
Am 16. Mai werden beim Finale des Eurovision Song Contest Millionen Menschen dabei sein! Und bereits zum dritten Mal ist Österreich Gastgeberland für aktuell 35 Delegationen – es ist ein Event der Superlative. Nur: Wer sorgt hinter der Bühne dafür, dass alles reibungslos klappt? Wir haben sieben Frauen getroffen, die den ESC möglich machen.


Sie managt alle Nationen: Kerstin Pröll, Delegation Management.
Ihr Job ist es, dass sich die Landesvertretungen wohlfühlen. „Viele kommen aus Ländern mit herausfordernden politischen Situationen. Für sie soll der ESC ein Ort sein, an dem sie in eine offene, bunte, unterstützende Welt eintauchen können“, erzählt die motivierte Event-Organisatorin. Die größte Herausforderung aktuell? „Den Überblick zu behalten, nichts zu übersehen und allen Beteiligten gerecht zu werden.“ Die erfahrene Event-Macherin ist schon seit 20 Jahren in der Branche unterwegs, 2015 als Press Center Managerin beim ESC, 2019 gründete sie ihre eigene Firma und organisiert heute große Musikfestivals österreichweit. „Die Branche lebt von Diversity und einer sehr offenen, kollegialen Zusammenarbeit.“


Sie denkt den ESC inklusiv: Anja Lenhart, Executive Assistant.
„Zu sehen, wie unterschiedlichste Gruppen – ob Ministerien, Museen, Familien oder Fans – gemeinsam etwas beitragen, gibt mir sehr viel“, schwärmt Stakeholder-Managerin Anja Lenhart. Schon beim ersten ESC in Wien schnupperte sie Song-Contest-Luft im Regieteam. Heute beschreibt die Koordinatorin ihre Aufgabe als „Job der Vermittlung“, in dem sie Menschen zusammenbringt und dafür sorgt, dass der ESC mehr ist als eine TV-Show: „Nämlich ein Projekt für das ganze Land.“ Lenharts Fokus liegt auf Inklusivität, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit. „Wenn Teilhabe gelingt, fühlt sich das richtig an. Ein Mega-Event wie der Song Contest muss nicht exklusiv sein, im Gegenteil: Es kann Menschen vereinen, Identifikation stiften und Vielfalt feiern.“


Sie dirigiert den Ablauf: Fabienne Pinter, Regisseurin.
Die Wienerin, die vor 33 Jahren beim ORF als Inspizientin begonnen hat, wird zusammen mit zwei Kollegen den Song Contest in Szene setzen: „Ich übernehme 17 Songs.“ Um die Beiträge bildgewaltig zu inszenieren, braucht es eine enge Zusammenarbeit mit den einzelnen Delegationen: „Jedes Land kommt mit einer fertigen Choreografie. Wir erarbeiten die Bühnenperformance im Detail, gemeinsam mit dem Kreativdirektor. Da geht es um viele Feinheiten, Lichtdesign, Kameratechnik. Wir bereiten Schnittlisten vor, damit bei den ersten Proben alles gut umgesetzt werden kann.“ Wie groß ist der Druck? „Noch geht’s“, lacht Fabienne, die 28 Kameras dirigieren wird, „aber der kommt, wenn wir in der Stadthalle oder am Set mit den Proben beginnen. Diese ersten Bilder zeigen, ob das Konzept aufgeht.“ Ihre Stärke ist, selbst bei größter Hektik strukturiert und koordiniert zu bleiben: „In meinem Job muss man sehr schnell reagieren und für das Team ruhig bleiben, denn sonst überträgt sich diese Nervosität.“ Dass sie als Frau beim ESC eine der wenigen Führungsrollen einnimmt, sieht die Mutter eines Sohnes pragmatisch: „Ich möchte mit meiner Arbeit keine Quote erfüllen, sondern nach meiner Leistung beurteilt werden. Mein Einsatz soll wertgeschätzt werden. Man soll sagen: ‚Da holen wir uns die Fabienne, die ist gut.‘ Darauf habe ich jahrelang hingearbeitet.“


Sie ist die ESC-Influencerin: Josefine Palla, Social Media.
Für sie gibt es nur ein Arbeitstempo: „Vollgas!“ Die umtriebige Tik-Tokerin, auch bekannt als „Staatsopern-Influencerin“ – sie berichtete bereits mehrfach über den Opernball –, startet als Social Media Host für den ESC durch und produziert mitreißende Online-Videos und spannende Einblicke rund um das Großevent. Sechs Wochen vor dem Start gibt es schon erste Erfolge vorzuweisen: „Wir durften als erster Broadcaster mit allen Acts Videos produzieren und haben damit auf unseren Socials über 14 Millionen Views erreicht!“, freut sie sich. „Besonders spannend ist es, das Event für neue Zielgruppen öffnen zu können. Und gleichzeitig langjährigen Fans Einblicke zu geben, die sie so noch nie gesehen haben. Das ist genial!“


Sie orchestriert den Markenauftritt: Iris Keutter, Marketing- und Commercial-Managerin.
Nach vielen Jahren im Team der Österreich-Delegation ist es nun auch schon ihr zweiter ESC, den Keutter als Marketing-Chefin von Wien aus begleiten darf. „Für mich ist es faszinierend, Markenarbeit auf einer globalen Bühne zu denken und gleichzeitig diesen typischen Eurovisions-Spirit zu spüren. Diese Energie, wenn die Stimmung auf der Bühne direkt auf die Fans in der Halle und vor dem Fernseher überspringt. Das vergisst man nicht“, weiß die Expertin, die auch schon Großprojekte wie „Dancing Stars“ oder „Starmania“ managte. So kurz vor dem Start wird jedes Detail wichtiger, und genau das liebt sie: „Wenn die monatelange Arbeit plötzlich eine Atmosphäre schafft, die Menschen verbindet.“ Aktuell dreht sich alles darum, dass Kooperationen an den richtigen Stellen zusammenkommen – und Dinge neu zu erfinden, die es vorher so noch nicht gab: das Maskottchen Auri etwa oder die Eurovision Experience auf der Spieleplattform Roblox.


Sie bestimmt, was wir sehen: Kornelia Meriä, Bildmeisterin.
Sie führt die Regieanweisungen aus und schneidet in Sekundenschnelle live zwischen den Kamerabildern. Dabei bewahrt Meriä stets kühlen Kopf: „Wenn es darauf ankommt, bin ich komplett im Tunnel. Ein tolles Gefühl, wenn alles läuft.“ Am wichtigsten sei die Arbeit vor Ort: Abläufe durchgehen, Timing verinnerlichen und sich als Team einspielen: „Je besser die Vorbereitung, desto ruhiger ist man live.“ Noch eines liebt sie: „Mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenzuarbeiten und neue kreative Inputs zu bekommen.“ Natürlich wünscht sich die Burgenländerin, dass alles gut geht. Ein Worst Case wäre, „wenn die Technik oder eine Kamera ausfallen würde“. Aber es gebe immer Alternativen und Backups. Der ESC sei generell etwas Besonderes: „Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt er, wie verbindend Musik und Kultur sein können – über alle Ländergrenzen hinweg.“


Sie organisiert 800 Freiwillige: Lisi Schrenk, Volunteers Management.
„Der ESC ist kein Event, er ist ein Ausnahmezustand mit globaler Aufmerksamkeit“, sagt Lisi Schrenk. Sie verantwortet das Volunteers Management und sichtet schon seit Wochen Bewerbungsvideos von Menschen, die das Großevent sowohl in der Stadthalle als auch auf den Side-Events in ganz Wien unterstützen möchten. Rund 800 Freiwillige werden zum Casting eingeladen, um unter anderem ihr Talent für Sprachen vor Ort unter Beweis zu stellen. So ganz nebenbei organisiert Schrenk als Event Director auch noch ein weiteres Großprojekt, den „Wings for Life World Run“ (10.5.) „Mein Alltag ist gerade radikal auf Leistung getrimmt. Schlaf, Training, Ernährung, Fokus, wenig soziale Kontakte. Kein Spielraum für Ausreden.“ Die ehemalige Inline-Speedskaterin – sie holte 2001 den Weltmeistertitel – liebt Herausforderungen und Klarheit: „Ich weiß jeden Tag, ob ich liefere oder nicht. Abläufe müssen durchdacht sein, die Leute müssen optimal eingesetzt werden, und trotzdem braucht das ganze Leichtigkeit. Es ist wie im Training: Vorbereitung ist alles.“ Schrenk kommt aus Systemen, die klar männlich dominiert sind. Sie arbeitete beim Bundesheer, dann als Leistungssportlerin und jetzt bei Großproduktionen. Wie sie damit umgeht? „Ich habe gelernt, mich darin zu bewegen.“ Ihre Arbeit erfüllt die Managerin jeden Tag aufs Neue: „Es macht mir zu 100 Prozent Spaß und liegt mir einfach total, wenn meine Leidenschaft auf eine Deadline hin gebündelt wird und ich genau dann Leistung abrufe, wenn es zählt.“ Und trotzdem zählt für die Macherin die innere Balance: „Der Job ist nicht das Wichtigste. Das habe ich auch durch den Sport gelernt. An einem Tag gewinnst du, hast zahlreiche Schulterklopfer, am nächsten Tag verlierst du und bist wieder ein Nebengeräusch.“

