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Joanne K. Rowling: Die "Harry Potter"-Autorin im Portrait

Von der Sozialhilfeempfängerin zur gefeierten Autorin. Mehr als 500 Millionen verkaufte Exemplare von Harry Potter machten sie zum Star am Autorenhimmel. Doch in den letzten Jahren gerät Rowling immer öfter in Kritik. Ihre Äußerungen über Transmenschen rufen heftige Emotionen hervor. Ein Portrait über eine Frau zwischen Talent, häuslicher Gewalt und dem Engagement im Kampf gegen Multiple Sklerose.

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J.K. Rowling
© Getty Images

Sie zählt zu den erfolgreichsten und bekanntesten Schriftstellerin der Welt: Joanne K. Rowling. Ihren großen Erfolg verdankt sie einem Zauberer namens Harry Potter - wir alle kennen seine Geschichte. Doch der Weg dahin war kein einfacher, denn sie plagten finanzielle Sorgen und gesundheitliche Probleme. Ihr Manuskript über den Zauberlehrling wurde zudem damals von mehreren Verlagen abgelehnt, weil sie befürchteten, dass Jungs ungern ein Buch von einer Frau lesen würden. Deswegen beschloss sie ihren Namen in J. K. abzukürzen, sodass man das Geschlecht nicht mehr erkennen konnte. Heute verzaubert sie mit den "Harry Potter"-Bänden seit Jahrzehnten Fantasy-Fans auf der ganzen Welt. Und das ist ihre Geschichte ...

Steckbrief: Joanne K. Rowling

  • Name: Joanne Kathleen Rowling (J. K. Rowling); Pseudonym Robert Galbraith
  • Geboren am: 31. Juli 1965
  • Sternzeichen: Löwe
  • Geburtsort: Yate, England
  • Wohnort: Edingburg
  • Beruf: Schriftstellerin
  • Ehepartner: Neil Murray, seit 2001
  • Kinder: 3 Kinder: David (*2003), Mackenzie (*2005) und Jessica (*1993)

Karriere: J.K. Rowling, die geborene Geschichtenerzählerin

Die Basis für ihre Karriere legt die Erfolgsautorin bereits in ihrer Kindheit. So zeichnete sie schon als kleines Mädchen Bildergeschichten und dachte sich gerne Gedichte aus. Auch ihre Ausbildung hatte die Liebe zur Sprache als Basis.

1987 schloss sie ihr Studium in Französisch und Klassischer Altertumswissenschaft an der "University of Exter" ab und ging für einige Jahre ins Ausland um als Lehrerin Englisch zu unterrichten.

Im Jahr 1990 legte sie dann den Grundstein für ihre heutige Karriere, sie begann am ersten "Harry Potter"-Roman zu schreiben. Was zunächst nicht so vielversprechend startete, ihre Idee wurde zunächst von Verlagen abgelehnt, entwickelte sich dann in wenigen Jahren zum Kassenschlager.

Über 500 Millionen Exemplare von Harry Potter wurden bis heute verkauft, in mehr als 62 Sprachen wurden die Geschichten des berühmtesten Zauberlehrlings übersetzt.

J. K. Rowling - Harry Potter und der Stein des Weisen un einem Londoner Buchstore 2000
J. K. Rowling - Harry Potter und der Stein des Weisen un einem Londoner Buchstore 2000

Die Geburtsstunde von Harry Potter: J.K. Rowling und der Zauberlehrling

Aber alles mal von Anfang an ... Zu Beginn der 90er Jahre kam ihr die eine Idee, die ihr Leben für immer verändern sollte. Während einer langweiligen Zufahrt von London nach Manchester kreierte sie die zauberhafte Welt des Harry Potter. Erst fünf Jahre später, nämlich 1995, vollendete sie den ersten Band.

Bis das Buch veröffentlicht wurde, sollte aber noch weitere Zeit vergehen. Nach etlichen Absagen von verschiedenen Verlagen veröffentlichte der Verlag Bloomsbury Publishing "Harry Potter und der Stein der Weisen" 1997 mit gerade mal einer Startauflage von 500 Exemplaren. Der Rest ist Geschichte.

Danach folgten 6 weitere "Harry Potter"-Bände, die für Begeisterungsstürme rund um den Globus sorgten. Bilder von Events zur Publikation jedes neuen Bandes, bei denen Fans Buchhandlungen stürmten ginge um die Welt.

J. K. Rowling - Ansturm auf die Harry Potter Bücher 2003
Warteschlange bei einem Büchershop für "Harry Potter und der Orden des Phönix" 2003

Während Rowling am ersten "Harry Potter"-Roman noch handschriftlich in Kaffeehäusern sitzend arbeitete und als alleinerziehende Mutter auf Sozialhilfe angewiesen war, entstanden nach dem ersten großen Erfolg alle weiteren Werke nicht nur am Computer, sondern verkauften sich auch millionenfach.

Drei Tage nach der Veröffentlichung des ersten Romans ersteigerte der US-Verlag "Scholastic" die Rechte am Erstlingswerk für sagenhafte 100.000 Dollar. Auch die New York Times erkannte das Potenzial und listete die ersten drei Potter-Romane auf den ersten drei Plätzen ihrer berühmten Bestsellerliste. Sie war somit die erste Schriftstellerin, die mit ihren ersten Büchern Millionen verdiente.

Harry Potter: vom Bestseller zum Kino-Blockbuster

So dauerte es auch nicht lange, bis Hollywood an Rowlings Tür klopfte. Warner Brothers wurde auf die Bandreihe aufmerksam und kaufte die Filmrechte für die ersten beiden Bände. J. K. Rowling räumte sich Mitspracherecht bei den Filmen ein und ihr war zudem sehr wichtig, dass britische Schauspieler:innen die Rollen besetzten. Die Hauptrollen gingen an Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint. Außerdem wurden auch die bereits damaligen Weltstars Alan Rickman, Richard Harris und Robbie Coltrane engagiert.

J. K. Rowling - Harry Potter: Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint
J. K. Rowling - Harry Potter: Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint

Für die letzten Filme "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 1+2" ließ es sich J.K. Rowling nicht nehmen, zusätzlich als Produzentin mitzuwirken. Bis heute spielen sowohl die Bücher als auch die Filme Geld ein. Mit einem geschätzten Vermögen von über 25 Millionen Euro zählt Rowling zu den reichsten Frauen Großbritanniens.

Krimis & Drehbücher: die vielseitige Schriftstellerin

Auch abseits der Harry Potter Bücher ist Joanne K. Rowling erfolgreich. So erschien 2012 ihr erster Erwachsenenkrimi "Ein plötzlicher Todesfall" unter ihrem Pseudonym Robert Galbraith. 2013 veröffentlichte sie das erste Buch "Der Ruf des Kuckucks" aus der Cormoran-Strike-Serie. Danach folgten noch vier weitere: "Der Seidenspinner" (2014), "Die Ernste des Bösen"(2016), "Weiße Tod"(2018) und "Böses Blut" (2020).

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Noch während des Entstehungsprozesses der "Harry Potter"-Reihe schrieb J.K. Rowling an dem Kinderbuch "The Ickabog" . Jedoch vollendete sie das Projekt erst 2020 und veröffentlicht es kostenlos für Kinder, die aufgrund der Covid-19-Pandemie in ihrem Leben eingeschränkt waren.

Der "Harry Potter"-Welt blieb sie dennoch treu. So schreib sie die Drehbücher zu den Harry-Potter-Spin-offs "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden", "Grindelwalds Verbrechen" und zuletzt "Dumbledores Geheimnissen". Auch bei der Produktion des Theaterstücks "Harry Potter und das verwunschene Kind" wirkte sie mit.

Ihr bislang letzter Roman "Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein" erschien 2021 und landete sofort auf Platz 1 der Bestsellerlisten in Großbritannien.

Soziales Engagement: J.K. Rowlings Einsatz gegen Multiple Sklerose

Mit ihrem erarbeiteten Vermögen setzt sich die Autorin für die Erforschung von Heilmethoden von Multipler Sklerose sein. Eine Krankheit, an der ihre Mutter viele Jahre litt und an der sie auch gestorben ist. Der Tod der Mutter hat die Schriftstellerin sehr geprägt.

Die schwere Erkrankung der Mutter wurde diagnostiziert als J.K. Rowling gerade einmal 15 Jahre alt war. Zehn Jahre später war sie tot. Sie starb in dem Jahr, in dem Rowling die ersten Skizzen zu ihrem "Potter"-Buch niederschrieb.

J. K. Rowling bei den RFK Ripple of Hope Awards 2019
J. K. Rowling bei den RFK Ripple of Hope Awards 2019

Jahre später ermöglichten ihr Erfolg es, große Summen für eine Klinik zur Behandlung und Erforschung von Multipler Sklerose zu spenden, die an die Universität von Edinburgh angeschlossen ist. So spendete sie 2010 ganze 10 Millionen Pfund an die Forschungseinrichtung, sowie 2019 noch einmal 17,2 Millionen Euro. In der nach ihrer verstorbenen Mutter benannte Ann Rowling Regenerative Neurology Clinic werden neben Multipler Sklerose auch Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson erforscht.

Auch das Thema Sozialpolitik ist der Bestsellerautorin wichtig. So äußerst sich immer wieder politisch, wie beispielsweise gegen die Sozialpolitik des damaligen britischen Premierministers David Cameron.

Gewalt und Armut prägten lange Zeit ihr Leben

Rowling weiß, was es bedeutet in finanziellen Nöten zu leben. Nach der Trennung von ihrem ersten Ehemann, dem ehemaligen TV-Journalisten Jorge Arantes, lebte einige Zeit von Sozialhilfe und hatte dabei als alleinerziehende Mutter auch für ihre Tochter Jessica zu sorgen.

»Ich war buchstäblich so arm, wie man in Großbritannien nur sein kann, ohne obdachlos zu sein. Wenn man jemals in dieser Situation war, wird man es niemals für selbstverständlich halten, dass man sich keine Sorgen machen muss. Niemals.«

- Interview mit Oprah Winfrey, 2010

Die Ehe mit Arantes war nach eigenen Aussagen J.K. Rowlings von Gewalt geprägt. In einem im Jahr 2020 veröffentlichten Essay spricht sie darüber, dass sie in ihrer Ehe häusliche Gewalt erlebt habe. Des Weiteren schreibt sie auch über Missbrauch und sexuelle Übergriffe.

»Ich stehe nun seit über 20 Jahren im Blickpunkt der Öffentlichkeit und habe nie öffentlich darüber gesprochen, dass ich eine Überlebende von häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen bin.«

Schrieb sie in einem Essay auf ihrer Website.

Von der britischen Boulevardpresse befragt, äußerte sich ihr Ex-Ehemann zur den Vorwürfen in der "Daily Mail" sowie in "The Sun" und bestritt Rowlings Vorwürfe. Es habe keinen anhaltenden Missbrauch gegeben. Nach den Aussagen von Jorge Arantes kam es auch zu keiner sexuellen Gewalt. Er bestritt zwar, dass er sie geschlagen habe, gab aber im selben Interview zu, dass er seine Ex-Frau geohrfeigt habe. Eine Tat, die ihm nach eigener Aussage nicht leid tut.

Familienglück mit zweitem Ehemann und drei Kindern

Doch J. K. Rowling sollte ihr familiäres Glück noch finden. So heiratete sie im Jahr 2001 den schottischen Arzt Neil Murray und bekam mit ihm zwei weitere Kindern. Gemeinsam ziehen die beiden ihren Sohn David und ihre Tochter Mackenzie groß.

Rowling hält ihr Privatleben streng unter Verschluss, so ist nicht viel über ihre Kinder, auch nicht über ihre älteste Tochter Jessica, bekannt.

Kritik & Morddrohungen nach Aussage über Trans-Menschen

In den vergangenen Jahren steht Joanne K. Rowling weniger wegen ihrer schriftstellerischen Erfolge, sondern mehr wegen ihrer kritischen Äußerung über Transmenschen im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Nachdem Rowling im Jahr 2020 auf Twitter einen Artikel kritisierte, in dem Frauen als "Menschen, die menstruieren" bezeichnet wurden, hagelte es Kritik. So forderte die Autorin, dass man statt Menschen in diesem Zusammenhang einfach von Frauen sprechen sollte.

Viele Transaktivist:innen warfen ihr deshalb Transfeindlichkeit vor. Der Konflikt ist in den letzten Jahren immer aggressiver geworden, die Fronten immer verhärteter. Rowling rückt nicht von ihren Ansichten ab, einige Menschen fühlen sich dadurch so provoziert, dass sie sogar Todesdrohungen an die Erfinderin von Harry Potter schicken.

In dem 2020 veröffentlichen Essay spricht Rowling auch darüber, dass ihre Erfahrungen mit häuslicher Gewalt und die sexuellen Übergriffe ein Trauma zur Folge hätten, das ihre Überzeugungen in Bezug auf Frauenrechte beeinflusse.

»Die Narben, die Gewalt und sexuelle Übergriffe hinterlassen haben, verschwinden nicht, ganz gleich, wie sehr man geliebt wird und wie viel Geld man verdient hat.«

Mittlerweile distanzieren sich auch Schauspieler:innen aus den Harry-Potter-Verfilmungen von Rowling. So entschuldigte sich etwa Daniel Radcliffe per Twitter für den Schmerz, den die Autorin den Betroffenen zugefügt habe. "Transgender-Frauen sind Frauen." Auch Emma Watson, die Hermine Granger verkörperte, meldete sich unter anderem per Twitter zu Wort und versicherte allen Trans-Menschen, die ihr folgen, dass sie sie sieht, respektiert und dafür liebt wer sie sind.

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