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Was macht eigentlich Hyaluron?

Dass unsere Haut jugendlich prall wirkt, verdanken wir der Hyaluronsäure. Der körpereigene Stoff wird aber mit den Jahren immer weniger. Deshalb versucht die ästhetische Medizin nachzubessern.

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Was macht eigentlich Hyaluron?
© pinkypills/Corbis

Das Tausendfache ihres eigenen Gewichts kann Hyaluronsäure an Wasser speichern. Mit dieser beeindruckenden Eigenschaft sorgt sie dafür, dass unsere Haut prall ist, die Knorpelsubstanz elastisch bleibt und die Gelenke geschmiert werden. Und diese Eigenschaft macht sie zum Zaubermittel der ästhetischen Medizin. Denn da sie der Körper mit dem Älterwerden immer weniger produziert, versucht man, sie von außen zuzuführen. Dr. Sabine Maier (kiprov.com) hat uns alle Fragen zum Thema beantwortet.

Was genau ist Hyaluronsäure?

Biochemisch gesehen ist sie ein Glykosaminoglykan und damit wichtiger Bestandteil des Bindegewebes. Sie befindet sich zwischen den einzelnen Zellen und speichert dort die Feuchtigkeit. Sie ist außerdem Hauptbestandteil von Augäpfeln, Knorpeln und Gelenkschmiere. Denn durch ihre hohe Wasserspeicherkapazität ist sie äußerst druckbeständig. Das kommt uns z.B. in den Bandscheiben zugute. Da Hyaluronsäure nur ungefähr drei Tage lang hält, wird sie in den Zellen ständig nachproduziert.

Wo wird dieser Stoff überall eingesetzt?

In der Humanmedizin werden Hyaluronsäure-Präparate in arthrosegeschädigte Gelenke injiziert, um sie zu "schmieren". Sie befindet sich auch in Tropfen gegen Augentrockenheit und es gibt Nasensprays, die helfen, die Schleimhäute zu befeuchten. In der Kosmetik wird sie als Feuchtigkeitsspender verwendet und in der ästhetischen Medizin zum Unterspritzen.

Wie wird Hyaluronsäure in Pflegeprodukten verwendet?

Der Stoff ist in zahlreichen Cremen und Seren als Feuchtigkeitsspender enthalten (eine Auswahl siehe unten). Früher wurde Hyaluronsäure übrigens aus Hahnenkämmen u.ä. gewonnen, was oft zu allergischen Reaktionen führte. 1984 gelang es den Forschern des japanischen Kosmetikkonzerns Shiseido, sie biotechnologisch durch Fermentation von Mikroorganismen herzustellen - ein revolutionärer Schritt in der Kosmetik.

Wie nutzt die Beauty-Medizin Hyaluron?

Filler setzt man überall dort ein, wo man verlorenes Volumen wieder herstellen möchte: Falten, Lippenkonturen, aber auch Narbendellen. Sehr dünnflüssige Säure wird großflächig in tiefere Hautschichten eingearbeitet, um dort den Feuchtigkeitshaushalt zu verbessern.

Was ist bei einer Unterspritzung zu beachten?

Es gibt für verschiedene Regionen unterschiedliche Stärken. Sehr dickflüssige Säure, die sich beinahe "grieselig" anfühlt, wird in tiefe Hautregionen am Jochbein oder rund um das Kinn injiziert. Die Nasolabialfalte und die Lippen füllt man mit mittlerer Stärke. Kleine, oberflächliche Falten wie an der Oberlippe werden mit einem dünnflüssigen Produkt aufgepolstert. Das Ergebnis hält ca. 18 Monate. Achtung: Die Augenregion ist für Unterspritzungen nicht geeignet, Filler sieht man dort.

Welche Filler gibt es, wie zuverlässig sind sie?

Um Hyaluronsäure für die Ästhetik verwenden zu können, wird sie chemisch verändert. Dadurch kann sie der Körper nicht so schnell abbauen. Es gibt unzählige Produkte, allerdings auch viele, bei denen sich allergische Reaktionen häufen. Drei sehr komplikationsarme Präparate sind Restylane, Allergan und Belotero. Übrigens: Ist man mit dem Ergebnis nicht zufrieden, hilft die Injektion des körpereigenen Enzyms Hylase. Das sorgt dafür, dass sich die Säure unmittelbar abbaut.

Warum ist Hyaluronsäure so teuer?

In erster Linie bezahlt man die Forschung und Entwicklung dahinter. Natürlich gibt es auch billigere Produkte, bei denen ist die Komplikationsrate aber viel höher. Eine Ampulle (1 ml) kostet bei Kiprov 470,- Euro.