Manager der Gefühle

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EMOTIONEN ZULASSEN. Psychologe Klaschinski erklärt, warum „Gefühlsbereitschaft" die Grundlage für Nähe und echte Beziehungen ist.©Foto: Stocksy

Psychologe Lukas Klaschinski will uns dazu bringen, wieder alles zu fühlen - auch Wut, Scham und Trauer. Warum echte Lebenslust dort beginnt, wo wir nichts mehr verdrängen.

Es ist ein brennend heißer Vormittag im Tiroler Sommer. Lukas Klaschinski empfängt uns im Naturhotel Aufatmen in Leinenhose, blauem Ringelshirt und offenen Sandalen – bestens gelaunt, ganz da. Soeben ist sein viertägiges Retreat zu Ende gegangen, bei dem es um Selbstfindung, Achtsamkeit und einen neuen Zugang zu den eigenen Gefühlen ging. Wir werden Zeuginnen inniger Umarmungen und tränenreicher Abschiede. „Es ist sehr tief gegangen“, sagt Klaschinski.

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Lukas Klaschinski kommt am 11. Oktober zu „Kunst der Balance“ nach Kärnten.

 © Katharina Pasemann

Millionenpublikum

Das könnte man auch über seine gesamte Arbeit sagen. Der Psychologe, Podcaster und Bestsellerautor hat sich einem Thema verschrieben, das uns allen vertraut ist und mit dem wir dennoch erstaunlich oft fremdeln: unseren Gefühlen. Sein Buch „Fühl dich ganz“ (Knaur Balance) wurde zum SPIEGEL-Bestseller, seine fünf (!) Podcasts (darunter „Jakobs Weg“ mit Selbstexperimenten und beratenden Coaching-Gesprächen sowie „So bin ich eben!“ mit Psychologin Stefanie Stahl) erreichen ein Millionenpublikum. Klaschinskis Mission klingt einfach, ist jedoch anspruchsvoll: Er will Menschen wieder ins Fühlen bringen. Warum verdrängen wir manche Emotionen? Und wann fühlen wir uns wirklich ganz?

Sein Weg in die Medien begann früh: Nach einem Volontariat beim Radio arbeitete er als Regisseur, vor allemfür Werbefilme. Doch bald genügte es ihm nicht mehr, Geschichten nur zu inszenieren. Er wollte verstehen, was Menschen im Innersten bewegt. Er studierte Psychologie in Berlin und Brandenburg, absolvierte seinen Master in Potsdam und publizierte auch in den USA. Heute verbindet er beide Welten: psychologisches Wissen und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge so zu erzählen, dass sie nicht nur verständlich werden, sondern berühren.

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Freude auf Kärnten

Im Herbst bringt der 43-Jährige diese Mischung mit seiner Show „PsychoSpiele“ auf die Bühne. Seine Tournee führt ihn am 20. September auch in die Szene Wien – die Show ist schon lange ausverkauft.

Wer ihn dennoch live erleben möchte: Am Sonntag, dem 11. Oktober, ist der Erfolgspsychologe beim Event „Kunst der Balance – Whispers of Nature“ im Stift Ossiach in Kärnten zu Gast. „Ich bin Österreich sehr verbunden“, erzählt er im Podcastgespräch mit WOMAN Balance. Ein Satz, der mehr als höfliche Nähe vermuten lässt. Insbesondere an Kärnten liebe er die Qualität des Essens, die Gastfreundschaft, die Kraft der Natur: „Und das Wasser! Ich werde sicher in den Ossiacher See springen, bei jedem Wetter.“

Nahtoderlebnis

Wenn Klaschinski über Gefühle spricht, spürt man sofort: Das ist mehr als Theorie. Ausgerechnet eine Erfahrung, bei der er beinahe sein Leben verlor, brachte den damals 38-Jährigen zu der Frage, wie intensiv er es eigentlich lebte. „Ich bin beim Kiten aus zehn Meter Höhe auf den Boden gefallen und dachte, ich sterbe jetzt.“ Klaschinski spricht von einem „Reset-Moment“. Danach begann er sich zu fragen: Was fehlt in meinem Leben? Was möchte ich noch erfahren – und fühlen? „Ich fühlte mich oft leer und habe gar nicht gemerkt, dass ich selbst Gefühle weggedrängt habe.“ Er erzählt von einer schweren Kindheit, von Gewalt und davon, viel zu früh Verantwortung übernommen zu haben. „Um zu überleben, habe ich meine Gefühle in den Keller gepackt. Ich wollte nie wieder diese Ohnmacht erleben.“

Als Jugendlicher begann er zu ringen. „Als Leistungssportler habe ich ein Stück weit zu meiner Selbstwirksamkeit zurückgefunden.“ Auch Frauen empfiehlt er Kampfsport – nicht zuletzt, um einen Zugang zu ihrer Wut zu finden und zu lernen, sich auch körperlich abzugrenzen. „Wut wird bei Frauen nicht gerne gesehen. Dabei ist sie eine wichtige Emotion, die uns hilft, uns durchzusetzen. Bei Männern ist das gesellschaftlich viel eher akzeptiert.“

Ein weiterer Schritt, um Gefühle anzunehmen und innere Muster zu durchbrechen, war für Klaschinski ein dreitägiges Dunkel-Retreat: Ohne die gewohnten Reize und Ablenkungen im Außen fühlte er sich zunächst wie ein Ertrinkender, der nach Halt sucht. Lange verdrängte Gefühle brachen hervor: Panik, Trauer, Verletzlichkeit.

Gefühlsbereitschaft

Nach dieser Erfahrung, erzählt Klaschinski, wollte er nicht einfach möglichst viel erleben. Er wollte alles fühlen. „Gefühlsbereitschaft“ nennt er diese Haltung: nicht nur Freude, Liebe oder Leichtigkeit zuzulassen, sondern auch jene Emotionen, die wir lieber kleinhalten, überspielen oder möglichst schnell wieder loswerden möchten, wie Neid, Trauer oder auch Scham.

Dass wir uns nicht mehr offen zeigen, hat seinen Ursprung häufig in kleineren und größeren Verletzungen in der Kindheit. „Wir entwickeln eine Version von uns, von der wir glauben, sie sei liebenswert. Wir zeigen uns nicht so, wie wir wirklich sind, sondern spielen eine Rolle. Dadurch kann jedoch keine echte Verbindung zu anderen entstehen.“ Vor allem bei Frauen in der Lebensmitte beobachtet er eine wachsende Sehnsucht, sich nicht länger emotional zu begrenzen. Sie wollen nicht mehr nur funktionieren, sondern das ganze Spektrum: Freude und Wut, Stolz und Scham, Verletzlichkeit und Kraft. Oder, wie Klaschinski es auf den Punkt bringt: „Lebenslust ist eine große Sehnsucht.“

Eine gute Möglichkeit, um in Kontakt mit verdrängten Emotionen zu kommen, seien Stille und Langsamkeit. Der Vielbeschäftigte gibt zu, selbst ein „hoch getaktetes“ Leben zu führen: „Reseach ist immer auch Me-Search“, betont Klaschinski. Genau darin liegt seine Glaubwürdigkeit: Er spricht nicht als jemand, der bereits angekommen ist, sondern als einer, der weiterforscht – auch an sich selbst.

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