FÜR IMMER WIR

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Kerim & Huriye VERHEIRATET SEIT 17. APRIL 1960 Huriye und ihr Kerim leben in der Türkei. Zwischen die beiden passt kein Blatt: „In den vergangenen Jahrzehnten hat sich an unserer Liebe nichts geändert", sagt Huriye. „Auch seine Eltern mochten mich von Anfang an sehr. Sein Vater sagte zu ihm: 'Brich ihr niemals das Herz.' Daran hat er sich gehalten, er war immer für mich da." Als frisch verheiratetes Paar waren sie arm und hatten nicht einmal Speiseöl. Huriye erzählt: „Ich kochte Bulgur ohne Öl, und er aß es ohne Murren. Mit der Zeit konnten wir uns ein Leben im Wohlstand aufbauen. Das geht nur Hand in Hand. Wir sind mit der Zeit eins geworden."©Lauren Joy Fleishman

Mehr als ein halbes Jahrhundert zusammen – und noch immer verliebt! US-Fotografin Lauren Fleishman hat Paare porträtiert, die zeigen, wie Liebe ein Leben lang halten kann.

So geht Liebe, die ewig hält. Seit über zehn Jahren fotografiert und interviewt Lauren Fleishman Paare, die seit mehr als fünf Jahrzehnten zusammenleben. Entstanden ist daraus ein berührendes Archiv der Liebe. Der Ausgangspunkt des Projekts war ein persönlicher Moment. Nach dem Tod ihres Großvaters fand Fleishman neben seinem Bett ein Buch voller Daten von Geburtstagen und Erinnerungen. Zwischen den Seiten lagen Liebesbriefe, die er ihrer Großmutter während des Zweiten Weltkrieges geschrieben hatte. Die Briefe zeigten ihr plötzlich eine ganz andere Seite ihres Opas: nicht den alten Mann, den sie kannte, sondern einen jungen Verliebten voller Hoffnung und Sehnsucht. Besonders bewegte sie ein Satz: Er werde seine Frau „für den Rest seines Lebens“ lieben. Fleishman begann darüber nachzudenken, wie selten solche langen Liebesgeschichten dokumentiert werden. Sie wollte diese „romantischen Geschichten bewahren, bevor sie verschwinden“. Die Idee, ältere Paare zu fotografieren und ihre Erinnerungen festzuhalten, war für sie der logische nächste Schritt.

BEGEGNUNGEN MIT PAAREN. Für ihr Projekt „The Lovers“ traf Fleishman Menschen unterschiedlichster Herkunft: heterosexuelle und homosexuelle Paare, Kriegsgenerationen, Einwandererfamilien, Menschen mit Krankheiten oder körperlichen Einschränkungen. Viele ihrer Treffen entstanden zufällig – im Supermarkt, auf der Straße – oder durch Empfehlungen von Kindern und Enkeln. Die Gespräche wurden zum Herzstück des Projekts. Einige erzählen von Liebe auf den ersten Blick, andere von langsam gewachsener Zuneigung, von Streit, Krankheit oder gemeinsamem Altern. Ein lesbisches Paar – Sheri und Lois – aus Boston sagte etwa, ihr Alltag wirke vielleicht langweilig – Einkaufen, Arbeiten, gemeinsam leben –, aber dahinter liege eine tiefe Leidenschaft und Vertrautheit. Andere beschrieben Liebe eher als Gefühl von Geborgenheit. Die Engländerin Milly erklärte, sie fühle sich „sicher in der Nähe“ ihres Mannes. Kerim und Huriye aus der Türkei sagen nach Jahrzehnten der Ehe: „Wir sind einfach eins geworden.“

Viele Aussagen handeln nicht von romantischer Perfektion, sondern von Fürsorge und Alltag. Während Beziehungen heute oft an Zeitmangel, Erwartungen oder Alltagsstress scheitern, gibt es diese magischen Langzeitpaare, die nicht nur aus Gewohnheit zusammengeblieben sind. Aber wie gelingt ihnen das? Zu Beginn glaubte Fleishman, „ich würde am Ende eine Art Geheimnis entdecken, eine gemeinsame Regel, die alle Paare eint“. Doch genau diese Erwartung erfüllte sich nicht. Stattdessen erkannte sie, dass jede Beziehung völlig unterschiedlich funktioniert. Manche verbindet Humor, andere Loyalität, Geduld oder gegenseitige Fürsorge. Es gibt zwar kein universelles Rezept für eine lange Partnerschaft, aber Fleishman erkannte: „Es bedeutet jedenfalls nicht, niemals Probleme zu haben, sondern trotz aller Herausforderungen verbunden zu bleiben.“ Wahrscheinlich liegt die Stärke dieser Beziehungen darin, dass sie verstanden haben: „Wahre Liebe zeigt sich weniger in perfekten Momenten als darin, gemeinsam durchs Leben zu gehen.“

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