Logo

Weltfrauentag: Gründe, warum der 8. März immer noch wichtig ist

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
14 min
Weltfrauentag: Gründe, warum der 8. März immer noch wichtig ist

Weltfrauentag

©Elke Mayr
  1. home
  2. Politica
  3. Gesellschaft

Gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei! Am 8. März ist der internationale Weltfrauentag und wir feiern die bisherigen Errungenschaften der Frauenrechtsbewegung. Zugleich richten wir die Aufmerksamkeit auf bestehende Diskriminierungen und Ungleichheiten.

Eine Stimme haben. Für die meisten von uns ist das heute selbstverständlich. Wir dürfen studieren, eine Karriere anstreben, Auto fahren und uns scheiden lassen, wenn wir in einer Ehe unglücklich sind. Für all diese "Selbstverständlichkeiten", haben Frauen für uns in der Vergangenheit gekämpft.

Auch wenn wir schon viel geschafft haben, ist die Gleichberechtigung noch nicht erreicht. Also lasst uns am 8. März, am internationalen Weltfrauentag, gemeinsam unsere Stimmen erheben und uns für Frauenrechte stark machen.

Was ist der Weltfrauentag?

Am 8. März ist der internationale Weltfrauentag. Ein Tag, der für Female Empowerment und die Stärkung der Rechte von Frauen steht. Es wird gesprochen, nachgedacht und demonstriert. Ursprung hatte der Frauentag 1908 in den USA. Von dort verbreitete sich der Gedenktag auch nach Europa. Seit mehr als 100 Jahren fordern Frauen am Weltfrauentag Gleichberechtigung und prangern Ungleichheit und Gewalt gegen Frauen an.

Warum wurde der Weltfrauentag eingeführt?

Der Frauentag fand zum ersten Mal am 19.03.1911 statt, ein paar Jahre später wurde er auf den 8. März gelegt. Anfang des 20. Jahrhunderts durften Frauen in nahezu keinem Land der Welt wählen. Clara Zetkin wollte sich genau dafür einsetzen und führte den Tag ein. Ihr ging es nicht nur um die Gleichberechtigung, sondern auch um das Wahlrecht für Frauen.

Das Hauptziel der Frauenbewegungen: Das Wahlrecht für Frauen

Um 1900 hatten Frauen weder die Möglichkeit zu wählen, noch konnten sie sich anderweitig aktiv am politischen Geschehen beteiligen.

1893: Neuseeland war das erste Land, indem Frauen wählen gehen durften. Australien folgte im Jahr 1902. Finnland war das erste Land in Europa, indem es das Frauenwahlrecht gab.

In Österreich trat das allgemeine Wahlrecht für Frauen 1918 in Kraft. Seine Durchsetzung geht auf die Forderung der bürgerlichen Frauenbewegung zurück. Die Mehrheit der männlichen Abgeordneten war 1848 noch der Meinung, dass Frauen ja ohnehin durch ihre Männer vertreten wären. In Deutschland wurde das Frauenwahlrecht im Januar 1919 eingeführt. Unvorstellbar oder? Nimm dein Wahlrecht also wahr und danke den starken Frauen, dass du heute eine Stimmte hast.

Der Weltfrauentag macht auf Abtreibungsrechte, Femizide und Gender Pay Gap aufmerksam

Frauenrechte waren und sind – historisch gesehen – keine Selbstverständlichkeit.

Am Weltfrauentag machen wir auf Ungerechtigkeiten aufmerksam und kämpfen für Frauenrechte weltweit. Dies sind nur einige der vielen Probleme, für die es wichtig ist, sich stark zu machen:

Gewalt gegen Frauen: Noch immer werden Frauen häufig Opfer von Gewalt in verschiedensten Formen – oft sind die Täter der jeweilige Partner oder Verwandte. Österreich gehört leider seit Jahren zu den traurigen Spitzenreitern beim Thema Femizide.

Die Gender Pay Gap. Frauen verdienten laut der Statistik Austria 2020 in der Privatwirtschaft um 18,9% brutto pro Stunde weniger als Männer. Das bedeutet, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger Gehalt erhalten. Das kann ja wohl nicht sein oder?

Auch in der Medizin werden Frauen benachteiligt. Denn ein und die selbe Krankheit erleben Männer und Frauen sehr unterschiedlich. Der weibliche Herzinfarkt wird oftmals später entdeckt und somit auch später behandelt. Auch bei einem Schlaganfall beschreiben Frauen andere Symptome, die nicht direkt mit einem Schlaganfall assoziiert werden. Medikamente, die beiden Geschlechtern verschrieben werden, wirken im weiblichen Körper anders.

"My Body My Choice". Am 24. Juni 2022 hob der Supreme Court in den USA das landesweite Recht auf Abtreibung auf. Die Richter entschieden sich damit gegen ein 50 Jahre altes Grundsatzurteil und bedeutet für Frauen auf der ganzen Welt einen großen Rückschritt der Emanzipation und Selbstbestimmung.

Blurred image background
© iStock

Politische Errungenschaften in den letzten Jahrzenten

Manchmal fragen wir uns vielleicht, welche Bedeutung der Weltfrauentag wirklich (noch) hat. Wir möchten daher an einige Errungenschaften erinnern, die durch großes Engagement in den letzten Jahrzehnten politisch erzielt werden konnten:

  • Reform des Scheidungsrechts

  • Gesetz zur Sicherung des Unterhalts von Kindern alleinstehender Mütter

  • Das Gleichbehandlungsgesetz

  • Die Fristenregelung (straffreier Schwangerschaftsabbruch während der ersten 12 Wochen)

  • Verbesserte Mutterschutzbestimmungen

  • Elterngeld

  • Karenz, auch für Väter

  • Vergewaltigung in der Ehe wird unter Strafe gestellt

  • Verfassungsmäßige Gleichstellung der Geschlechter

Unter diesem Motto steht der Weltfrauentag 2024

Thema der Kampagne zum Internationalen Frauentag 2024: "Inklusion inspirieren". Durch die Förderung des Verständnisses und der Wertschätzung für die Integration von Frauen werden Impulse für eine verbesserte Welt gesetzt. Wenn Frauen zudem selbst dazu inspiriert werden, einbezogen zu werden, entsteht ein Gefühl der Zugehörigkeit, der Relevanz und der Ermächtigung.

Frauen wirklich einzubeziehen bedeutet, ihre Vielfalt in Bezug auf Rasse, Alter, Fähigkeiten, Glauben, Körperbild und Art, wie sie sich identifizieren, offen anzunehmen.

Weltfrauentag: Das waren die Themen der letzten Jahre

Die sogenannte "Einheit der Vereinten Nationen für Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen“, die "UN Women“, legt jedes Jahr anlässlich des Internationalen Frauentags ein Motto fest, unter dem der Frauentag am 8. März stehen soll. Damit wollen sie auf noch bestehende Probleme und fehlende Gleichberechtigung aufmerksam machen.

  • 2023.

    Der Weltfrauentag 2023 stand unter dem Motto: #EmbraceEquity. Gleichberechtigung ist nicht nur ein "nice-to-have", sondern ein "must-have". Es reicht nicht aus, nur über das Thema zu sprechen. "It's something we need to think about, know, and embrace".

    Die UN-WOMEN sagen, dass wir alle geschlechtsspezifische Stereotypen in Frage stellen müssen, Diskriminierung anprangern und auf Vorurteile aufmerksam machen.

  • 2022.

    Der Weltfrauentag 2022 stand unter dem Motto: "Break the Bias“ und kann verstanden werden unter: "Stoppt die Voreingenommenheit“. Es geht also darum, Stereotype und Voreinstellungen gegenüber Frauen und Mädchen zu durchbrechen und dadurch für mehr Gleichberechtigung zu sorgen.

  • 2021.

    Der Weltfrauentag 2021 stand unter dem Motto: "Women in leadership: Achieving an equal future in a Covid-19 world". Mit dem Motto weisen die Verantwortlichen der UN Women einerseits darauf hin, dass Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt großen Einsatz zeigen, eine gleichberechtigtere Zukunft zu gestalten und die Covid-19-Pandemie zu bekämpfen.

  • 2020.

    2020 lautete das Motto: “I am Generation Equality: Realizing Women’s Rights". Laut UN Women soll damit die nächste Generation junger Frauenrechtsaktivistinnen und -aktivisten mit älteren Mitgliedern der Frauenbewegung vernetzt werden, damit Frauen und Männer aller Altersgruppen gemeinsam echte Gleichstellung erreichen.

Inspirierende Frauen, von denen wir viel lernen können

Wir stellen euch 5 Frauen vor, die echte Vorbilder sind und die uns durch ihr Engagement, ihre Einstellung und ihren Mut inspirieren:

Michelle Obama. Sie war die erste afroamerikanische First Lady der USA. Aufgewachsen ist sie in einem einfachen Arbeiterviertel und hat es durch viel Fleiß und Ehrgeiz geschafft an Eliteuniversitäten zu studieren. Heute setzt sie sich insbesondere für junge Frauen ein, ermutigt sie nie aufzugeben und ihren Weg zu finden.

Angela Merkel. Als erste deutsche Bundeskanzlerin schrieb Angela Merkel Geschichte und hofft auf mehr Frauen in führenden Positionen. "Es muss weiter daran gearbeitet werden, dass sich Frauen insgesamt mehr zutrauen." Viele Männer aus ihre Partei, der CDU, haben sie zu Beginn nicht ernst genommen und ihr nichts zugetraut. Heute genießt sie weltweit hohe Anerkennung.

Blurred image background
© Getty Images

Coco Chanel. Sie hat die Modewelt revolutioniert. Weg von Korsett und hin zu natürlicher Bewegungsfreiheit – und zugleich der Wunsch, zu verführen. Ihre Mode ist Ausdruck eines modernen Frauenbildes. Vielen Frauen reicht die Hausfrauenrolle nicht mehr. Sie wollen ein emanzipiertes und unabhängiges Leben – so wie Coco Chanel.

Maria Montessori. Für Anerkennung als Ärztin musste sie hart kämpfen. Als einer der ersten Frauen Italiens machte sie 1896 ihren Doktor. Sie entwickelte pädagogische Methoden zur Förderung von Kindern mit Förderbedarf und half mit ihren unkonventionellen Lehrmethoden zahlreichen Kindern.

Katherine Johnson. Mit ihrer mathematischen Begabung verändert sie als erste Afro-Amerikanerin das Frauenbild in der NASA und beeinflusste die Raumfahrt maßgeblich.

Das kannst du tun, um dich für Frauenrechte einzusetzen

  • Weiterbilden. Indem du Artikel wie diese liest und darüber sprichst. Sprich mit Freund:innen und deiner Familie über aktuelle Probleme und kläre sie auf.

  • Im digitalen Zeitalter sind neue Bewegungen entstanden, wie #MeToo, die die Verbreitung geschlechtsspezifischer Gewalt und sexueller Belästigung aufzeigten. Auch du kannst solche Kampagnen unterstützen oder auf Instagram teilen.

  • Feministischen Instagram-Accounts folgen und unterstützen. Weiterbilden und den eigenen Horizont erweitern kannst du zum Beispiel auf @frauenvolksbegehren. Aufgeklärt wird hier über wichtige Aspekte des Feminismus von Pay Gap über Genitalverstümmelung. @ Oidaitssexism richtet auf Instagram die Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Ausprägungen und Formen von Sexismus. Anonym können Menschen ihre Erfahrungsberichte einschicken und so mit der Community teilen.

  • Bewusstseinsbildung durch feministische Bücher: "Women don't owe you pretty". Die Autorin Florence Given ist eine der international bekanntesten jungen Stimmen des Feminismus. Sie ermutigt ihre Leser:innen, sich von gesellschaftlichen Erwartungen freizumachen und führt uns vor Augen, wie stark das Frauenbild in unserer Gesellschaft noch immer von Oberflächlichkeit und Sexismus geprägt ist. Dieses Buch hat wirklich etwas in mir verändert - große Empfehlung!

  • Untenrum Frei von Margarete Stokowski. Wir fühlen uns als freie, aufgeklärte Individuen, aber erst wenn wir genau hinschauen, wird die strukturelle Ungleichheit sichtbar. Genau das zeigt die Autorin in ihrem Buch und erzählt von dem frühen Wunsch, unbedingt als Mädchen wahrgenommen zu werden, von unzulänglichem Aufklärungsunterricht, von Gewalterlebnissen, von Sex, von Liebe und vom Feminismus.

  • "Untamed" zu deutsch "Ungezähmt". Der New-York-Times-Bestseller, von dem alle reden! Autorin Glennon Doyle zeigt uns, was Großes geschieht, wenn Frauen aufhören, sich selbst zu vernachlässigen, um den an sie gestellten Erwartungen gerecht zu werden, und anfangen, auf sich selbst zu vertrauen.

Werde selbst aktiv

Cornelia Wallner-Frisee, eine Wiener Ärztin und Präsidentin der Hilfsorganisation Africa Amini Alama setzt sich seit mehr als 10 Jahren, in der von Männern dominierten Gesellschaft im Massai-Gebiet Tansanias für Frauenrechte ein – und lebt auch selbst vor Ort. Sie unterstützt Frauen in wichtigen Bereichen, wie Bildung, Gesundheit, Verhütung, finanzielle Unabhängigkeit.

"Wer etwas bewegen will, muss erst sich selbst bewegen. Steht auf und setzt euch für eure Wünsche und Werte ein. Mädchen und junge Frauen sollen trotz gesellschaftlicher Hürden, ihr Leben so gestalten (können), wie es ihren Vorstellungen entspricht. Und gelingt vor allem dann, wenn wir uns untereinander stärken. Respektiert, unterstützt, helft und vertraut einander! So steigern wir das Selbstbewusstsein, helfen Frauen sich auf ihre eigene Intuition zu verlassen und damit ihren Weg zu finden. " - Cornelia Wallner-Frisee

Lasst uns am 8. März auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen und gemeinsam das feiern, was die starken Frauen vor uns erreicht haben.

FeminismusGleichberechtigung

Über die Autor:innen

Logo
Jahresabo ab 7,90€ pro Monat