Logo

Stillen: vom Milcheinschuss nach der Geburt über Stillpositionen bis zum Abstillen [Überblick]

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
16 min
Mutter, die ihr Baby stillt

©iStock/Anastasiia Stiahailo
  1. home
  2. Service
  3. Mutterschaft

Stillen ist wichtig für die Ernährung, Entwicklung sowie Gesundheit deines Kindes. Vom ersten Anlegen nach der Geburt, dem Milcheinschuss, wunden Brustwarzen und Milchstaus bis zum Abstillen. Plus: Still-BHs und Stillkleidung.

"[...] Stillen bleibt eine ganz persönliche Angelegenheit. Allein der Bedarf – und zwar der von Mutter und Baby – entscheidet darüber, ob ganz oder teilweise, bzw. lang oder kurz gestillt wird. Weil diese besondere Beziehung nämlich nur dann funktioniert, wenn beide damit glücklich sind", so Claudia Schönbauer-Matejka von MAM Baby.

Besonders hervorheben möchte ich den Satz: "Stillen bleibt eine ganz persönliche Angelegenheit." Warum? Jede Mama hat ihre eigene (emotionale) Stillgeschichte, manche sind eventuell nur Kurzgeschichten und andere können ganze Bücher mit ihren Erfahrungen füllen. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig poetisch, aber was ich persönlich damit sagen (schreiben) möchte, ist, dass egal, ob du stillst oder Pre-Nahrung gibst, ob du drei Monate oder zwei Jahre stillst, ob du abpumpst, ob du Stillhütchen nimmst, ob du nach einem Monat abstillst, ob, ob, ob, ... du entscheidest, was für dein Baby und dich das Beste ist.

"Muttermilch ist die optimale Ernährung für Ihr Baby," steht in der Broschüre "Stillen – ein guter Beginn. Information für Mütter und Väter" vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (diese dient, wenn nicht anders angegeben, als Informationsquelle in diesem Artikel). Muttermilch enthält Abwehrstoffe, die dein Baby vor Infektionen schützt, und Nährstoffe, die es in den ersten Lebensmonaten für seine gesunde Entwicklung braucht. Sie enthält kein fremdes Eiweiß und trägt zum Schutz vor Allergien bei. Muttermilch ist keimarm, leicht verdaulich, gut verträglich und richtig temperiert. Und sie ist kostenlos und jederzeit verfügbar.

Ja, Stillen ist wichtig für die Ernährung, Entwicklung sowie Gesundheit deines Kindes. Wenn du nicht stillen kannst oder möchtest, lass dich professionell unterstützen (Hebamme, Kinderärztin/Kinderarzt), vor allem in der Anfangszeit. Denn nicht nur Stillen, sondern auch Säuglingsanfangsnahrung-füttern will gelernt sein.

Vorbereitungen auf das Stillen während der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft wächst nicht nur dein Bauch, sondern auch deine Brüste. Hormonelle Veränderungen führen zum Wachstum der Milchdrüsen und auch schon vor der Geburt kann ein wenig Vormilch aus deinen Brüsten fließen.

Hast du gewusst, dass sich die Brustspitzen während der Schwangerschaft dunkler färben, damit das Baby sie später besser sehen kann?

Mit dem ersten "Trinktraining" im Bauch beginnen auch schon Babys zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche. Sie saugen an den Fingern und trinken Fruchtwasser, um die Nierentätigkeit anzuregen.

Das erste Stillen nach der Geburt

Das innige Kuscheln (Bonding) mit deinem Baby nach der Geburt ist nicht nur wunderschön, sondern der Hautkontakt regt das Kleine an, deine Brust zu suchen und daran zu saugen. Das erste Anlegen kann, muss aber nicht auf Anhieb klappen.

Als Kolostrum (Vormilch) werden die ersten "Portionen" genannt. Sie sind cremig-gelblich und dickflüssig. Das Kolostrum liefert wichtige Abwehrstoffe und Nährstoffe für dein Baby und regt ein wenig den Verdauungstrakt an, damit dieser in Schwung kommt.

Wenn dein Baby in den ersten 24 Stunden nach der Geburt selten und wenig trinkt, ist das normal, denn ein paar Tropfen Vormilch machen es schon sehr satt.

Was passiert beim Milcheinschuss?

Zwischen dem 2. und 6. Tag nach der Geburt kommt der Milcheinschuss, also der Beginn der reichlichen Milchbildung. Den Milcheinschuss empfinden Frauen unterschiedlich, für manche ist es eine emotionale Achterbahnfahrt mit schmerzenden Brüsten, andere verspüren nur etwas mehr Druck in ihren Brüsten.

Was hilft: Körperkontakt mit deinem Kleinen, eine warme Dusche (oder warme Umschläge) vor dem Stillen erleichtert das Fließen der Milch, kalte Umschläge (mit Topfen, dieser wirkt auch entzündungshemmend) nach dem Stillen helfen gegen das Spannungsgefühl. Dieser anfängliche Druck in deinen Brüsten sollte sich nach ein paar Tagen legen und sie sollten sich wieder weicher anfühlen.

Still-BHs

Ein hilfreicher Wegbegleiter durch die Stillzeit sind Still-BHs. Sie sind superpraktisch, aber aufgepasst: Ein falsch sitzender Still-BH kann einen Milchstau auslösen, lass dich beraten und investiere in ein qualitatives Stück.

Stillen will gelernt sein

Oh ja, Stillen will gelernt sein. Neben Geduld, Ruhe, Zeit und viel Hautkontakt sind oftmaliges Anlegen sowie die "richtige" Stilltechnik wichtige "Grundbausteine". Lass dir im Krankenhaus, aber auch zu Hause von Hebammen oder Stillberaterinnen helfen.

Es gibt kein Geheimrezept, wie Stillen funktioniert, jedes Baby entwickelt mit seiner Mama im Laufe der Zeit seine eigene Stillbeziehung, aber grob zusammengefasst legst du dein Baby so oft an, wie es möchte. Biete ihm bei jeder Milchmahlzeit beide Brüste für jeweils ca. 15 bis 20 Minuten an und beginne mit der Brust, an der es beim letzten Mal getrunken hat. So wird die Milchbildung gleichmäßig angeregt.

Ob dein Baby richtig saugt, kannst du hören, sehen und spüren. Der Mund umschließt die gesamte Brustwarze (inklusive Vorhof), die Spannung in der Brust lässt nach und du hörst das Schlucken des Babys. Schaue auch auf die Hände deines Kleinen: Ein sattes Baby entspannt seine Hände.

Vor dem Brustwechsel kannst du versuchen, ob dein Baby aufstößt. Die Hintermilch gegen Ende der Stillmahlzeit ist besonders nahrhaft, daher lass dein Baby ausreichend lange an der Brust trinken. Wenn ihr ein eingespieltes Team seid, braucht dein Kind eventuell auch nur noch eine Brust, um satt zu sein.

Die beliebtesten Stillpositionen im Überblick [Video]

Zu den gängisten Stillpositionen zählen die Wiegehaltung, die modifizierte Wiegehaltung (Kreuzgriff, Kreuz-Wiegehaltung), der Rückengriff (Football-Griff, Rückenhaltung), die zurückgelehnte Rückenlage (intuitives Stillen) oder auch die Seitenlage im Liegen.

Wie oft soll ich stillen?

Acht bis zwölf Milchmahlzeiten in 24 Stunden sind, vor allem in der Anfangszeit, normal. Wie lange und wie viel das Baby pro Stillen trinkt, ist sehr unterschiedlich. Eines ist jedoch klar: Stillen geht nicht nach Stundenplan, sondern nach Bedarf. Nach diesem Angebot-und-Nachfrage-Prinzip richtet sich auch die Milchproduktion: Je mehr getrunken wird, desto mehr wird produziert.

In den ersten Lebenswochen des Säuglings kann es (meist abends) zum Clusterfeeding kommen, das heißt das Kleine möchte stündlich oder sogar halbstündlich trinken. So ein Stillmarathon kann sehr kräftezehrend sein. Da das Clustern oft mit einem Entwicklungs- oder Wachstumsschub einhergeht, heißt es: durchhalten! Und schaue auch auf dich. Wenn geht, habe in Griffnähe Getränke und Snacks parat. Bereite dir in einer ruhigen Minute vielleicht schon einen Tee vor (der auch kalt schmeckt), z. B. Neuner's Still-Tee BIO.

Autsch! Wunde Brustwarzen & Milchstaus

Eine der häufigsten Begleiterscheinungen beim Stillen sind wunde Brustwarzen. Ich habe mich gefragt, warum Mutter Natur Brustwarzen nicht robuster entwickelt hat, wenn doch so oft ein Baby daran nuckelt und saugt? Bei schmerzenden, wunden Brustwarzen solltest du auf eine gute Anlegetechnik und Stillposition achten. Du kannst beispielsweise vor dem Stillen ein wenig Milch aus der Brust streichen, damit diese nicht so angespannt ist und das Baby sie leichter fassen kann.

Was hilft noch bei wunden Brustwarzen? Lass die Muttermilch an deinen Brustwarzen nach dem Stillen antrocknen (Muttermilch ist ein wahres Wundermittel). Lüfte deine Brüste und verwende nach jeder Milchmahlzeit neue Stilleinlagen. Meine persönlichen Helferlein waren: Brustwarzensalbe, kühlende Kompressen und Silberhütchen.

Um empfindlichen Brustwarzen eine "Verschnaufpause" zu gönnen, aber auch um anfängliche Stillprobleme zu überbrücken, können Stillhütchen (Saughütchen) eine Hilfe sein. Wenn du so eine Stillhilfe verwenden möchtest, bespreche Details mit deiner Hebamme oder Stillberaterin.

Viele stillende Mütter haben mit Milchstaus zu kämpfen. Ursachen für einen verlegten Milchgang sind falsches oder zu seltenes Anlegen, ein zu enger Still-BH, Stress sowie Zugluft. Ein Milchstau äußert sich durch eine meist heiße, gerötete und schmerzende Stelle auf der Brust. Was hilft bei einem Milchstau? Stillen. Häufiges Anlegen hilft den Milchstau aufzulösen. Vor dem Stillen warm duschen, nach dem Stillen kalte Topfenumschläge auf die rote Stelle legen. Und am besten holst du dir zudem Hilfe von deiner Hebamme.

Mit einem Milchstau ist nicht zu spaßen, ein starker Milchstau kann eine schmerzhafte Brustentzündung (Mastitis) auslösen, die grippeartige Symptome mit sich bringt. Suche in diesem Fall unbedingt eine Ärztin/einen Arzt auf, denn eine Brustentzündung muss medikamentös behandelt werden.

Trinkt mein Baby genug?

Manche Mamas haben Bedenken, ob ihr Baby genug trinkt, es genug wiegt und ob sie Säuglingsanfangsnahrung zufüttern sollten. Hebamme Traude Trieb über Mengen-Sorgen in der MAM-Broschüre "Entdecke die Welt des Stillens": "Ich empfehle, auf eine Babywaage zu verzichten – das macht nur Stress. Einmal wöchentlich bei Hebamme/Kinderarzt/Stillberatung wiegen reicht völlig. Man sieht, ob es dem Kind gut geht: Es trinkt regelmäßig, wächst und gedeiht, hat ein rosiges Gesicht, die Augen glänzen, die Windel ist durchschnittlich 4 bis 6 mal pro Tag nass. Stuhlgang haben gestillte Babys im Schnitt einmal täglich. Öfter kann aber genauso vorkommen wie mehrere Tage ohne, zum Beispiel während starker Wachstumsschübe – das ist alles kein Grund zur Sorge." Aber auch hier gilt wieder: Hole dir bei Unsicherheiten ärztlichen Rat.

Muttermilch abpumpen

Du möchtest Muttermilch abpumpen? Gründe dafür gibt es einige: um Druck und Spannung in den Brüsten abzubauen, den Milchfluss anzuregen, um Milchvorräte anzulegen, teilweise oder ganz zum Füttern mit der Flasche zu wechseln (für mehr Flexibilität und Unabhängigkeit). Aber auch in anderen Situationen ist Abpumpen wichtig, zum Beispiel bei Frühgeborenen. Stillen ist in den meisten Fällen noch nicht möglich, die abgepumpte Muttermilch kann aber dem Baby zugefüttert werden und die Milchbildung bleibt auch in Schwung.

Ob du dich für eine elektrische oder manuelle Milchpumpe entscheidest, wichtig ist, dass du dir auch bei diesem Schritt professionell unter die Arme greifen lässt. Hole dir auch Tipps für die sichere Aufbewahrung für den Milchvorrat (Muttermilch kannst du zum Beispiel 24 Stunden im Kühlschrank aufbewahren) sowie das richtige Flaschen-Füttern. "Füttern mit der Flasche kann genauso zärtlich sein wie Stillen. Intensive körperliche Nähe, Blickkontakt, Intimität – darauf kommt es an. Wenn man auch beim Flaschen-Füttern regelmäßig die Seite wechselt, bleibt eine Still-Gewohnheit erhalten, und die kindliche Hand-Auge-Koordination wird aktiviert", so Hebamme Traude Trieb.

Tabuthema: Stillen in der Öffentlichkeit

"Egal, ob es um das Stillen oder das Füttern mit dem Fläschchen geht – Mütter sind mit einem regelrechten 'Mumsplaining' konfrontiert," so Eline Strobl von MAM Baby über den Ausgang der Still-Umfrage des Unternehmens. 1.914 Mütter aus dem deutschsprachigen Raum nahmen 2022 an der Studie teil und zwei Drittel (67,2 Prozent) aller Mamas erleben negative Erfahrungen und Reaktionen, wenn sie in der Öffentlichkeit stillen. Stillen ist das Natürlichste auf der Welt? Fehlanzeige!

"Die Zahlen – sowohl aus dem Vorjahr als auch die aktuellen Ergebnisse – zeigen, dass Stillen in der Öffentlichkeit nach wie vor ein polarisierendes Thema ist. Jede Dritte findet es unangenehm in der Öffentlichkeit zu stillen. Die Mehrheit der stillenden Mütter haben bereits negative Reaktionen – manche sogar regelrechte Anfeindungen – erleben müssen. Zahlen, die uns als Gesellschaft zu denken geben sollten“, so Georg Ribarov, Umfrage-Initiator und MAM-Market-Manager im Zuge der Weltstillwoche 2023.

Jede Zehnte stillt nicht in der Öffentlichkeit, beinahe jede Fünfte vermeidet es.

Georg RibarovMarket-Manager von MAM

Beikosteinführung & Abstillen

Um den 6. Lebensmonat des Babys kannst du mit der Beikost starten. Auch nach dem Beikoststart stillst dein Kind so lange weiter, wie du es möchtest. Wie die Beikosteinführung Schritt für Schritt klappt, kannst du in unserem ausführlichen Beikostplan nachlesen.

Das Abstillen ist wie das Stillen selbst ein emotionales und sensibles Thema. Wann du abstillst und wie lange der Abstillprozess dauert, hängt von dir, deinem Baby und auch anderen Faktoren ab. Wenn du abstillen möchtest, ersetzt du nach und nach die Muttermilch durch Säuglingsanfangsnahrung. Die Pre-Nahrung kannst du deinem Kind bis zu seinem 1. Geburtstag geben. Mit dem Start der Beikost ersetzt du dann schrittweise eine Milchmahlzeit durch die Beikost.

Wenn das Baby weniger gestillt wird, gilt auch hier wieder das Angebot-und-Nachfrage-Prinzip: Du kannst während des Abstillprozesses Pfefferminze- oder Salbeitee trinken, diese wirken milchreduzierend. Abstillen geht nicht von heute auf morgen (auch wenn man medikamentös abstillt), hole dir auch dabei Unterstützung von einer Hebamme oder Stillberaterin.

*Dieser Beitrag enthält Produkte, die uns zum Testen zur Verfügung gestellt wurden, oder Affiliate-Links. Wenn du über den Link etwas einkaufst, bekommen wir von dem betreffenden Shop eine Provision.

Stillen

Über die Autor:innen

Logo
Jahresabo ab 7,45€ pro Monat