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„What Were You Wearing?“– Die Ausstellung beweist: Vergewaltiger schauen nicht auf dein Outfit!

Die Kunstausstellung der Universität Kansas, USA, will mit dem Vorurteil aufräumen, dass Opfer mitschuldig an ihrer Vergewaltigung sind.

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What were you wearing?

Kleidung ist irrelevant!

© Jennifer Sprague, University of Kansas

18 Outfits hängen nebeneinander in einem Galerieraum der Universität von Kansas in den USA. 18 ganz normale Outfits, die Vergewaltigungsopfer trugen, als sie angegriffen wurden. T-Shirts, Jeanshosen, Cargo Shorts, Jogginghosen und Sneaker, ein Badeanzug, ein Kinderkleid. Ganz normale Kleidung eben. Jedes dieser Kleidungsstücke beantwortet stillschweigend dieselbe Frage: „What were you wearing?“. Gleichzeitig zeigt es jedem, dass es egal ist, wie viel Haut Kleidung bedeckt, wenn doch am Ende das Ergebnis immer das gleiche ist.

Jen Brockman, Leiterin des Universitätszentrums für Aufklärung von sexuellen Übergriffen, erzählt der „Chicago Tribune“, dass sie mit der Ausstellung hoffen Studenten die Augen öffnen zu können: „Ihnen wurde all die Jahre erzählt, dass freizügige Kleidung verantwortlich für Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe sei – und das ist vollkommen falsch!“

Die ausgestellte Kleidung gehört zwar nicht tatsächlichen Opfern, sondern stammt aus der Sammel- und Fundstelle der Universität. Die Zusammenstellung der Outfits basiert allerdings auf wahren Geschichten, die auf dem Campus und in der Region passiert sind.

Unter einem der Outfits steht folgende Beschreibung: „Ein schwarzer Rock und ein roter Pullover. Sie gehörten meiner Mitbewohnerin. Sie hatte sie mir für mein Date ausgeliehen. Ich war so aufgeregt. Ich mochte ihn wirklich und dachte er wäre einer von den Guten. Als ich aber Stopp rief und dabei weinte, hörte er trotzdem nicht auf.“

Kinderkleidung ist ebenfalls unter den Ausstellungsstücken zu finden. So waren unter den Einsendungen, die Brockman erhalten hat, auch Erzählungen von Kindesmissbrauch dabei. „Ein Sommerkleid. Monate später stand meine Mutter vor meinem Schrank und beschwerte sich, dass ich meine schönen Kleider nicht mehr trug. Ich war sechs Jahre alt.", das steht neben einem rosarot gestreiftem Mädchenkleid.

Bei sexuellen Übergriffen ist Kleidung irrelevant. Die Tatsache, dass es zu Geschlechtsverkehr kommt, obwohl es kein Einverständnis zwischen beiden Parteien gab, macht den Akt zu einer Vergewaltigung. Unsere Gesellschaft wurde aber darauf getrimmt zu glauben, dass die Kleidung eines Opfers wichtig ist.

Laut Kriminalstatistik wurden in Österreich im Jahr 2016 knapp 900 Vergewaltigungen angezeigt. Sobald der erste rechtliche Schritt eingeleitet wurde, beginnt der Hürdenlauf für das Opfer, welches psychisch schon überlastet genug ist. So wird bei einem Vergewaltigungsdelikt die Tatsache, dass der Angreifer ein Vergewaltiger ist einfach abgetan. Stattdessen wird das Opfer, dessen Kleidung, was und wie viel es an dem Abend konsumiert, was es gesagt und getan und wie es sich verhalten hat, genauestens unter die Lupe genommen, analysiert und ausgewertet.

Die Frage "Was hattest du an?" ist anklagend und ruft Gefühle wie Zweifel, Scham und Selbsthass bei Opfer hervor. Sie fragen sich, ob sie schuld daran sind, ob ihr Verhalten den Angreifer provoziert hat. Wo Zweifel sind, ist Scham nicht weit. Und wer sich schämt, meldet solche Verbrechen nicht. Die Dunkelziffer nicht angezeigter Sexualstraftaten ist enorm.

Unsere Gesellschaft muss endlich erkennen, dass die einzige Frage, die einem Vergewaltigungsopfer gestellt werden sollte, folgende ist: „Wie kann ich helfen?“ Ausstellungen wie diese helfen dabei mit dem Vorurteil, dass Opfer für den Angriff verantwortlich sind, aufzuräumen und Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Indem Schuldzuweisungen gegenüber dem Opfer aus dem öffentlichen Diskurs entfernt werden, ermächtigen wir diese dazu Angriffe zu melden. So können sie ohne Angst und Scham ihre psychische Genesung beginnen.

„Das Feedback zur Ausstellung war durchwegs positiv“, erzählt Brockman der Chicago Tribune. „Viele Opfer haben sich die Installation angeschaut und uns dafür gedankt.“

Bleibt zu hoffen, dass es weitere solcher Ausstellungen geben wird, um die Menschen darauf Aufmerksam zu machen und den Diskurs in eine neue Richtung zu lenken.

Thema: Feminismus