Vom Optimieren zum Leben

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MAX GOTZLER ist Psychologe, Bestsellerautor, Podcaster und einer der einflussreichsten Biohacker im deutschsprachigen Raum. flowgrade.de Am 25. April kommt er zum Event „Kunst der Balance" nach Wien ins Hotel Andaz am Belvedere.

©Anna von Hafenbrädl

Max Gotzler ist einer der bekanntesten Biohacker im deutschsprachigen Raum. Mit uns spricht er über Longevity, Entgiftung, Morgenrituale und seine Flow-Formel für mehr Energie und Präsenz im Alltag.

Am 25. April kommt er zum Event „Kunst der Balance" nach Wien ins Hotel Andaz am Belvedere.

Tickets: Kunst der Balance 2026

München, 7:30 Uhr morgens: Max Gotzler, 41, tritt mit seiner Kaffeemühle auf die Terrasse und mahlt seinen Kaffee. Manchmal meditiert er, manchmal hat er mehr Lust auf Journaling – stets ohne Dogma. Danach bereitet er seine Skyr-Bowl mit Leinsamen, Nüssen und MCT-Öl zu. Nicht selten endet das Ritual mit einem Eisbad in der Isar.

Max Gotzler ist Psychologe, Bestsellerautor und einer der einflussreichsten Biohacker im deutschsprachigen Raum. Er ist akribischer Forscher und begeisterter Erzähler zugleich – eine seltene Kombination in der lauten Welt der Selbstoptimierung. Seine wissenschaftliche Neugier verbindet er mit einer zutiefst persönlichen Mission: Menschen zu helfen, nicht nur leistungsfähiger, sondern vor allem lebendiger zu werden. Am 25. April 2026 hält er eine Keynote beim Event „Kunst der Balance“ im Wiener Hotel Andaz. Wir baten ihn vorab zum persönlichen Gespräch.

WOMAN

Wie sind Sie Biohacker geworden?

Max Gotzler

Schuld daran war meine Neugier. Ich wollte wissen, welches Potenzial in mir steckt. Als Sportler war ich daran interessiert, meine Leistungsfähigkeit zu verbessern (Gotzler spielte nach seinem Abitur in Amerika Basketball in der 2. Bundesliga Pro B, Anm.). Nach körperlich tollen Phasen hatte ich oft mentale Durchhänger – und umgekehrt. Der Optimierungsgedanke war damals sehr stark. Vor allem aber wollte ich mehr über mich selbst erfahren.

WOMAN

Gab es in den USA damals denn schon Biohacker?

Max Gotzler

In Boston und Oregon, wo ich trainierte und studierte, steckte das Thema „Selbstvermessung“ 2007 noch in den Kinderschuhen. Aber der Startschuss für die heutige Longevity-Bewegung fiel wohl in diese Zeit. Glenn, unser Fitnesstrainer, hat Trainingserfolge in Excel-Tabellen eingetragen, und wir konnten sehen: Wie verändert sich unser Körperfettanteil oder unsere Maximalkraft durch das Training? Auf kleinen Events haben Interessierte dann diskutiert, welche Daten sich messen lassen, und sie entdeckten immer neue Parameter – bis hin zu: „Welche Farben steigern meine Produktivität?“ Das war der Beginn der Biohacking-Szene.

WOMAN

Warum ist für Biohacker das Messen so wichtig?

Max Gotzler

Nur was ich messen kann, kann ich auch sinnvoll verändern. Messungen machen Fortschritte sichtbar. Anfangs war mein Motto: Je mehr, desto besser. Mehr Optimieren, mehr Messen, mehr Kontrollieren. Ich habe als Sportler versucht, den letzten Tropfen mehr an Leistungsfähigkeit rauszupressen, habe meine Ketonkörper im Blut gemessen, meinen Blutdruck, mein Schlafverhalten, alles. Rückblickend lag mein Fokus zu sehr auf Fehlervermeidung. Ich habe mich immer gefragt: Was mache ich falsch? Jetzt frage ich mich: Wovon will ich mehr? Mir geht es heute weniger ums Optimieren, mehr um Lebendigkeit.

WOMAN

Wie beurteilen Sie die Biohacking-Szene heute?

Max Gotzler

Wir leben in einem Wissens- und KI-Zeitalter, in dem sich Daten in rasanter Geschwindigkeit ordnen und auswerten lassen. Der Markt ist geprägt von fortlaufenden Neuerungen. Gleichzeitig führt diese Fülle an Tools und Techniken bei vielen Menschen zu einer Überforderung. Wer hat schon die Zeit oder die finanziellen Mittel, all das umzusetzen? Mein Eindruck ist, dass sich viele wieder nach einfachen, klaren Antworten sehnen. Ich habe zahlreiche Biohacker getroffen, die sehr asketisch leben – oft auf Kosten ihrer Lebensfreude. Vieles in der Szene ist stark angstgetrieben: Es geht darum, Krankheiten zu vermeiden, das Altern aufzuhalten, Kontrolle zu behalten. Ich bin natürlich selbst ein Teil dieser Szene, versuche aber, mir nicht mehr so viel Druck zu machen. Ich muss weder jedes verfügbare Supplement einnehmen, noch täglich ins kalte Wasser springen. Entscheidend ist, bewusst auszuwählen, was mir wirklich guttut.

WOMAN

Welche Biohacks wenden Sie immer noch gerne an?

Max Gotzler

Direkt nach dem Aufstehen suche ich bewusst das Tageslicht. US-Neurowissenschaftler Andrew Huberman weist darauf hin, dass bereits fünf Minuten Morgenlicht ausreichen, um den Hormonzyklus positiv zu beeinflussen. Tracker hingegen nutze ich kaum noch. Anfangs kann es sinnvoll sein, bestimmte Werte zu messen – aber irgendwann weiß man dann: So fühlt sich guter Schlaf an. Das muss ich nicht täglich überprüfen.

WOMAN

Bei unserem Event „Kunst der Balance“ dreht sich heuer alles um das Thema „Detox“. Eines der intensivsten Entgiftungsverfahren ist die Plasmapherese, oft als „Blutwäsche“ bezeichnet: Haben Sie Erfahrungen damit gemacht?

Max Gotzler

Persönlich noch nicht. Es handelt sich um ein medizinisches Verfahren, bei dem das Blutplasma außerhalb des Körpers von Schadstoffen wie Autoantikörpern, Toxinen, Schwermetallen oder überschüssigen Entzündungsstoffen gereinigt wird. Ich finde das spannend! Menschen mit chronischer Fatigue oder Long Covid berichteten von sehr guten Ergebnissen. Für Gesunde ist die Datenlage allerdings noch dünn. Als reine Lifestyle-Intervention gibt es andere, vielversprechendere Hebel.

WOMAN

Warum sehen Sie das Selbstoptimieren heute kritisch?

Max Gotzler

Optimierung kann leicht zum Selbstzweck werden, fast wie eine Religion. Das Leben füllt sich dann mit immer neuen Stellschrauben, an denen gedreht wird. Produktivität ohne Begeisterung führt unweigerlich zu Burnout. Fragen Sie nicht, was Sie vermeiden wollen, sondern wovon Sie mehr haben möchten. Das öffnet den Fokus für positive Erlebnisse: Mein erster Bestseller hieß „Biohacking – Optimiere dich selbst“. Der Schritt vom Optimieren zum Erleben war anfangs ein Identitätskonflikt – aber es war genau der richtige.

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