
Infinity-Pool mit Blick auf das Bergpanorama.
©Harald EisenbergerIn der Oststeiermark gibt es einen idyllischen Kraftplatz, der Genuss mit Gesundheit verbindet. Doch wie schnell können sich Gestresste wirklich regenerieren? Ich durfte es ausprobieren.
Laptop zu und los geht’s: Nach zwei Stunden Autofahrt erreichen der Beste und ich das Almwellness Hotel Pierer, eingebettet in die Natur der steirischen Teichalm. Meine Erwartungen sind groß: Ich habe schon viel Gutes gehört über das familiengeführte Viersterne-Plus-Haus und das Paket A.L.M. Regeneration gebucht. Die A.L.M.-Methode ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Wohlbefinden und Entschleunigung fördern soll und auf den Säulen „Authentic“ (echt), „Local“ (regional) und „Mindful“ (achtsam) basiert. Man setzt dabei auf regenerierende Behandlungen, bewusste Ernährung, erholsamen Schlaf und Bewegung. Dennoch bin ich skeptisch: Kann man sich in nur drei Nächten wirklich erholen?


AUSZEIT. Viele Rückzugsmöglichkeiten bietet das 5.000 m2 große Alm- Spa.
© Harald EisenbergerGebäck von „Oma“ Pierer
Ich bin eine sensible Schläferin, und in den meisten Hotels schlafe ich schlecht. Vielleicht liegt es an den Matratzen, an der absoluten Stille oder am „Polstermenü“ – man kann zwischen Dinkel-Zitronenkissen, Kräuterhörnchen und Nackenstütz-Polster wählen –, jedenfalls wache ich auf und spüre, dass mich ein guter Tag erwartet. Mein erster Weg führt mich ins Restaurant: Vor dem Morgen-Yoga gönne ich mir einen Cappuccino und ein ofenfrisches Croissant. Ab diesem Moment bin ich gewonnen: Striezel, Salzstangerl und Dinkelbrot – alles hausgemacht. „Oma“ Maria Pierer steht dafür jeden Morgen ab 4:30 Uhr in der Küche.
Um 8:30 begrüßt uns Anna zum Yoga. Mit viel Gespür führt sie durch die Stunde – ein sanfter und dennoch fordernder Flow. Zwei Kerzen brennen, hinter der Fensterwand vereistes Nebelgrau. Im Savasana spüre ich: Jetzt ist nicht nur mein Körper angekommen, sondern auch mein Geist.
Nach einem ausgiebigen zweiten Frühstück begleitet uns Management-Direktor Velimir Mijatovic durch das 5.000 Quadratmeter große Refugium. Wir erhaschen einen Blick in die riesige Hotelküche, in der seit Dezember ein neuer Küchenchef viel Wert auf Qualität und Regionalität legt. Wir bestaunen den klimatisierten Weintresor, indem auf drei Etagen über 8.000 Flaschen lagern – viele davon stammen aus dem eigenen Pierer-Weingut in der Südsteiermark. Zudem beeindrucken uns das professionell ausgestattete Fitnessstudio sowie das großzügige A.L.M.-Refugium mit Infinity-Pool, Liegenischen, Eisdusche, Kneipp-Gang und einer vielseitigen Saunalandschaft.


A.L.M.-REFUGIUM: Schwitzen im Dampfbad.
© Harald EisenbergerDas Haus ist ziemlich verwinkelt. „Es ist gesund gewachsen“, sagt Alfred Pierer, der gemeinsam mit seinem Bruder Franz das Hotel in vierter Generation führt. Dreimal täglich trifft sich die ganze Familie am „Stammtisch“ in einer gemütlichen Nische, um gemeinsam zu essen und sich auszutauschen. „Wir sind ganz klein gestartet, und es gab viele Herausforderungen. Am wichtigsten ist uns die Qualität. Ausrasten kommt nicht infrage.“
Den Begriff „Almwellness“ haben die Brüder schon vor 20 Jahren geprägt – eine Positionierung, die das Haus saison- und wetterunabhängig macht. „Genuss ist uns wichtig, aber auch Gesundheit. Das sollte kein Widerspruch sein“, sagt Alfred Pierer. Ab Mai will man den Kräuter-Fokus noch verstärken: Die Küche wird dann noch naturbewusster gestaltet. „Wir möchten auch alte Hausmittel wieder ins Leben rufen, wie etwa Oxymel. Das HonigEssig-Gemisch wirkt immunstärkend und regt den Stoffwechsel an“, so Pierer. Er wirkt zufrieden. Kein Wunder: Das Hotel ist zu 90 Prozent ausgelastet. Für Wiener und Grazer sei der Ort besonders attraktiv: „Sie haben ein Juwel vor der Haustür. Der Mitbewerb in der Region ist überschaubar.“ Unter den Gästen finden sich viele Freundinnen-Gruppen und Pärchen jeden Alters. Was sie hier am meisten schätzen? „Dass es menschelt beim Pierer“, ist sich der Hotelier sicher.


ERFOLGS-DUO: Die Brüder Alfred (rechts) und Franz Pierer leiten das Viersterne-Plus-Hotel in vierter Generation.
© Harald EisenbergerEhrliche Kosmetik
Tatsächlich agieren die bestens geschulten Mitarbeiter:innen sehr authentisch. Kein Fake-Lächeln, keine aufgesetzte Höflichkeit, dafür mitunter entwaffnende Offenheit. Im Regenerations-Paket inkludiert ist eine Gesichtsbehandlung, die sich „Frisch wie der Almmorgen“ nennt. Die Kosmetikerin begutachtet meine Haut im Licht und sagt: „Falten, Couperose, alles klar.“ 50 Minuten später verlasse ich die Kabine gefühlt um zehn Jahre jünger.
Ich lasse mich ins Freiluftbecken gleiten, sportlich mit Badehaube und Schwimmbrillen. Das Wasser ist warm, nur mein Kopf lugt in den frostigen Nebel. Ich fühle mich so schwerelos wie das Baby auf dem Nirvana-Plattencover. Nach einer Rast in der Kräutersauna überlege ich kurz, ins Eisbad zu tauchen, bleibe heute aber lieber in meiner Komfortzone. Ich lasse mich auf eine der Wellnessliegen fallen und lese. Nichts ist grell oder laut; der Nebel färbt sich nun in ein sattes Dunkelblau.
Auf geht’s zum nächsten Termin. Auch der Masseur fackelt nicht lange herum. „Ist es in Ordnung, wenn ich kräftiger drücke?“ Ich nicke und bereue meine Entscheidung in der Sekunde. Ich bin nicht nur total verspannt, sondern meine seitliche Beinmuskulatur ist zudem verkürzt. „Sie sitzen zu viel. Sie müssen mehr dehnen“, sagt der Masseur. Ich lerne: Das Lösen der Verklebungen regt die Blutzirkulation an, was den Transport von Sauerstoff und Nährstoffen verbessert und zur Regeneration beiträgt. Ein Winterspaziergang entlang des Mixnitzbachs zum Moorwald tut jetzt richtig gut. Das Beste kommt zum Schluss: Was sich „Wiesen-Detox-Behandlung“ nennt, ist eine Mischung aus Lymphdrainage und Akupressur mit Almkräuterölen. Adriana streichelt meine Verdauungsorgane – Milz, Pankreas und Magen fühlen sich „von innen“ umarmt. Ich bekomme einen warmen Heusack auf die Leber und schlafe ein.
Am Weg zurück nach Wien verschwindet die Sonne hinter den Teichalm-Bergen. Der Beste sitzt am Steuer, greift nach meiner Hand, und mein Bauch gluckst immer noch fröhlich.
So holen Sie aus 3 Tagen Auszeit das Beste heraus
DAS GUTE IST SO NAH.
Wählen Sie eine Reise Destination, die nicht zu weit weg ist von Ihrem Wohnort.
WAHL DER BEGLEITUNG.
Gemeinsame Auszeiten entspannen nur, wenn Erwartungen und Tempo zusammenpassen.
WENIGER PLANEN.
Maximal eine Anwendung pro Tag buchen – freie Zeit ist der wahre Luxus.
DIGITAL DETOX LIGHT.
Das Handy auf lautlos stellen, Mails sind tabu – die Welt kann drei Tage warten.
FRÜH ANKOMMEN, SPÄT GEHEN.
Wenn möglich, den An- und Abreisetag voll nutzen!
ENTSCHLEUNIGEN.
Essen Sie langsam. Wellness beginnt beim Frühstück – ohne Eile, ohne Ablenkung.
ERHOLUNG MITNEHMEN.
Lavendelspray am Polster oder abendliches Mini-Stretching: ein kleines Ritual für zu Hause festlegen!
A.L.M. Regeneration, buchbar für drei Nächte, ab € 1.056,00 pro Person im DZ.
Pierer Almwellness, Oststeiermark.
