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"Lernt feministische Pornographie kennen."

Patrick Catuz und Adrineh Simonian wollen mit 'Blind Date' die Welt der Pornos revolutionieren und hierfür suchen sie noch neugierige InteressentInnen!

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Porno Blind Date
© Patrick Catuz, Adrines Simonian

Pornographie wandelt sich. Raus aus der Schmuddelecke, hin zu künstlerisch anspruchsvollen und ethisch vertretbaren Filmen. Eigentlich könnte man es mit dem Horrorfilmgenre vergleichen: Da gibt es Mainstream-Schocker, aber auch tiefgründige Psycho-Horror-Dramen, die sehr niveauvoll sind. Und auch beim Porno gibt es die klassischen 'Wichsvorlagen' und feministische Filme, die mehr als das sein wollen.

In letzterer Welt bewegen sich Patrick Catuz und Adrineh Simonian. Sie ist Filmemacherin, er Künstler und Buchautor. Beide gemeinsam sind ein feministisches Duo, das das Porno-Genre revolutionieren will.

»Es ist ein sehr spannendes Experiment, das ein Tabuthema brechen soll.«

Mit der Filmproduktionsfirma 'Arthouse Vienna' haben sie ein neues Projekt gestartet: "Blind Date".

Sie kennen einander nicht. Und haben Sex.

Zwei Menschen treffen aufeinander. Nackt. Auf einem Bett. Sie kennen sich nicht - und sie werden einander auch nicht sehen. Denn sie tragen Augenmasken, sie dürfen nicht miteinander sprechen. Aus dieser Begegnung kann etwas Sexuelles entstehen, ein spontaner Porno eben. Muss aber nicht.

"Viele Interessenten fragen mich, was denn wäre, wenn sie in dem Moment einfach nicht weiterkönnen, weil sie große Angst haben. Ganz einfach. Man sagt, dass man diesen Schritt leider nicht weitergehen kann. Dadurch ist der Film in meinen Augen nicht gescheitert. Wir versuchen dann herauszufinden, was mit der Person passiert ist und was die Gründe sind. Es ist ein sehr spannendes Experiment, das ein Tabuthema brechen soll. , sagt Filmemacherin Simonian.

Im Interview mit WOMAN sprechen Catuz und Simonian über "Blind Date", die Suche nach Interessierten und den Werdegang der Pornoindustrie.

Porno Blind Date
(c) Blind Date

WOMAN: Erzählt kurz über euer neues Projekt Blind Date! Wer kann mitmachen, wen soll es ansprechen - ganz einfach, was steckt dahinter?

Adrineh Simonian: Die Idee zu Blind Date kam wie ein Blitz. Es ist ein Experiment, das Neugierde wecken soll. In diesem Sinne ist es kein Pornofilm, sondern eher eine Sexualstudie. Wir arbeiten in dieser Rubrik nur mit Laien. Menschen, die nie vor der Kamera standen. Vor dem Zusammentreffen der Protagonisten führt Patrick mit ihnen am Vortag ein langes Interview. Wir versuchen herauszufinden, wie diese Person lebt und früher gelebt hat. Warum er oder sie bei "Blind Date" mitmacht. Ob er Ängste hat, oder nervös ist. Dieses Interview ist extrem wichtig für mich, um einen Eindruck von diesem Menschen zu haben.

Patrick Catuz: Wir suchen für die nächste Produktion übrigens noch interessierte Leute! Wir sind offen für alle Altersgruppen, Körpertypen, Orientierungen. Nur die Einstellung ist wichtig, nämlich dass die Menschen eine echte Neugierde verspüren und unsere Projekte unterstützen wollen. Sie können sich gerne mit ein paar Zeilen über sich und was sie am Projekt spannend finden unter office@arthousevienna.at melden!

»Zwei Menschen die sich nicht kennen. Kann denn daraus Sexualität entstehen?«

WOMAN: Ist Blind Date ein Porno?

Patrick Catuz: Sofern sich die Teilnehmenden riechen können, kommt es zu sexuellen Aktivitäten. Die filmen wir. Also produzieren wir pornographische Filme. Ich möchte den Begriff nicht fallenlassen, nur weil die Leute eher unprofessionelle, schmuddelige oder sogar frauenfeindliche Filme damit assoziieren. Adrineh hat da ein außerordentlich gutes Gespür für Formate. Es geht uns nicht darum, Masturbationsvorlagen zu produzieren. Hier interessiert uns das Experiment. Wenn die Leute keinen Sex haben, machen wir den Film trotzdem und dokumentieren das entsprechend.

Adrineh Simonian: Ich definiere die Pornographie neu und will, dass Menschen hinsehen und kapieren, wie Pornographie auch sein kann, jenseits des Mainstreams. Ich will das Wort „Pornographie“ gesellschaftsfähig machen und aus der Schmuddelecke herausholen. Die Moral, die uns von Kind an eingeprägt wird, ist vollkommen daneben.

WOMAN: In einem WOMAN-Interview von 2014 hast du, Patrick, über dein Buch ‘Feminismus fickt!’ gesprochen. Es ging darum, wie sich die Pornoindustrie auch in Richtung Feminismus verändert hat. Hat es in den letzten Jahren weitere Änderungen gegeben, oder herrscht Stillstand?

Patrick Catuz: Meine Einschätzung hat sich bestätigt. Die bereits bestehende Nische hat sich als Markt etabliert. Mittlerweile ist Fem-Porn in aller Munde. Es gibt jedes Jahr mehr Regisseurinnen, mehr Produktionen. Pornographie fächert sich dadurch auch noch weiter aus, Queer Porn ist groß im Kommen. Und auch Arthouse Porno wird langsam ein Thema, mehr Leute wie wir, die ursprünglichen aus der Kunst kommen beginnen mit Pornographie zu experimentieren. Der Markt für alternative Pornographie baut sich also weiter auf. Man muss aber dazu sagen, dass die Entwicklungen doch eher langsam voran schreiten. Langsam, aber stetig.

»Die Moral, die uns von Kind an eingeprägt wird, ist vollkommen daneben.«

WOMAN: Welchen Porno, oder Pornos, der letzten Jahre könntet ihr empfehlen?

Adrineh Simonian: Es gibt einige sehr gute Filme, die von feministischen Pornographen gemacht worden sind. Einige sind mehr im Mainstream angesiedelt, andere sind Kunstwerke. Einen einzelnen Film kann ich nicht empfehlen, denn es gibt viel zu entdecken. Nächstes Jahr gibt es vielleicht endlich ein Pornofilmfestival in Wien. Geht hin, und schaut euch die Filme an. Lernt feministische Pornographie kennen. Es wird euch interessieren. Davon bin ich überzeugt.

Patrick Catuz: Vielleicht ist es ja eine ganz gute Einstimmung, sich dann Blind Date auf unserer Website anzuschauen. Gerade für Leute, die mit dem Genre nicht so vertraut sind, kann ich mir einen schöneren Einstieg kaum vorstellen!