtigung. Und von einer gleichberechtigten Gesellschaft profitieren wir alle.

Äußerungen unserer Gesprächspartner:innen geben deren eigene Auffassungen wieder. woman.at macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner:innen in Interviews, Diskussionen und Gastkommentaren nicht zu eigen.

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Über die Autor:innen

Bild von Lena Gugenberger
Bild von Teresa Münch
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