
Was brauchen wir, um uns ausgeglichener, lebendiger und mehr mit uns selbst verbunden zu fühlen? Kunst der Balance im Stift Ossiach begeisterte 400 Gäste mit Beiträgen über Körperweisheit, die Sprache der Gefühle, Neuanfänge und die Natur als Kraftquelle.
Der Alban-Berg-Konzertsaal im Stift Ossiach war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Klaus Ehrenbrandtner, Geschäftsführer der Kärnten Werbung, das Tagesmotto „Whispers of Nature“ auf den Punkt brachte: „Es geht darum, wieder mehr auf die Natur zu hören. Viele Menschen, gerade in den Großstädten, haben den Bezug dazu verloren. Dabei gibt uns aber genau diese Natur so viel Kraft!“ Wer in Kärnten Urlaub macht, soll genau das spüren: sich erden und gestärkt in den Alltag zurückkehren. „Eine Auszeit, die wirkt“, so der gebürtige Salzburger.
Historische Mauern, der See vor der Tür, ringsum die Kärntner Berglandschaft: Das Stift Ossiach ist so ein Ort, an dem man diese Erdung spürt. Hier treffen Kultur und Natur aufeinander, hier kann der Blick weit werden. Diese einzigartige Location am Ossiacher See bot den Rahmen für die zweite Kärntner Ausgabe von „Kunst der Balance“, die WOMAN, Kärnten Werbung und die Region Villach am Sonntag, dem 11. Oktober, gemeinsam veranstalteten. Rund 400 Gäste, überwiegend Frauen, waren dabei.
Für einen stimmungsvollen Auftakt sorgten die Opernsängerinnen Bea Robein und Jennifer Davison mit dem „Blumenduett“ aus Léo Delibes’ Oper „Lakmé“. In ihrer anschließenden Keynote „Serenade for the Soul“ ging es um die Kraft der Kunst: wie sie uns berührt und Verbindung schafft.


Summen als Relax-Tool
© Nicole ViktorikTop-Programm
Was nehmen wir wahr, wenn wir unserem Körper mehr Aufmerksamkeit schenken? Wenn wir Gefühle zulassen, statt sie sofort einzuordnen oder wegzuschieben? Und wenn wir uns fragen, ob das Leben, das wir führen, noch zu uns passt? Durch das vielfältige Programm führten ORF-Moderatorin Eva Pölzl und WOMAN Balance-Chefredakteurin Kristin Pelzl-Scheruga. Medizin, Psychologie, Kunst und persönliche Lebensgeschichten eröffneten unterschiedlichen Perspektiven auf diese Fragen.
Inspirierende Talks
Ganzheitsmedizinerin Dr. Ruth Biallowons widmete sich den „Botschaften des Körpers“. Schlechter Schlaf, Erschöpfung oder Verdauungsprobleme werfen auch Fragen nach Belastung und Erholung auf: Wie sieht der Alltag aus, in dem diese Beschwerden auftreten? Wie viel Kraft kostet er – und wo kommt neue hinzu? Zwei Fragen seien für sie entscheidend, um Gesundheit neu zu denken: Habe ich genug Energie? Und: Fühle ich mich sicher? Balance bedeutet demnach nicht, einen idealen Zustand dauerhaft festzuhalten: Unser Körper muss auf Anforderungen reagieren können und anschließend wieder zur Ruhe finden. Viele Frauen nutzten die Gelegenheit, sich nach dem Bühnen-Talk persönlich von der Ärztin beraten zu lassen.


Ärztin Ruth Biallowons signierte Bücher
© Nicole ViktorikIm Anschluss daran erklärte Autorin und Kräuterpädagogin Anita Arneitz, wie sich zwei Leidenschaften auf ideale Weise verbinden lassen: Natur beobachten und schreiben. Auch ihr Workshop „Nature Writing“ lud dazu ein, die Natur als Kreativitäts-Booster zu nutzen. Ihr Tipp: Bei jedem Wetter rausgehen und einfach zu schreiben beginnen (notfalls unter einem großen Regenschirm). Dafür brauchte es weder literarische Ambitionen noch eine spektakuläre Landschaft: Ein Blatt, ein Geräusch, eine Bewegung im Wasser können zum Ausgangspunkt werden.


Unser Social-Media-Duo in der Kaldewei-Badewanne
© Nicole ViktorikEine kleine "Anderszeit"
Bestsellerautor Stefan Maiwald brachte italienisches Lebensgefühl nach Ossiach – und eine überraschende Ausgangsfrage: Wovon braucht jemand eine Auszeit, der bereits dort lebt, wo andere Urlaub machen? Für seinen Bestseller „Espresso unter Sternen“ hatte er sein Zuhause in Grado vorübergehend verlassen und war nach Triest gezogen. Schon vor dem Bühnengespräch mit Lesung posierte er bereitwillig für Selfies mit weiblichen Fans, die oft lange Anfahrtswege aus den Bundesländern in Kauf genommen hatten, um an dem Tag dabei zu sein.
Ein Gedanke aus seiner „mediterranen Zufriedenheitsformel“: „Schau dir lieber viel von wenig Welt an als von viel Welt wenig.“ Darin liegt eine Einladung, länger an einem Ort zu verweilen, statt möglichst viele Ziele abzuhaken. Dahinter steckt auch die Frage: Was entdecke ich, wenn ich mir erlaube, weniger vorzuhaben?


Bestsellerautor Stefan Maiwald mit seinen Italien-Geschichten
© Nicole ViktorikWenn Stärke zur Gewohnheit wird
Weiter ging es mit Gesundheitscoachin Dominique Scharax, die sich einem Muster widmet, das vielen Frauen vertraut ist: Verantwortung übernehmen, verlässlich sein, weitermachen. Als Älteste von neun Geschwistern und Mutter von vier Kindern kennt sie die Rolle der Zuständigen auch aus ihrem eigenen Leben. Im Workshop wie im Talk lenkte sie den Blick auf die Kehrseite einer oft bewunderten Eigenschaft. Wer immer alles schafft, bekommt Anerkennung – und meist immer mehr Aufgaben. Die eigene Belastungsgrenze wird dabei leicht übergangen.
Mit eigenem Licht
Jenny Jürgens stand noch keine fünf Minuten auf der Bühne, da erhielt sie bereits den ersten großen Applaus. Die ehemalige Schauspielerin und Tochter von Udo Jürgens erzählte offen von ihren Ängsten, dem jahrelangen Ringen um die eigene Identität und dem Mut, sich künstlerisch wie persönlich neu zu entdecken. Sie sprach über ihren Weg zur Fotografie, das Frausein und die Freiheit, das eigene Leben neu zu gestalten. Ihrem 60. Geburtstag im Jänner sieht sie gelassen entgegen: „Ich rechne mittlerweile lieber in Sommern. Wie viele gute werden es noch sein? Und was möchte ich noch erleben?“
Der Wechsel vom Scheinwerferlicht hinter die Kamera bedeutet für sie auch Selbstbestimmung: Als Fotografin entscheidet sie selbst, wohin sie schaut und welchen Ausschnitt sie zeigt. Ihre Serie „Miradas“ – „Blicke“ – erzählt von dieser persönlichen Sicht auf Menschen, Augenblicke und Details. Offen sprach Jürgens auch über Wechselbeschwerden und empfahl den Frauen mit Humor und Nachdruck, ein eigenes Konto zu haben und gut auf sich zu achten. Zugleich könne es heilsam sein, den Blick über das eigene Leben hinaus zu richten: Ihr Engagement gegen Altersarmut mit dem Projekt „Herzwerk“ habe sie selbst sehr bereichert. Erinnerungen an ihren berühmten Vater ergänzten das Gespräch über Herkunft, Verbundenheit und den eigenen Weg. „Ich nehme mir jetzt die Freiheit, mich nicht mehr permanent von anderen Menschen beurteilen zu lassen“, sagte sie. Wieder Applaus.


Jenny Jürgens sprach offen über ihr Leben vor und hinter der Kamera
© Nicole ViktorikIch nehme mir jetzt die Freiheit, mich nicht mehr permanent von anderen beurteilen zu lassen.
Was passt zu mir?
An diese Überlegungen knüpfte Unternehmerin und Coachin Ida Marie Stögerer mit ihrer Keynote „True Nature – Wie Frauen zu ihrem wahren Selbst finden“ an. Ihr Thema war die Spannung zwischen dem eigenen Wesen und erlernten Erwartungen: freundlich sein, sich anpassen, möglichst viel richtig machen. Dabei stellte sich eine relevante Frage: Woran merken wir, dass eine Anpassung uns selbst zu viel kostet? Schließlich gehört Rücksicht zu jeder Beziehung. Schwierig wird es, wenn die eigenen Wünsche dauerhaft keinen Platz mehr haben oder kaum noch wahrgenommen werden. Eine Spur zu sich selbst können Fragen sein wie: Wann fühle ich mich lebendig? Auch die Bewunderung für Vorbilder kann aufschlussreich sein: Vielleicht fasziniert uns deren Unabhängigkeit, Kreativität oder Stärke, weil wir diese Seiten zwar in uns tragen, diesen aber noch nicht genug Raum gegeben haben.


Gesundheitscoachin Dominique Scharax demonstrierte im Workshop, wie man Stress in tiefe Entspannung gelangt
© Nicole ViktorikZum Abschluss des Bühnenprogramms begeisterte Psychologe, Bestsellerautor und Podcaster Lukas Klaschinski mit seiner interaktiven Show „Die Sprache der Gefühle“. Mit Fachwissen und Humor vermittelte er wissenschaftliche Erkenntnisse so, dass sie verständlich wurden und zugleich etwas im Publikum bewegten. Die Gäste lachten, klatschten, machten begeistert mit und nutzten die Gelegenheit, ihm persönliche Fragen zu stellen.


"Serenade for the Soul": die Opernsängerinnen Bea Robein (rechts) und Jennifer Davison in Action im Rittersaal
© Nicole ViktorikBegegnungen, die bleiben
Zwischen den Talks bot das Stift Raum zum Ausprobieren, Genießen und persönlichen Austausch. Workshops rund um Aromatherapie, Schreiben und Stimme ergänzten das Bühnenprogramm. Mit Künstlerin Daniela Ölweiner konnten die Gäste ein eigenes Lesezeichen gestalten. Zudem gab es Gelegenheit, sich über Supplements zu informieren, eine Hautanalyse machen zu lassen, in Wellness-Welten einzutauchen oder etwa bei Slow Food Kärnten regionale Spezialitäten zu kosten. Was den Tag besonders machte, war das herzliche Miteinander: Es wurde offen erzählt, aufmerksam zugehört und auch unter Fremden schnell das Gespräch gesucht. Zum musikalischen Ausklang kamen Bea Robein und Jennifer Davison noch einmal auf die Bühne. Nach einem Tag voller Inspirationen blieb vor allem eine Einladung: mehr auf die eigene innere Stimme zu hören – auch wenn sie manchmal nur leise flüstert.
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Kärnten Werbung
© Patrick Sommeregger-Baurecht

