Warum wir jetzt „Vulvalippen“ statt „Schamlippen“ sagen

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Der weibliche Körper ist nichts, wofür sich Frauen schämen sollten. Höchste Zeit also, dass wir auch unsere Intimzone von diesem Begriff befreien – die Niederländer:innen machen es vor.

Sprache schafft Realität. Dabei stellt sich die Frage: In welcher Realität sollen Frauen leben, wenn sie mit dem Begriff „Schamlippen“ aufwachsen? In einer, in der sie sich schämen – für einen ganz gewöhnlichen Körperteil? Für ihren Intimbereich? 

Aus historischer Perspektive leitet sich das Wort von der lateinischen Bezeichnung „partes pudendae“ („die schamhaften Teile“) ab. Das passte zu den Moralvorstellungen vergangener Jahrhunderte, in der vor allem weibliche Lust tabuisiert wurde. Zwar wurde auch der Penis ursprünglich als Schamglied bezeichnet, nur setzte sich dieser Begriff nicht durch – denn darin waren sich die Herren, die die Anatomie der Geschlechter erforschten wohl schnell einig: Das männlichen Glied war nichts, wofür man sich schämen sollte. Viel eher wurde es mit Macht assoziiert. Das zeigt: Sprache schafft nicht nur Realität, sie ist auch eine Entscheidung.

Beginnt man den Begriff „Schamlippen“ zu hinterfragen, wird demnach schnell klar: Er ist durch und durch misogyn. 

Ein Werkzeug des Patriarchats, um Frauen zu unterdrücken, sie kleinzuhalten. Denn Scham löst vor allem eines aus: Unsicherheit. Und unsichere Menschen nehmen selten Raum ein. Noch viel seltener sitzen sie an Verhandlungstischen. 

Aktivist:innen fordern Umdenken

Sprache kann demnach beschämen, einschränken – oder uns befreien. Für Letzteres setzen sich international immer mehr aktivistische Gruppen und Gynäkolog:innen ein. Mit Erfolg: In den Niederlanden werden „Schamlippen“ diesen Herbst aus dem Van-Dale-Wörterbuch gestrichen und durch „Vulvalippen“ ersetzt. 

Lieber Duden: Bitte (endlich) Nachmachen! Denn es gibt immer eine Alternative zu Misogynie: Sprache, die nicht beschämt.

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