Offline Club: Warum Abschalten jetzt Trend ist

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ILYA KNEPPELHOUT, 29, ist Co-Founder des Offline Clubs und wohnt in Amsterdam

©Erna Faust

Bezahlen, um ein paar Stunden aufs Handy zu verzichten? Das Konzept geht auf: Der Offline Club ist bereits in 18 Städten vertreten, seit einigen Monaten auch in Wien. Wir baten CoFounder Ilya Kneppelhout zum Talk über Entspannung, Erfolge und Konkurrenz.

WOMAN

Was ist der Offline Club – und wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Ilya Kneppelhout

Wir bieten bei unseren Events und mehrtägigen Retreats eine Auszeit vom Alltag und der digitalen Reizüberflutung. Unser Ziel ist es, Menschen jenseits von Handys und Bildschirmen miteinander zu verbinden. 2022 war ich testweise drei Tage offline – und das hat mir die Augen geöffnet. Ich war entspannter, kreativer und voller neuer Ideen. Gemeinsam mit zwei Freunden habe ich daraufhin die ersten Offline-Wochenenden organisiert. Danach entstand die Idee eines Offline-Cafés, in dem Menschen entspannen, lesen und neue Kontakte knüpfen können. Dafür fehlte uns allerdings das Geld, also haben wir uns zunächst in bestehende Cafés eingemietet. Das war im Februar 2024. Heute gibt es den Offline Club in 18 Städten. In Wien veranstalten wir aktuell drei bis vier Events pro Monat, die über unsere Website gebucht werden können – und jedes Mal ausverkauft sind.

WOMAN

Wie kann man sich so ein OfflineEvent vorstellen?

Ilya Kneppelhout

Unsere „Hangouts“, wie wir sie nennen, laufen in allen Städten nach demselben Prinzip ab: Am Eingang werden die Handys in einem „Handy-Hotel“ eingeschlossen. Die erste Stunde verbringen wir in gemeinsamer Stille. Jeder kann tun, worauf er Lust hat – lesen, Tagebuch schreiben, basteln oder einfach entspannen. Danach ist Zeit für Gespräche. Wir möchten es wieder normalisieren, mit Fremden ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus veranstalten wir auch Themenabende – von Vinyl-Sessions bis hin zu Brettspiel-Events.

WOMAN

Manche finden es seltsam, für Offline-Zeit zu bezahlen.

Ilya Kneppelhout

Man kann auch allein zu Hause einen Film schauen – und trotzdem bezahlen Menschen dafür, gemeinsam im Kino zu sitzen. Wer gerne tanzt, könnte das vor dem Spiegel im Wohnzimmer tun, doch die meisten gehen lieber in Clubs oder auf Festivals. Das Handy abzugeben, ist bei uns ein Ritual, aber nicht der eigentliche Grund, warum die Leute kommen. Es geht um bewusste Offline-Zeit, vor allem aber um Gemeinschaft. Dass es uns überhaupt braucht, ist vielleicht ein bisschen traurig. Doch soziale Isolation ist mittlerweile genauso ein Thema wie Handysucht. Ich finde: Menschen geben Geld für deutlich verrücktere Dinge aus als dafür, Zeit miteinander zu verbringen.

Das Handy abzugeben, ist nicht der eigentliche Grund, warum die Leute zu uns kommen.

Ilya KneppelhoutCo-Founder von The Offline Club
WOMAN

Klingt fast so, als könnten Sie mit Ihrer Idee Millionär werden.

Ilya Kneppelhout

Ich hätte nichts dagegen, aber ich bin keiner. (lacht)

WOMAN

Stimmt es, dass der Offline Club schon Beziehungen gestiftet hat?

Ilya Kneppelhout

Ja, einige Paare haben sich bei unseren Events kennengelernt. Wir sind aber keine Dating-Plattform.

WOMAN

Wer besucht Ihre Veranstaltungen?

Ilya Kneppelhout

Die meisten Gäste sind zwischen 25 und 45 Jahre alt, 60 bis 70 Prozent sind Frauen. Viele arbeiten Vollzeit vor Bildschirmen. Außerdem sprechen wir überdurchschnittlich viele introvertierte Menschen an, weil wir einen geschützten Rahmen bieten.

WOMAN

Sie werben über Instagram. Passt das zu Ihrer Philosophie?

Ilya Kneppelhout

Es hat tatsächlich eine gewisse Ironie, aber am Ende sind wir eben ein Business. Wir sind auch nicht gegen das Internet, sondern für einen bewussten Umgang. Für uns und unsere Angestellten gilt: Wir haben jeden Tag eine Stunde handyfreie Mittagspause und rufen uns nach 17 Uhr nur in Notfällen an.

WOMAN

Wie sieht die Zukunft aus? Haben Sie Angst vor zunehmender Konkurrenz?

Ilya Kneppelhout

Unser Traum ist die weltweite Expansion. Gleichzeitig wünschen wir uns eine Gesellschaft, in der handyfreie Zeit wieder selbstverständlich wird. Wenn andere ähnliche Angebote schaffen, sehen wir das als Bereicherung und weniger als Konkurrenz. Vielleicht ist es bald so wie beim Rauchen: Öffentlich kann man das Handy nur mehr an bestimmten Orten benutzen.

WOMAN

Das klingt für viele Menschen nach einer Horrorvorstellung.

Ilya Kneppelhout

Unsere Eltern und Großeltern haben auch ohne Smartphone überlebt. Wer ein paar Stunden offline verbringt, merkt schnell, dass das Leben trotzdem weitergeht. 90 Prozent unserer Gäste sagen, es wäre ihnen lieber, wenn wir ihr Handy gleich ganz behalten würden.