
Zu ihrem neuen Buch ermutigte sie ausgerechnet Talk- Superstar Oprah Winfrey. Wie es dazu kam und welche Learnings Leadership- und Longevity-Expertin Nike Schröder aus ihrer größten persönlichen Krise zog.
Kann man ein Leben lang leistungsfähig bleiben, ohne auszubrennen? Und wie können Frauen erfolgreich sein, ohne sich selbst zu verlieren? Unternehmerin Nike Schröder kennt diese Fragen aus Erfahrung. Nach ihrem eigenen Zusammenbruch stellte sie ihr gesamtes Verständnis von Leistung, Erfolg und Selbstfürsorge infrage – und schrieb darüber auch ihr neues Buch. Heute bewegt sich die ehemalige Journalistin, die Weiterbildungen in den Bereichen Epigenetik und Biohacking absolvierte, an der Schnittstelle von Hochleistung, Gesundheit und innerer Stabilität.
Als Mitgründerin von Palazzo Fiuggi, eines der exklusivsten Wellness- und Longevity-Retreats der Welt, arbeitet sie mit internationalen Entscheidungsträger:innen, Unternehmer:innen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Die Gespräche und Erfahrungen aus diesem Umfeld prägen ihre Arbeit ebenso wie ihre eigene Geschichte. Im Interview spricht sie über Leistungsdruck, Psychosomatik und die Frage, warum echter Erfolg immer bei uns selbst beginnt.
Frau Schröder, Sie beschreiben in Ihrem Buch den Weg von permanenter Leistung hin zu mehr innerer Balance. Gab es diesen einen Moment, in dem Sie wussten: So geht es nicht weiter?
Nein. Und genau das überrascht viele. Es gab keinen Zusammenbruch über Nacht, keinen Knall. Es waren viele kleine Momente. Ich habe jahrelang funktioniert. Projekt für Projekt. Nacht für Nacht. Ich dachte immer: Irgendwann wird schon jemand kommen und sagen: „Das haben Sie großartig gemacht! Jetzt ruhen Sie sich aus.“ Aber dieser Moment kam nie. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, in denen ich, während andere Gäste morgens joggen gingen oder sich behandeln ließen, bis vier Uhr früh am Laptop saß. Kaum war ein Projekt abgeschlossen, wartete schon das nächste. Ich habe immer gehofft, jemand würde sehen, wie sehr ich mich aufopfere. Mein Chef. Mein Partner. Irgendjemand. Heute weiß ich: Diese Person kommt nicht
Wann haben Sie das erkannt?
Als mein Körper begonnen hat, sich zu wehren. Ich hatte ständig Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, später musste ich mich sogar regelmäßig übergeben. Anfangs dachte ich, ich sei einfach krank. Erst viel später habe ich verstanden: Mein Körper hat längst ausgesprochen, was ich selbst nicht hören wollte. Der entscheidende Satz war schließlich: Nicht jemand anderes muss mich stoppen. Ich selbst muss Stopp sagen. Das war wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis meines Lebens.
Sie erzählen im Buch auch von einer Begegnung mit Oprah Winfrey, die Ihr Leben verändert hat. Wie kam es dazu?
Das war völlig ungeplant. Oprah kam inkognito in den Palazzo Fiuggi. Erst nach kurzer Zeit war mir klar, wer da eigentlich vor mir stand. Ich durfte sie während ihres Aufenthalts begleiten, und wir kamen immer wieder ins Gespräch. Mich hat vor allem eines beeindruckt: Sie war überhaupt nicht der unnahbare Weltstar. Sie war unglaublich interessiert. An jedem Menschen. An jeder Geschichte. Sie fragte mich nach meiner Arbeit, nach meinem Leben, nach meinen Erfahrungen. Und irgendwann sagte sie ganz selbstverständlich: „Warum schreiben Sie darüber kein Buch?“ Zuerst habe ich gelacht.
Und dann?
Je länger wir miteinander gesprochen haben, desto deutlicher wurde ihr, dass mein eigentliches Thema gar nicht Longevity oder Gesundheit war. Es ging um Erschöpfung. Um Frauen, die ständig funktionieren. Um Menschen, die immer glauben, noch mehr leisten zu müssen. Kurz vor ihrer Abreise legte sie mir die Hand auf die Schulter und sagte: „This is your topic. Write this book.“ Diesen Satz werde ich nie vergessen.
Welche Fähigkeit macht Oprah so besonders?
Ihre Aufmerksamkeit. Man denkt bei ihr zuerst an Erfolg, Einfluss oder Medienmacht. Ich habe etwas ganz anderes erlebt. Sie hatte Zeit. Für die Mitarbeiter. Für jeden Menschen. Sie hörte wirklich zu.
Sie bewegen sich seit vielen Jahren unter Unternehmer:innen, Weltstars und Spitzenmanager:innen. Was haben Sie hinter den Kulissen über Erfolg gelernt?
Dass die wirklich Großen erstaunlich normal sind. Arnold Schwarzenegger hat einmal zu mir gesagt: „Die wirklich Großen sind ganz normal.“ Damals habe ich den Satz gar nicht richtig verstanden. Aber heute weiß ich genau, was er damit meinte. Menschen wie Jeff Bezos, Stefano Domenicali oder eben Oprah Winfrey unterscheiden sich nicht da- durch, dass sie nie scheitern. Sondern dadurch, dass sie klar wissen, warum sie etwas tun. Sie verfolgen ihren eigenen Weg – nicht den der anderen.
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War das Ihr persönlich wichtigstes Learning?
Ja. Ich habe jahrelang Ziele verfolgt, die eigentlich gar nicht meine waren. Ich wollte, dass Projekte erfolgreich werden. Dass Unternehmen erfolgreich werden. Dass andere Menschen erfolgreich werden. Aber ich habe viel zu selten gefragt: Was will eigentlich ich? Diese Klarheit verändert alles.
In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Stärke heute etwas völlig anderes für Sie bedeutet als früher …
Mit Anfang 30 dachte ich, Stärke bedeutet, alles auszuhalten. Heute glaube ich das Gegenteil. Stärke bedeutet, Grenzen zu setzen. Nein zu sagen. Sich nicht permanent über Leistung definieren zu müssen. Ich musste erst lernen, dass mein Wert nicht davon abhängt, wie viel ich arbeite.
Selfcare und Longevity sind Buzzwords, die gerne bemüht werden. Sie sind zum Lifestyle geworden. Kann daraus nicht neuer Druck entstehen?
Wenn es zur nächsten To-do-Liste wird, haben wir nichts gewonnen. Gerade in sozialen Medien entsteht häufig der Eindruck, man müsse sich permanent weiterentwickeln – von Schlaf über Sport bis zur Ernährung. Das kann wiederum zu Druck, Erschöpfung und chronischer Unzufriedenheit führen.
Ist Selfcare eigentlich nur etwas für jene, die es sich leisten können?
Es muss kein Luxus sein. Es geht vielmehr darum, zwischen realen Herausforderungen und gedanklichen Katastrophenszenarien zu unterscheiden. Innere Klarheit hilft dabei, bessere Entscheidungen zu treffen – auch finanziell. Kleine Auszeiten, Bewegung, Gespräche oder ein Spaziergang lösen Probleme nicht sofort, schaffen aber die Energie, sie besser zu bewältigen.
Palazzo Fiuggi steht für ganzheitliche Gesundheit. Wie definieren Sie heute ein gelungenes Leben für sich und andere?
Es geht um so viel mehr als „nur“ um ein langes Leben. Entscheidend ist die Qualität dieser Lebenszeit. Nicht nur die Abwesenheit von Krankheit steht im Fokus, es geht darum, dauerhaft in Balance zu bleiben und leistungsfähig zu sein, ohne sich selbst aufzubrauchen. Erfolg ist keine Frage des Zeitmanagements, Erfolg ist Energiemanagement. Nicht wie viele Stunden wir arbeiten, entscheidet über unser Leben. Sondern ob wir dabei unsere Energie verlieren – oder sie erhalten.

Buchtipp. Ein Buch über Mut, Balance und die Kraft, sich selbst wiederzufinden: "Die Kunst, stark zu bleiben, wenn alles zu viel ist" von Nike Schröder, Forward Verlag, €19,-
















