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Mythos genetische Haarlänge: Ist da was dran?

Mindestens einmal im Leben richtig lange Haare haben! Ein Traum für viele. Aber angeblich geht das gar nicht. Weil jeder Mensch eine genetische Haarlänge haben soll... äh, bitte wie?!

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© Getty Images

Kennst du sie? Diese Leute, die wunderschöne, ewig lange Haare haben, während die eigenen irgendwie nicht so richtig wachsen wollen? Eine Freundin von mir meinte einmal, das liege daran, dass jeder Mensch eine genetisch vorgegebene Haarlänge hätte. NO WAY, dachte ich mir. Ist der Traum von der Mega-Mähne nun endgültig geplatzt? Jein.

Die Schnelligkeit des Haarwachstums

Der heimische Top-Friseur und Inhaber des renommierten Salons Die Wiener Friseure Eniss Agrebi bestätigt: „Das mit der genetischen Haarlänge stimmt wirklich. Sie ist von Mensch zu Mensch jedoch sehr unterschiedlich und hängt einzig und allein davon ab, wie schnell die Haare einer Person wachsen. Das Haar wächst bei Menschen mit langsamem Haarwachstum durchschnittlich einen halben Zentimeter pro Monat, bei Menschen mit sehr schnellem können es auch ganze zwei Zentimeter sein.“

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Top-Friseur Eniss Agrebi

Nach sieben Jahren aber ist’s vorbei. So lange dauert der durchschnittliche Lebenszyklus eines Haares, danach fällt es aus. Laut Dr. Gregor Holzer, Oberarzt der dermatologischen Abteilung am Klinikum Donaustadt, setzt sich dieser Zyklus aus drei Phasen zusammen: Der Wachstums-, der Übergangs- und der Ruhephase. "Diese Wachstumsphase dauert etwa zwei bis sechs Jahre und bestimmt, wie lange das Haar wächst", so der Arzt.

Das heißt, Personen, die ein schnelleres Haarwachstum haben, bekommen in dieser ersten Phase viel mehr Länge zusammen als Personen mit langsamerem. Die schlechte Nachricht: „Um wie viel sie in einem Monat länger werden, lässt sich durch NICHTS beeinflussen. Es ist unmöglich, das Haarwachstum zu beschleunigen“, erklärt Profi Agrebi.

Gesunde Haare sind das A und O

Trotzdem sind gesunde Haare für das Wachstum essenziell. „Ich denke, bei vielen Leuten ist das Hauptproblem, dass ihre Haare kaputt werden und abbrechen, bevor sie überhaupt die Möglichkeit haben, auf ihre längstmöglichen Haare zu kommen“, meint der Experte. „Daran ist nicht die genetische Länge schuld, sondern dass sie teilweise einfach zu Tode gefärbt werden. Wenn man das Haar beispielsweise immer wieder blondiert, bricht es natürlich irgendwann. Deshalb sollte man unbedingt darauf achten, dass nur vom Profi mit hochwertigen Produkten gefärbt wird. So kann man garantieren, dass es trotz Färben gesund wachsen kann.“

Die richtige Haarpflege

Pflege ist das Allerwichtigste. Das betont Haar-Guru Eniss Agrebi nicht nur einmal. Man sollte gute Produkte verwenden – am besten lässt man sich von der Friseurin oder dem Friseur seines Vertrauens beraten, welche die optimale Pflegeserie für einen ist. Auch wenn man sich die Haare wachsen lassen möchte, sollte man trotzdem alle drei Monate zum Spitzenschneiden gehen. „Selbst wenn sie noch so gesund sind, bildet sich mit der Zeit Spliss.“

Übrigens muss man laut dem Profi auch überhaupt nicht auf das Styling verzichten. Man sollte nur darauf achten, ausreichend Hitzeschutz zu verwenden.

Haare oft oder selten waschen? „Das Haarwachstum wird davon nicht beeinflusst. Wenn man ein qualitativ hochwertiges, mildes Shampoo besitzt, kann man das gerne täglich anwenden. Das schadet überhaupt nicht.“

Pflegeprodukte, die lange und voluminöse Haare versprechen?

„Produkte, die einem versprechen wollen, dass die Haare schneller wachsen, sind reine Geldmacherei und bringen nichts. Weil’s eben nicht geht“, so Agrebi. „Das mit dem Volumen ist eine andere Sache. Das Haar wirkt nach der Verwendung von Volumenprodukten voluminöser, weil das Haar angeraut wird. Es entstehen winzig kleine Widerhaken, das Haar legt sich nicht mehr schön aneinander und die Haare wirken voluminöser. Wichtig: sie WIRKEN so. Man hat nicht plötzlich mehr Haare oder gar eine andere Haarstruktur.“

Was ist mit Nahrungsergänzungsmitteln?

„Man braucht keine Nahrungsergänzungsmittel, wenn man sich gesund und ausgewogen ernährt. Wer trotzdem zusätzlich etwas nehmen möchte, dem empfehle ich Biotin, Zink, Selen oder Kollagen. Gerade Kollagen hilft, kaputte und brüchige Haare wieder zu stärken“, meint Agrebi. Wunder vollbringen die Supplements aber keine: „Wenn eine Person schon immer dünne Haare hatte, wird sie nicht plötzlich die Mega-Mähne bekommen, nur weil sie Kollagen oder Biotin nimmt.“

Produkte gegen Haarausfall für die lange Traum-Mähne?

Und was ist mit Produkten gegen Haarausfall? Helfen die in Sachen Länge? Müsste vom Gedanken her ja eigentlich funktionieren, oder? „Ich denke nicht, dass das geht“, so der Profi. "Diese Dinge helfen eher bei 'richtigem' Haarausfall und sorgen dafür, dass dieser gestoppt und das Haar zum Nachwachsen angeregt wird. Wenn ein Haar ausfällt, weil es seine sieben Jahre erreicht hat, dann hat das ja nichts mit klassischem Haarausfall zu tun, sondern es hat einfach seinen Lebenszyklus beendet. Hier wächst automatisch ein neues nach.

Themen: Haare, Hairdo