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Kupferball: Über das Einsetzen & Entfernen des hormonfreien Verhütungsmittels

Mit dem Kupferball soll - wie bei jedem anderen Verhütungsmittel auch - primär eine Schwangerschaft vermieden werden. Aufgrund seiner speziellen, dreidimensionalen Form sorgt er jedoch gern für Skepsis und wird oftmals nur als Alternative herangezogen. Wir zeigen, wieso sich der Kupferball positiv vom Rest abhebt.

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Kupferball: Über das Einsetzen & Entfernen des hormonfreien Verhütungsmittels
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Heutzutage gibt es unzählige Methoden und Präparate, mit denen verhütet werden kann - vom Diaphragma über Cremes bis zum Kondom ist alles dabei. Österreicher:innen hingegen bevorzugen noch immer hormonelle Verhütung, die allerdings viele Nebenwirkungen mit sich bringt. Nur fünf Prozent greifen zu anderen Methoden.

Eine dieser anderen Methoden ist das Einsetzen eines Intra Uterine Balls. Bitte was? Einige von euch kennen eventuell sein "Geschwisterchen" - das Intra Uterine Pessar aka die Spirale. Beim Kupferball handelt es sich, wie der Name bereits verrät, um eine runde Abwandlung mit derselben Intention: Eine Schwangerschaft zu verhindern.

Worum handelt es sich bei einem Kupferball?

Obwohl schon über längere Zeit mit Kupfer verhütet wird, ist der Kupferball selbst eine relativ neue IUP-Variante. Wie auch die Spirale wird diese Methode in die Gebärmutter eingesetzt, um mithilfe von Kupferionen eine Befruchtung der Eizelle zu verhindern und die Beweglichkeit von Spermien einzuschränken. Hier kommt der Unterschied: Abgesehen davon, dass der Kupferball nur halb so groß wie die Spirale ist, weist dieser auch nicht die typische T-Form auf.

Aufgrund einer "Formgedächtnislegierung" wird der Kupferball als medizinischer Faden eingeführt, um gut durch den Muttermund zu gelangen. In der Gebärmutter angekommen, erinnert sich der Ball sofort an seine ursprünglich runde Form, sodass die 17 Kupferkugeln einen circa 1,5 cm großen, dreidimensionalen Kreis bilden. Das Gute daran: Der Kupferball ist sehr gebärmutterfreundlich, da er weder scharfe Kanten noch Ecken aufweist und keine Fixierung benötigt - er liegt frei in der Gebärmutter. Davon profitieren vor allem Frauen, die noch kein Kind geboren haben oder über einen kleinen Uterus verfügen.

Wer sich einen Kupferball einsetzen lassen möchte, sollte mit Kosten von ungefähr 520€ rechnen. Das klingt auf den ersten Blick erschreckend viel, ist es aber eigentlich gar nicht: Da der Kupferball eine "Haltbarkeit" von fünf Jahren besitzt, macht das letztendlich pro Monat nur wenige Euro und ist deutlich besser, als beispielsweise bei einer stetigen Einnahme der Anti-Baby-Pille. In Österreich werden von der Krankenkasse grundsätzlich keine Kosten für Verhütungsmittel übernommen, außer, es liegt eine medizinische Indikation vor.

Wo findet der Kupferball seinen Ursprung?

Wie bereits erwähnt, wird der Kupferball erst seit wenigen Jahren in Deutschland, Österreich und eigentlich überall auf der Welt als Verhütungsmethode genutzt. Das liegt einfach daran, dass er nicht eher erfunden wurde! In den 1960ern wurde zwar bereits herausgefunden, dass Kupfer befruchtungsunfähig machen kann, auf die Idee einer Kugelform kam damals allerdings noch keine:r. Wie gut, dass diese Aufgabe letztendlich vom israelischen Unternehmen "Ocon Healthcare" übernommen wurde, die den winzigen, uns bekannten Kupferball entwickelten.

Wie funktioniert das Einsetzen?

Allgemein muss darauf geachtet werden, dass der Kupferball nur für Personen ab 15 Jahren zugelassen ist und keine Schwangerschaft vorliegen darf. Wer eine starke Menstruation aufweist oder unter Regelschmerzen leidet, sollte ebenfalls zu einer anderen Methode greifen. Der Kupferball könnte durch den starken Flow zu sehr in Bewegung geraten.

Bevor es zum eigentlichen Einsetzen kommt, muss eine kurze Checkliste abgearbeitet werden, wo unter anderem mithilfe verschiedener Tests die Gebärmutter ausgemessen wird. Diese darf nicht kleiner als 6 cm sein, da sonst eine Ausstoßungsgefahr besteht. Auch Personen mit Uterusfehlbildungen, bekanntem sowie vermutetem Gebärmutterkrebs oder Kupferspeicherkrankheit dürfen den Kupferball nicht nutzen. Ist alles abgeklärt, wird ein Einsetztermin festgelegt. Sollte Angst vor den Schmerzen bestehen, kann entweder eine Tablette zur Aufweichung des Gebärmutterhalses genommen oder eine Narkose herangezogen werden.

Der eigentliche Kupferball wird letztendlich über ein Röhrchen in das Zentrum der Gebärmutterhöhle geschoben, wo er wieder seine Kugelform annimmt - ein Eingriff von nicht mehr als 20 Sekunden, wenn alles nach Plan verläuft. Da jede:r ein anderes Schmerzempfinden hat, ist es schwierig, sich diesbezüglich zu äußern. Dem Kupferball wird jedoch nachgesagt, aufgrund seines geringen Durchmessers sehr schmerzarm zu sein.

Wie lässt sich die Wirkweise erklären?

Bei einem IUP - welches ein mit Kupfer umwickelter Kunststoffkörper ist - wird durch die spermizide- und nidationshemmende Wirkung der Ionen eine Schwangerschaft verhindert. Da der Kupferball genau genommen einen Fremdkörper darstellt, sorgt dieser für eine kontinuierliche sterile Entzündung innerhalb der Gebärmutter. Dies verändert die Schleimhaut, wodurch sich eine potenziell befruchtete Eizelle nicht mehr einnisten kann.

Der Pearl-Index wird als Beurteilungsmaß für die Zuverlässigkeit der Empfängnisverhütung genutzt. Je kleiner der Wert, desto sicherer ist die Methode. Wendet man den Kupferball richtig an, weist dieser einen ziemlich guten Pearl-Index auf: Mit 0,3 bis 0,8 ist er eins der sichersten Verhütungsmittel überhaupt. Es werden nur 3-8 von 1000 Personen innerhalb eines Jahres schwanger.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Erst einmal zu den Nachteilen: Weil der Kupferball noch ziemlich neu auf dem Markt ist, darf dieser nur von geschulten Ärzt:innen eingesetzt werden - und das sind vergleichsweise nicht allzu viele. Nach dem Einlegen kann es zu Blutungen, Krämpfen und Schmerzen kommen. Das ist aber total normal, da sich die Gebärmutter an den Fremdkörper gewöhnen muss. Auch die erste Menstruationsblutung kann denselben Effekt mitbringen. Sollten die Schmerzen anhalten, ist so schnell wie möglich eine Arztpraxis aufzusuchen.

Da es sich beim Kupferball um ein Verhütungsmittel ohne Barrierefunktion handelt, schützt die Methode natürlich nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV oder Chlamydien. Dafür muss zusätzlich ein Kondom genutzt werden. Es kann zudem zu Beckenentzündungen, Verwachsungen und einer intrauterinen oder ektopen Schwangerschaft kommen. Um dies zu verhindern, sollte alle sechs Monate ein Kontrolltermin vereinbart werden.

Was sind die Vorteile des Kupferballs?

Das Beste vorweg: Es sind absolut keine Hormone im Spiel! Dadurch fallen direkt viele Nebenwirkungen weg, die sonst bei hormoneller Verhütung auftreten können. Hinzukommt, dass eine Perforation deutlich geringer ist und auch die Wahrscheinlichkeit einer Eileiterschwangerschaft vergleichsweise abnimmt - es kann dennoch immer etwas passieren, egal bei welcher Verhütungsmethode.

Weil der Kupferball für fünf Jahre wirksam ist, muss nicht an eine regelmäßige Einnahme gedacht werden. Vergessen, dass der Kupferball überhaupt da ist? Ja! Vergessen, das Verhütungsmittel zu nutzen und schwanger werden? Nein! Gleichzeitig wird die Wirksamkeit auch nicht von Medikamenten oder Magen-Darm-Problemen eingeschränkt. Ebenso Tampons und Menstruationstassen können normal weiterverwendet werden.

Wann sollte man den Kupferball austauschen?

Sollten die fünf Jahre "abgelaufen" sein, muss der Kupferball entfernt werden. Das kann beängstigend sein! Ist es jedoch gar nicht: Bereits beim Einsetzen wird ein Rückholfaden im Gebärmutterhals platziert. Dieser ist kurz genug, um nicht eingeschränkt zu werden und auch beim Sex nichts zu spüren, aber lang genug, um den Kupferball damit wieder herauszuziehen.

Wer einen Schwangerschaftswunsch hat, muss nicht lange warten: Sobald der Kupferball draußen ist, ist eine sofortige Fruchtbarkeit gegeben. Bitte denkt dennoch daran, dass der Kupferball sehr neu und dementsprechend noch nicht von A bis Z erforscht worden ist. Es existieren wenig wissenschaftliche Studien.