
Freude gilt als das schönste aller Gefühle. Und doch fällt es vielen Menschen erstaunlich schwer, sie zuzulassen. Warum wir das Glück immer wieder auf später verschieben - und weshalb Freude keine Belohnung, sondern eine innere Orientierung ist.
Neulich wollte eine Freundin wissen, wie es mir geht. Rasch geriet unser Gespräch in eine Sackgasse. Denn leider ging es mir gut. Als ich glücklich von der zurückliegenden Woche erzählte, nickte sie beiläufig, murmelte „Mhm, schön!“ – und wechselte das Thema. Autsch, das tat weh! Meine Freude fiel in sich zusammen. Ich schämte mich, so positiv von meinem Leben berichtet zu haben, und fühlte mich irgendwie schuldig.
Es ist schon merkwürdig: Unsere Kultur erwartet von einem, ständig gut drauf zu sein. Doch zugleich löst Freude oft Unbehagen aus – etwa ein diffuses Schuldgefühl. Oder das tief sitzende Empfinden, dass sie einem nicht zusteht, weil man noch nicht alles getan hat, was es zu tun gibt.