
Sie gehört zu den einflussreichsten Frauen der Beautybranche: Seit einem Jahr ist Vania Lacascade Lancôme-Chefin. Was sie auf ihrem Weg an die Spitze gelernt hat? Dass große Entscheidungen oft mit einem Bauchgefühl beginnen - und nachhaltiger Erfolg Optimismus braucht.
Der renovierte Lancôme-Flagshipstore an der ChampsÉlysées in Paris ist an diesem Vormittag Mitte Mai voller Journalist:innen und Influencer:innen aus aller Welt. Kurz zuvor hat Vania Lacascade auf der Bühne eine der wichtigsten Innovationen des Hauses präsentiert – die neue „Absolue Longevity MD“, eine Linie, die nicht darauf abzielt, sichtbare Zeichen der Hautalterung zu korrigieren, sondern dank aktueller Erkenntnisse aus der Longevity-Forschung die Haut unterstützen soll, länger gesund und widerstandsfähig zu bleiben. Ein paar Stunden nach dem Launch treffe ich die Global Brand President von Lancôme zum Gespräch. Die studierte Pharmazeutin führt eine der bekanntesten Luxusmarken der Welt, war zuvor Innovationschefin des L’Oréal-Konzerns und hat berufliche Stationen in Shanghai und London hinter sich. Doch statt über Erfolg oder Karriereleiter spricht sie über etwas anderes: Intuition, mutige Entscheidungen und ihre Art von Leadership.
Frau Lacascade, Sie haben bereits in unterschiedlichen Kulturen gearbeitet und führen heute eine der bekanntesten Luxusmarken der Welt. Was haben Sie durch dieses internationale Netzwerk gelernt?
Wer in verschiedenen Ländern arbeitet, kommt mit unterschiedlichen Perspektiven in Kontakt – und entwickelt dadurch einen ganzheitlicheren Blick auf Menschen und Märkte. Und ich habe vor allem mitgenommen, dass Erfolg niemals eine Einzelleistung ist. Es ist keine One-Woman oder One-Man-Show. Hinter jedem großen Projekt stehen Menschen, die ihr Wissen, ihre Ideen und ihre Energie einbringen. Gerade in einem globalen Unternehmen kann man nur erfolgreich sein, wenn alle an einer gemeinsamen Vision arbeiten.
Gibt es eine Fähigkeit, die Ihnen auf Ihrem Weg an die Spitze besonders geholfen hat?
Intuition. In einer komplexen und schnelllebigen Branche reicht es nicht aus, nur Zahlen und Strategien zu folgen. Man muss auch spüren, wohin sich Dinge entwickeln. Gerade in meinen Jahren als Innovationsverantwortliche war das entscheidend. Diese innere Stimme gibt einem den Mut, auch unkonventionelle Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig versuche ich, mir eine zweite Fähigkeit bewusst zu bewahren: Optimismus. Nicht als naive Haltung, sondern als bewusste Entscheidung. Es ist für mich eine Form von Disziplin – wie ein Muskel, den man jeden Tag trainieren muss.
Wie schaff en Sie es, diese Einstellung in stressigen Zeiten zu bewahren?
Manchmal braucht man einen „Optimismus-Partner“. Für mich ist das oft mein Mann. Wenn ich einen schwierigen Moment habe, hilft er mir dabei, die Dinge wieder positiver zu sehen. Er erinnert mich morgens auch daran, dass ich selbst entscheiden kann, ob es ein guter oder ein schlechter Tag wird. Generell versuche ich bewusst, den Fokus auf das zu richten, was möglich ist. Und ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man positiv auf andere Menschen zugeht, kommt diese Energie meist auch zurück. So entsteht ein schöner Kreislauf – und genau das stärkt nicht nur einen selbst, sondern das gesamte Team.
Auf LinkedIn haben Sie einmal erwähnt, dass Ihre Teenie-Töchter Ihren Blick auf Schönheit hinterfragen. Was nehmen Sie von ihnen für den Job mit?
Meine Töchter gehören zu einer Generation, die unglaublich viel ausprobiert, gut informiert ist und vieles kritisch beäugt. Sie möchten genau wissen, was in Produkten steckt und wie sie wirken. Das fordert auch mich immer wieder heraus und hilft mir, meinen Blick zu schärfen. Gleichzeitig spüre ich eine große Verantwortung – nicht nur als Mutter, sondern auch als Managerin. Junge Menschen wachsen heute mit sozialen Medien und permanenten Vergleichen auf. Deshalb ist es umso wichtiger, ihnen zu vermitteln, dass es nicht um Perfektion geht, sondern darum, gut für sich selbst zu sorgen und auf die eigenen Bedürfnisse zu hören, anstatt sich von Filtern und unrealistischen Schönheitsidealen leiten zu lassen.
Über die Autor:innen

Melanie Zingl
Melanie ist seit 2007 bei der Verlagsgruppe News (VGN) tätig. 2016 wurde sie Leitende Redakteurin und 2018 Stellvertretende Chefredakteurin. Seit 2024 ist Melanie Chefredakteurin bei WOMAN. Ihr erklärtes Ziel: "Make the World more WOMAN. Weil wir davon überzeugt sind, dass eine gleichberechtigte Welt eine bessere ist."