Wir brauchen einander: Wie Beziehungen uns heilen können

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Meditation, Selbstfürsorge, innere Arbeit: Lange galt Heilung als ein Weg, den jeder für sich gehen muss. Psychologe Peter Beer hält dagegen: Warum unsere Verletzungen nur in Beziehungen gesunden können.

Zehntausende Menschen stehen dicht an dicht im Stadion, überwältigt von diesem Moment, und singen jede Zeile des Oasis-Hits „Acquiesce“ mit. Liam Gallagher schleudert ihnen die Frage entgegen, wer schon allein sein wolle, wenn man sich stattdessen lebendig fühlen könne. Dann übernimmt sein Bruder Noel den Refrain: „Because we need each other.“ Und das Stadion antwortet mit einer Stimme.

Was Menschen bei Popkonzerten, im Fußballstadion oder auch beim gemeinsamen Singen erleben, ist mehr als flüchtige Euphorie. Die Forschung spricht von kollektiver Ergriffenheit: jenem intensiven Gefühl von Zugehörigkeit, das entsteht, wenn viele Menschen im selben Augenblick dasselbe empfinden. Es stärkt unser Wohlbefinden und erinnert uns an etwas, das wir im Zeitalter der Selbstoptimierung beinahe vergessen haben: Verbundenheit ist für Menschen kein Luxus, sondern eine Lebensgrundlage.

Genau an diesem Punkt setzt der Psychologe und Achtsamkeitslehrer Peter Beer an. In seinem neuen Buch „Achtsamkeit und Beziehungen“ (arkana) geht er der Frage nach, warum wir uns so sehr nach Nähe sehnen – und sie zugleich fürchten. Auch in unserem ausführlichen Podcast-Gespräch wurde deutlich: Meditation kann uns helfen, bei uns selbst anzukommen. Doch das Meditationskissen allein reicht nicht. Alte Wunden, die in Beziehungen entstanden sind, können letztlich auch nur in Beziehungen heilen. Peter Beer weiß das aus eigener Erfahrung. Die Meditation half ihm einst aus einer schweren Krise. Sie verschaffte ihm Ruhe, als Panikattacken und depressive Phasen sein Leben bestimmten. Beim Meditieren fand er einen Ort, an dem niemand etwas von ihm verlangte. Einen Raum jenseits von Leistung, Anpassung und der ständigen Frage, ob er gut genug sei.

Doch irgendwann erkannte Beer auch die Grenze dieses Rückzugs. In der Stille fühlte er sich sicher. Sobald ihm Menschen wirklich nahe kamen – seine Partnerin, Freunde, später sein Sohn –, kehrte die alte Anspannung zurück: die Angst, zu viel zu sein oder nicht zu genügen; die Sorge, missverstanden, abgelehnt oder verlassen zu werden. „Da war sehr viel Schmerz“, erzählt er im Gespräch. Dass er ihn nicht hinter einer souveränen Fassade verbirgt, unterscheidet Beer von vielen anderen Größen der Coaching-Szene. „Ich möchte anderen signalisieren, dass ich auch nur ein Mensch bin – mit Schwächen und Bedürfnissen.“ Die Erkenntnisse aus seinem eigenen Ringen vermittelt er nahbar und ohne erhobenen Zeigefinger: Meditation könne uns zu uns selbst zurückführen. Doch erst neue, heilsame Erfahrungen mit anderen können alte Verletzungen überschreiben.

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