
Symptome googeln oder auf den eigenen Körper hören? Warum wir der KI nicht blind vertrauen sollten – und wie Medizin wieder empathischer werden könnte.
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„Künstliche Intelligenz wird auch aus medizinischer Sicht nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken sein“, ist Marlene Heckl überzeugt. Für die deutsche Ärztin und Wissenschaftsjournalistin geht es aktuell vor allem um die Frage, wie wir diese sinnvoll einsetzen können. Denn immer mehr Menschen nutzen KI-gestützte Tools wie ChatGPT, Gemini oder Copilot zur Recherche bei Gesundheitsfragen. Laut den Daten von OpenAI, dem US-amerikanischen Softwareunternehmen hinter ChatGPT, sind es 40 Millionen Menschen täglich. Ein plötzliches Stechen in der Hüfte, ein Pochen in der Schläfe oder länger anhaltende Müdigkeit? Dr. ChatGPT und seine Kollegen sind 24 Stunden erreichbar, und das größtenteils kostenlos. Seit Anfang des Jahres können sich User:innen – vorerst nur in Amerika – in eine Warteliste für „ChatGPT Health“ eintragen lassen. Für Heckl ist das Vertrauen in KI-Tools wenig überraschend: „Viele Patient:innen fragen KI-Chatbots auch deswegen, weil sie davon ausgehen, genauere und einfühlsamere Antworten zu bekommen als in einer fünfminütigen Sprechstunde beim Arzt“, schreibt sie in ihrem kürzlich erschienenen Buch „Bauchgefühl: So triffst du die beste Entscheidung für deine Gesundheit“ (Scorpio Verlag, € 20,60). Sie ist überzeugt: „Richtig eingesetzt, kann KI Brücken bauen, besonders in komplexen oder emotional belastenden Situationen.“ Etwa, wenn seltene Erkrankungen im ersten Schritt verständlich erklärt werden sollen.
