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Abtreibungspille: Was passiert beim medikamentösen Schwangerschaftsabbruch?

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Abtreibungspille

Abtreibungspille

©Elke Mayr
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Ungewollt schwanger? So läuft der Schwangerschaftsabbruch durch die Abtreibungspille ab.

*TRIGGERWARNUNG. Dieser Artikel enthält sensible Inhalte, die für einige Menschen retraumatisierend sein können. Sollte dich das Thema "Abtreibung/Schwangerschaftsabbruch" belasten, empfehlen wir dir den Beitrag nicht oder zumindest nicht allein weiterzulesen.

Abtreibung. Ein Thema, über das niemand gern spricht. In deinem Bekannten- oder Freundeskreis gab es bestimmt schon den ein oder anderen Schwangerschaftsabbruch, über den du nichts weißt. Zu groß ist die Angst vor Verurteilung in unserer Gesellschaft, die Angst, die eigene Entscheidung könnte nicht respektiert oder verstanden werden.

Die Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch sind verschieden. Schwierige Lebensumstände, eine Vergewaltigung, keine:n Partner:in, eine Risikoschwangerschaft, Geldprobleme oder andere Gründe, die ihre Berechtigung haben.

Was ist die Abtreibungspille?

Eine Schwangerschaft abzubrechen, fällt keiner Frau leicht, denn neben den medizinischen Aspekten spielen auch moralische und die seelische Belastung eine wichtige Rolle. Noch immer ist eine Abtreibung aus politischer und gesellschaftlicher Sicht ein kontroverses Thema. Bei der Abtreibungspille spricht man auch von chemischer oder hormoneller Abtreibung. Bei dieser Methode wird ein Schwangerschaftsabbruch (Abgang des Embryos) durch das Einnehmen von Medikamenten herbeigeführt.

Die Abtreibungspille kann nur unter ärztlicher Aufsicht bei den Fachleuten eingenommen werden, die den Schwangerschaftsabbruch durchführen. Denn das Medikament ist nicht frei verkäuflich oder auf Rezept erhältlich.

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© Elke Mayr

Was ist der Unterschied zur "Pille danach" bzw. "Notfallpille"

Die " Pille danach" ist eine Maßnahme zur Notfallverhütung. Die Einnahme der "Notfallpille" kann nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder beim Versagen einer Verhütungsmethode (z.B. eingerissenes Kondom) eine mögliche unerwünschte Schwangerschaft verhindern.

Je früher die Tablette, nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zum Einsatz kommt, desto größer ist die Chance den Eisprung verschieben zu können.

Wichtig: Sie ist nicht für den Ersatz einer regelmäßige Verhütung, wie die Pille oder die Hormonspirale, geeignet.

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Medikamentös

Die Einnahme einer Abtreibungspille darf nur unter ärztlicher Aufsicht und Kontrolle eingenommen werden und zwar bis zur 9. SSW, gerechnet ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung.

Operativ: Absaugung

Lokal betäubt oder unter Vollnarkose. Die gängigste Methode ist die Absaugung, auch Saugkürettage genannt. Bei diesem Schwangerschaftsabbruch werden Embryo und Gebärmutterschleimhaut über ein Röhrchen abgesaugt. Insgesamt dauert der Vorgang nur etwa zehn bis fünfzehn Minuten.

Operativ: Ausscharbung

Bei einer Ausschabung (auch Kürettage bzw. Curettage genannt) wird die Schleimhaut der Gebärmutter künstlich, das heißt durch eine Operation, herausgescharbt.

Mifegyne® und Cytotec®: Diese Tabletten werden zur Abtreibung benutzt

Mifegyne® ist der Markenname für das Medikament Mifepriston, während Cytotec® den Wirkstoff Misoprostol enthält. In Kombination werden sie als sichere und wirksame Option für Frauen betrachtet, die eine Schwangerschaft beenden möchten, ohne einen chirurgischen Eingriff durchführen zu lassen.

Die Einnahme von Mifegyne, gefolgt von einem Prostaglandin zwei Tage später, beendet eine Schwangerschaft mit etwa 98%iger Sicherheit, so heißt es auf der Seite der Frauenarzt Praxis Dr. Fuhrmann.

Wie viel kostet es?

Frauen müssen sich vor einer Abtreibung in einer staatlichen Beratungsstelle beraten lassen. Das Beratungsgespräch ist kostenlos. Die Kosten für eine medikamentöse Abtreibung liegen bei 350 bis 500 Euro.

Wie wirkt die Abtreibungspille?

Das Medikament Mifepriston blockiert die Wirkung des Gelbkörperhormons (Progesteron) und bewirkt, dass sich der Embryo aus der Gebärmutter herauslöst und innerhalb von 36 bis 48 Stunden abgeht.

Nach Ablauf dieser Zeit erhält man ein weiteres Medikament - ein sogenanntes Prostaglandin. Es erweicht den Muttermund und löst Wehen aus. Der Embryo und das Schwangerschaftsgewebe werden dann abgestoßen. Die Blutung ähnelt in der Regel einer gewöhnlichen Monatsblutung, manchmal kann sie auch dunkler auftreten.

Was können Nebenwirkungen sein?

  • Unterleibsschmerzen

  • Übelkeit

  • Erbrechen

  • Blutungen

  • Schüttelfrost

  • Zudem berichten Frauen immer wieder von der hohen psychischen Belastung, die sie dabei durchlebt haben

Was empfinden Frauen, wenn sie eine Abtreibungspille nehmen?

Man sagt, das man erst weiß was man tut, wenn man selbst in der Situation ist. Einige Frauen sind sich zu 100 % sicher. Die Möglichkeit eine Abtreibung durchführen zu lassen, stellt für sie eine große Erleichterung dar. Sie haben die Freiheit eine eigene Entscheidung zu treffen.

Andere drehen sich im Kreis. In einem Moment sind sie der festen Überzeugung, die Schwangerschaft abzubrechen, sei die richtige Entscheidung. Im anderen Moment bereitet ihnen die Vorstellung schreckliche Angst. Viele haben Angst davor, sie könnten es später bereuen.

Schuldgefühle und Unverständnis von außen stellen eine zusätzliche Belastung für die Frauen dar. Das ist ein Grund dafür, warum die meisten eine Abtreibung für sich behalten und jahrelang sogar im engeren Umfeld oder der Familie verschweigen. Die seelische Belastung ist einfach zu groß. Frauen wünschen sich in dieser Situation Ärzte und Ärztinnen, die sie verstehen, die fürsorglich sind und sich Zeit nehmen.

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No uterus, no opinion: Frauen entscheiden selbst über ihren Körper

Körperliche Selbstbestimmung ist für Frauen weltweit keine Selbstverständlichkeit. Am 24. Juni 2022 hob der Supreme Court in den USA das landesweite Recht auf Abtreibung auf. Die Richter entschieden sich damit gegen ein 50 Jahre altes Grundsatzurteil und bedeutete für Frauen auf der ganzen Welt einen großen Rückschritt der Emanzipation und Selbstbestimmung.

Niemand, wirklich niemand hat über den Körper einer Frau zu entscheiden. Schließlich betreffen auch die Konsequenzen dieser Entscheidung in erster Linie die Frau. Natürlich sollte die Entscheidung einer Abtreibung niemals leichtfertig und voreilig getroffen werden, sobald diese jedoch einmal feststeht, hat niemand das Recht eine Frau dafür zu verurteilen.

Solltest du in der Situation sein: Für eine solche Entscheidung darfst du dir Zeit nehmen und Hilfe in Anspruch nehmen. Hier findest du eine Übersicht von Beratungsstellen, wo dich Sozialarbeiter: innen sowie Ärzte und Ärztinnen vertrauensvoll beraten.

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