
Grün investieren, aber richtig: Was nachhaltige Fonds und Anlageprodukte wirklich können, woran man sie erkennt und wie viel Einfluss Ihr Geld tatsächlich hat.
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Ab wann gilt ein Anlageprodukt als nachhaltig?
Während konventionelle Anlageprodukte meist rein finanzwirtschaftliche Kennzahlen beachten, sind nachhaltige Optionen in der Auswahl der zu investierenden Unternehmen sorgfältiger, erklärt Henrik Pontzen: „Bei Fonds mit expliziter Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen wir bei Union Investment einen ambitionierten Ansatz, der sich von den regulatorischen, also gesetzlich vorgeschriebenen, Mindeststandards für Nachhaltigkeit abhebt.
Bei diesen Investmentfonds schließen wir kontroverse Unternehmen aus, etwa jene, die mit Kinderarbeit zu tun haben oder bestimmte Umwelt- oder Sozialstandards unterlaufen.“ Erkennbar sind diese Fonds an Kürzeln wie ESG (Environmental, Social, Governance) oder SRI (Socially Responsible Investing).


HENRIK PONTZEN Als Chief Sustainability Officer der Union Investment leitet er seit 2019 die ESG-Abteilung im Portfolio-Management.
© Axel GaubeWie finde ich Anlagen, die zu meinen persönlichen Werten passen?
Neben der eigenen Risikobereitschaft spielt die Erfahrung des Anbieters eine große Rolle, betont der ESG-Profi: „Idealerweise sollte dieser schon viele Jahre mit nachhaltigen Investmentlösungen am Markt sein und ein ausreichend großes Analyseteam haben, das sich professionell mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt.“ Dann können zielgerichtete Fonds ausgewählt werden, die zu den eigenen Überzeugungen passen – und sich beispielsweise auf Themen wie Klima oder Wasser fokussieren. Grüne Fonds lassen sich seit Inkrafttreten der EU-Leitlinien für nachhaltigkeitsbezogene Begriffe an ihrer Bezeichnung erkennen. Heißt: Jedes Finanzprodukt, das Umweltschutz impliziert, muss den Richtlinien standhalten.
Mit welcher Rendite kann ich rechnen?
Wie bei allen anderen Anlageformen gilt auch für nachhaltige Investments: Rendite und Risiko gehen Hand in Hand. Daher lässt sich diese Frage laut Henrik Pontzen nicht pauschal beantworten. „Was man aber sagen kann: Investor:innen, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, haben in der Regel ein Portfolio, das widerstandsfähiger ist, weil diese Unternehmen meist weniger schwankungsanfällig sind als nichtnachhaltige Adressen.“ Zudem bedeutet grünes Investieren, langfristig anzulegen. Der Chief Sustainability Officer empfiehlt daher einen mehrjährigen Zeithorizont: „Denn Nachhaltigkeit ist ein Thema, das uns über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, begleiten wird.“
Ab welchem Betrag lohnt es sich, „grün“ anzulegen?
Zwar hat man durch eine Geldanlage keine direkte und unmittelbare Wirkung auf die Umwelt, denn „bei der Transaktion ändert sich zunächst nur der Eigentümer des Wertpapiers“, gibt Pontzen zu bedenken. „Indirekt lässt sich über die Kapitallenkung und über Marktsignale dennoch ein gewisser Impact erzielen. Wenn viele Anleger:innen in Unternehmen investieren, die als umweltfreundlich eingestuft sind, etwa im Bereich erneuerbare Energie, unterstützen sie deren Wachstum“ – und beeinflussen damit durchaus die Wirtschaft der Zukunft.
Welche nachhaltigen Branchen haben derzeit großes Potenzial?
„Die zentralen Themen sind aktuell sicherlich die Energiewende, also die Abkehr von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien, sowie E-Mobilität und Speichertechnologie“, ist Pontzen überzeugt. Der Experte merkt an: „Grundsätzlich fassen wir das Thema bei Union Investment allerdings weiter. Wir fokussieren uns nicht nur auf die nachhaltigsten Branchen, sondern suchen als aktiver Investor die grünsten beziehungsweise ambitioniertesten Firmen in jedem Sektor. Das gilt im Hinblick auf ökologische Aspekte, aber auch für soziale Belange und Fragen der guten Unternehmensführung. Wir sind überzeugt, dass genau diese Betriebe langfristig am besten abschneiden werden.“
