
Rücken, Bauch, Haut – was, wenn Beschwerden mehr mit der Seele zu tun haben, als wir denken? Eine Expertin erklärt, worauf es wirklich ankommt.
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Kopfschmerzen
SYMPTOME: Dumpf drückend oder pochend und bohrend: Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten psychosomatischen Beschwerden. Sie „entstehen häufig in Phasen der inneren Überforderung“, weiß Psychologin Sabine Viktoria Schneider – vor allem, „wenn zu lange zu viele Eindrücke ungefiltert auf das eigene System einwirken“. Der innere Druck sucht mit der Zeit einen Weg nach draußen – Schmerz entsteht.
FRAGEN: Wo in meinem Leben erlebe ich gerade besonders viel Druck - und wessen Druck ist das? Was halte ich gedanklich fest, ohne es lösen oder loslassen zu können? Obwohl es mich stark belastet? Welche inneren und äußeren Reize ignoriere ich, obwohl sie mich längst überfordern? Welche Gedanken nehmen in meinem Kopf zu viel Platz ein?
LÖSUNGEN: „Die innere Heilung verlangt, vom Denken ins Spüren zu kommen, um das Ich und die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen“, ist die Psychologin überzeugt. Was dabei hilft: Alkohol, Zucker und Koffeinüberschuss meiden sowie eine schmerzlindernde Ernährung mit viel Gemüse, Hafer, Beeren, stillem Wasser, komplexen Kohlenhydraten und hochwertigen Fetten. Genug trinken und auf ungestörten Schlaf achten!
Halsweh
SYMPTOME: Der Hals ist di entscheidende Schnittstelle zwischen dem Innen und Außen: Zwischen dem, was gesagt werden müsste, und dem, was unausgesprochen bleibt. „Eine dauerhafte Zurückhaltung oder das Gefühl, sich ständig ‚verstellen‘ zu müssen, führt zu einer Überlastung der Halsmuskulatur, der Stimmbänder und der dortigen Schleimhäute“, kennt Schneider die Hintergründe. Folglich schmerzt der Hals.
FRAGEN: Welche Sätze sage ich immer wieder, obwohl sie meinem eigenen Ich nicht entsprechen? Wo zwinge ich mich, still zu sein, obwohl ich etwas sagen möchte? Was kostet es mich, meine Stimme nicht zu nutzen? Welche Wahrheit verschweige ich?
LÖSUNGEN: Hier geht es darum, zu sich selbst ehrlich zu sein, um mit der eigenen
Wahrheit in Kontakt zu kommen. Der Halsschmerz darf als Weckruf verstanden werden: Erlauben Sie sich, auszusprechen, was wirklich da ist. Tipp der Expertin: „Gurgeln mit lauwarmem Kamillen- oder Thymiantee wirkt entzündungshemmend und beruhigt die gereizte Schleimhaut.“
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Herzprobleme
SYMPTOME: Das Herz gibt den Rhythmus unseres Lebens vor. Es ist das Zentrum unseres Fühlens. Dr. Schneider gibt deshalb zu bedenken: „Zeigt unser Körper in diesem Bereich Symptome, sei es durch Herzrasen, Enge in der Brust, zu hohen oder niedrigen Blutdruck, Atemnot oder das Gefühl einer inneren Leere und Ohnmacht, betreffen diese Symptome nicht nur das Organ an sich, sondern unsere gesamte emotionale Mitte.“
FRAGEN: Welche Gedanken, Situationen oder Menschen brechen mir immer wieder mein Herz? Wo braucht mein Inneres Raum zum Atmen? Wo in meinem Leben bleibt etwas immer unausgesprochen, obwohl es in mir drängt, endlich ausgedrückt zu werden? Wo mache ich mir zu viel Druck?
LÖSUNGEN: Bei Beklemmungsgefühlen in der Brust können eine bewusste Atemarbeit und sprachliche Ausdrucksformen, eine sanfte, liebevolle Selbstzuwendung und die innere Sicherheit, „sein zu dürfen“, Abhilfe schaffen. Blutdruckschwankungen können durch eine klare Tagesstruktur und bewusste, erlaubte Pausen reguliert werden. Generell geht es laut der Expertin darum, das eigene Tempo zu finden. Regelmäßige Mahlzeiten mit ballaststoffreichen, komplexen Kohlenhydraten und kaliumreichen Lebensmitteln unterstützen dabei.
Hautirritationen
SYMPTOME: „Die Haut ist unser größtes Organ, gleichzeitig unsere größte emotionale Schutzhülle“, eklärt Dr. Schneider. Juckt, brennt, nässt sie, bildet sie Bläschen oder rötet sie sich, reagiert sie nicht nur auf Allergien, Cremes oder das Wetter. „Sie spricht das aus, was in unserem Inneren keinen Platz oder zu wenig Beachtung findet.“ So könne Herpes etwa oft nach emotionalen Spannungen auftreten, als eine Art „Psychohautreaktion“, die sich entlädt.
FRAGEN: Was zeigt mir meine Haut, was ich selbst vielleicht gar nicht sehen oder zulassen möchte? Wovor möchte sie mich beschützen und abgrenzen? Wo habe ich mich angepasst, obwohl alles in mir nach Abgrenzung gerufen hat? Wo wurde von meinem Umfeld vielleicht eine Grenze überschritten? Wo bin ich besonders streng mit mir selbst?
LÖSUNGEN: Treten Symptome wie Herpes gehäuft auf, sei es entscheidend, die eigene Konfliktfähigkeit zu stärken, betont Schneider: „Es gilt, zu lernen, den inneren Druck rechtzeitig nach außen zu transformieren, bevor er sich unkontrolliert über die Haut entladen muss.“ Bei Neurodermitis rät sie, sich mit den eigenen Grenzen zu beschäftigen. In der Ernährung können Fette wie Leinöl und Kräuter wie Brennnessel oder Schafgarbe hautunterstützend wirken.
Bauchweh
SYMPTOME: Der Bauch hält fest, was im Alltag keinen Platz findet: unausgesprochene Worte, zurückgehaltene Emotionen. Symptome wie Übelkeit, Druck, Krämpfe, Blähungen oder ein Reizdarm-Syndrom können Hinweise darauf sein, dass unsere emotionale Mitte aus dem Lot geraten ist. Es lohne sich, auf „das Zentrum unserer inneren Verarbeitung“ genauer zu hören und möglicherweise besser für uns zu sorgen.
FRAGEN: Wann ist mein Bauch besonders angespannt? Was liegt mir sprichwörtlich schwer im Magen? Was versuche ich immer wieder hinunterzuschlucken und zu tolerieren, statt es ehrlich anzusprechen? Wo in meinem Leben spreche ich nicht aus, was mich belastet?
LÖSUNGEN: Der erste Schritt, so Dr. Schneider, besteht in einer bewussten inneren Zuwendung: Welche Gedanken und Gefühle beanspruchen Raum? Welche Bedürfnisse werden dauerhaft zurückgestellt – so lange, bis sie sich nicht mehr „verdauen“ lassen? Zudem empfehlenswert: eine entzündungslindernde Ernährung mit gut verdaulichen und fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut oder Kefir. Auch gut: Bitterstoffe wie Artischocke und Löwenzahn sowie Wärme in Form von Tees. Auf stark blähende Lebensmittel wie Kohl, Zwiebeln oder Hülsenfrüchte lieber verzichten!
Rückenschmerzen
SYMPTOME: Es ist die Volkskrankheit schlechthin, und oftmals finden Ärzt:innen keine konkrete Ursache für Rückenschmerzen. „Sehr oft steckt die Seele dahinter“, meint Dr. Schneider, „die über den Körper ausdrückt: ‚Ich kann nicht mehr all das tragen, was du mir auflädst. Es ist mir über die Jahre zu viel Last geworden.‘“ Zu viel Verantwortung, nur für andere da zu sein und die eigenen Bedürfnisse hintanzustellen, lässt uns sprichwörtlich unsere Haltung verlieren.
FRAGEN: Was alles schleppe ich aktuell mit mir herum? Was überfordert mich? Was würde passieren, wenn ich einen Teil meiner Last loslassen und zurückgeben würde?
LÖSUNGEN: „Entscheidend ist die Rückverbindung mit der eigenen Mitte“ weiß die Psychologin. Oft helfe es, familiäre Rollenzuschreibungen zu verstehen und aufzulösen. Sich selbst das Gefühl zu geben: Ich darf loslassen, was nicht zu mir gehört, und mir selbst und anderen mit einem starken Rückgrat begegnen. Eine antientzündliche Ernährung mit viel Gemüse, Hafer, Kurkuma, Beeren sowie Bewegung und Wärme unterstützt dabei.
Wir sind viel zu sehr darauf konditioniert, zu funktionieren

Psychologin Prof. Dr. Schneider über die häufigsten psychosomatischen Symptome – und wie wir unsere Seele besser verstehen lernen.
Mit welchen psychosomatischen Beschwerden werden Sie in Ihrer Praxis am häufigsten konfrontiert?
Die Palette ist breit gefächert. Häufige vordergründige Symptome sind jedoch Rückenschmerzen, Schmerzen im Bewegungsapparat, Kopfschmerzen, Probleme im Magen-Darm-Bereich, Erschöpfungssyndrome, Schlafstörungen bis hin zu Schwindelgefühlen.
Es heißt, dass die Seele über den Körper mit uns spricht. Warum fällt es uns so schwer, richtig hinzuhören?
Weil wir viel zu sehr darauf konditioniert sind, zu funktionieren. Wir sausen von Termin zu Termin – ob beruflich oder privat. Das ist leider eine großartige Ablenkung davon, zu spüren, wenn etwas im Inneren nicht stimmt.
Wie können wir ins Spüren kommen?
Indem wir uns mehr Zeit für uns selbst nehmen, uns ganz bewusste Ruhephasen erlauben und
in uns hineinspüren: Was sind tatsächlich meine eigenen Bedürfnisse? Was würde ich mir jetzt wünschen? Das muss man üben, es ist ein Lernprozess. Viele Menschen hatten nicht einmal in ihrer Kindheit die Möglichkeit, sich ihrer Bedürfnisse bewusst zu werden.
Welche Frage lohnt es sich in diesem Prozess immer zu stellen?
Wer bin ich eigentlich, und wer glaube ich, dass ich sein muss? Darf ich aus meiner Selbstwirksamkeit heraus agieren oder tue ich das nur aus Fremdbestimmung?
Wann sollte man dennoch zum Arzt?
Immer, wenn man Schmerzen hat, sollte man im ersten Schritt den Arzt aufsuchen. Erst wenn man
Gewissheit hat, organisch gesund zu sein, kann man beginnen, sich um die Psyche zu kümmern.















