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Madonna: Von der Queen of Pop zur Queen of Scandal

Mit ihrem wilden Mix aus Katholizismus, Freizügigkeit und Punk-Vintage löst Madonna seit über 40 Jahren Kontroversen aus. Für viele - vor allem das konservative und sexistische Amerika - ein absoluter Schock. Für andere ein Hoffnungsschimmer. Die Queen of Pop im Porträt.

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Madonna: Von der Queen of Pop zur Queen of Scandal
© Getty Images

Klein, aber oho: Mit ihren 158 cm wirkt die Queen of Pop äußerlich eventuell unscheinbar, gehört jedoch zusammen mit Prince und Michael Jackson zu den drei wichtigsten Vertreter:innen der modernen Popmusik. Madonna, die für ihre Imagewechsel bekannt ist, könnte glatt als menschliches Chamäleon durchgehen. Vorsicht: Bitte nicht mit dem Echiniscus Madonnae verwechseln - einer Bärtierchenart, die nach dem Pop-Star benannt wurde.

Steckbrief: Madonna

  • Name: Madonna Louise Veronica Ciccone
  • Geburtstag: 16. August 1958
  • Geburtsort: Bay City, Michigan, USA
  • Sternzeichen: Löwe
  • Beruf: Sängerin, Schauspielerin, Autorin, Model, Produzentin
  • Ehepartner: Sean Penn (1985-1989), Guy Ritchie (2000-2008)
  • Kinder: 4 Töchter (Lourdes, Mercy, Stelle, Estere), 2 Söhne (Rocco, David)

Madonnas Werdegang vom katholischen Schulmädchen zur Rebellin in New York

Nicht allen wird der Erfolg bereits in die Kinderwiege gelegt. Als Tochter einer italienisch-amerikanischen, katholischen - und dabei sehr strengen - Einwandererfamilie hatte es die gebürtige Madonna Louise Veronica Ciccone nicht immer leicht. Ihre Mutter verstarb bereits im Alter von 30 Jahren an Brustkrebs - die kleine Madonna war damals erst 5 Jahre alt. Mit der neuen Freundin des Vaters wollte der Funken auch nicht so wirklich überspringen.

Madonna, die großer Fan von Aufmerksamkeit und Provokation war, machte kurzen Prozess: Sie rebellierte! Das mit 18 Jahren verliehene Tanzstipendium wurde nicht lange ausgekostet; stattdessen zog es sie in die Stadt der Träume: New York. Ohne Ausbildung, obdachlos und mit nur 35 Dollar in der Tasche musste die erhoffte Musikkarriere erst einmal warten.

Die spätere Pop-Ikone aber hatte einen Plan - und war sich für nichts zu schade: Bis sie in der Dance-Pop-Band "Breakfast Club" als Schlagzeugerin tätig wurde, kellnerte Madonna bei Burger King und ließ die eine oder andere Nacktaufnahme von sich knipsen - die später im one and only Playboy landete.

Musikalischer Durchbruch mit "Like a Virgin"

Nachdem es auch mit "Breakfast Club" hätte besser laufen können, startete die Powerfrau so durch, wie wir sie heute kennen - solo. Anfangs noch kleine Auftritte in Clubs, später dann eigene Fanclubs: 1982 angelte sich Madonna endlich den ersten, lang ersehnten Plattenvertrag. Für ihre erste Single "Everybody" bekam sie 5000 Dollar ausgezahlt - verkauft wurden aber sage und schreibe 250.000 Platten.

Der richtige Erfolg sollte erst noch kommen: Der Song "Like a Virgin" verschaffte Madonna endlich den finalen, internationalen Durchbruch. Ihr Name, Aussehen und Talent waren spätestens jetzt in aller Munde! Nach nur wenigen Tagen kletterte die Single auf Platz 1 der am bestverkauften Platten in den USA.

Seitdem liefert Madonna mit insgesamt 14 Studioalben und diversen Features einen Hit nach dem anderen: "Material Girl", "Frozen" und "Hung Up" sind nur ein paar Beispiele. Mit "Die Another Day" erscheint 2002 die Hymne für den damaligen James Bond Streifen.

Sängerin auf Abwegen: Madonnas (Flop-)Schauspielkarriere

Ehrgeiz ist mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit Madonnas zweiter Vorname. Dementsprechend war es keine Überraschung, als sich diese auch in anderen Bereichen weiterbilden wollte - darunter auch das Schauspiel.

»Schauspielerei ist eine Art des Ausdrucks. Für mich ist es also nur eine Erweiterung dessen, was ich bereits tue, nämlich Videos zu machen und auf der Bühne aufzutreten.«

Ihr Schauspieldebüt erfolgte mit dem Film "Susan verzweifelt gesucht" (1985), die darauffolgenden Produktionen "Shanghai Surprise" (1986) oder "Who's That Girl?" (1987) stellten sich jedoch als Misserfolg heraus.

Einzig allein die Filmbiografie "Evita", bei der Madonna die Hauptrolle der First Lady Argentiniens - Eva "Evita" Duarte de Peron - übernahm, war ein absolutes Highlight des Stars und wurde später sogar mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Das Fazit: Madonna ist und bleibt trotzdem Sängerin.

Sex, Punk und Jean Paul Gaultier

Bei einem IQ von 140 ist es abzusehen, dass Madonna Taktiken anwendet, um in aller Munde zu bleiben. Dies geschieht vor allem durch ihre skandalösen und provokativen Bühnenoutfits und -auftritte, bei denen gut und gerne ein paar moralische Grenzen überschritten werden. Aber wie heißt es so schön: Schlechte Publicity ist gute Publicity - und das trifft auch in diesem Fall zu.

Die 80er sahen zwar cool aus, Frauen hingegen waren mit starken Vorurteilen behaftet und litten unter Sexismus: Madonna verkörperte Hoffnung - denn sie machte, was sie will. Mit Accessoires wie Kruzifix, Lederjacke, Rosenkranz und Perlenkette vermischte sie so ziemlich jedes Genre dieser Welt und zettelte eine Fashion-Revolution an. Jede:r wollte aussehen und leben wie Madonna!

»Ich habe diese Entscheidung bewusst getroffen. Ich sage dir nicht, was du mit deinem Leben anfangen sollst und du sagst mir nicht, was ich mit meinem anfangen soll. Ich genieße das. Das ist meine Entscheidung.«

Niemand geringeres als der Designer Jean Paul Gaultier durfte dabei die Bühnenoutfits der Queen of Pop schneidern, darunter auch das weltberühmte Korsett mit kegelförmigem BH - welches auch bei "Like a Virgin" getragen wurde. Disclaimer: Der Vatikan war bei Madonnas Rom-Konzert nicht allzu begeistert davon.

Bei einer Filmpremiere in Cannes (1991) war es mal wieder Zeit, die Hüllen fallen zu lassen. Was auf den ersten Blick wie ein pinker, süßer Kimono wirkte, entpuppte sich später als sexy, aufreizender Zweiteiler im Kegel-Look. Ein PR-Stunt, der erneut das Publikum schockte - und damit sein Ziel erreichte!

Sie dürfen die Braut jetzt küssen

... oder sollten wir lieber "Bräute" sagen? Es ist neben dem sozialistischen Bruderkuss zwischen Breschnew und Honecker wohl einer der bekanntesten Küsse überhaupt: Madonna, Britney Spears und Christina Aguilera bei den MTV Music Awards 2003.

Um Gerüchten der Rivalität entgegenzuwirken und zu zeigen, dass Freundschaft zwischen Konkurrent:innen sehr wohl möglich ist, performten die drei Artists "Like a Virgin" und "Hollywood" zusammen - die Queen Madonna hierbei selbstverständlich im Vordergrund. Als Kirsche auf dem Sahnehäubchen gab es dann noch ein intensives Bussi.

»Es war einfach ein freundlicher Kuss […] Hat etwa noch nie jemand zwei Frauen gesehen, die sich küssen?«

Guten Freund:innen gibt man eben ein Küsschen! Fun Fact: Erst vor einem Monat stellten die beiden Sängerinnen den legendären Kuss nach fast 20 Jahren auf Britneys Hochzeit nach.

MTV Music Awards 2003 Madonna küsst Britney Spears
© Getty Images

Madonna und die Liebe

Wenn Madonna für eine Sache bekannt ist, dann sind es ihre jungen Romanzen. Die Dating-Historie des Pop-Stars ist lang: Ahlamalik Williams, Brahim Zaibat, Jesus Luz - sie alle und viele mehr waren dabei. Mit der wahren Liebe will es trotz dessen irgendwie nicht richtig klappen.

Aber Surprise! Madonna weiß nicht nur mit jungen Liebhaber:innen umzugehen, sondern war bereits zwei Mal verheiratet. Im Jahr 1985 liierte sie sich mit dem Schauspieler Sean Penn, der schon damals für sein Bad-Boy-Image bekannt war. Vier Jahre später folgte die Scheidung.

Hochzeiten und romantische Liebe standen erst einmal nicht mehr auf der Agenda. Madonnas Herz gehört jedoch nicht nur den Männern, sondern auch ihren Kindern. Ihre Tochter Lourdes machte die Sängerin 1996 erstmals zur Mutter. Der Vater? Ihr damaliger Personaltrainer Carlos Leon! Im Juni 2022 gab die Naturschönheit ihr Debüt auf der Pariser Fashionweek und erinnerte hierbei ganz stark an ihre prominente Mama.

Guy Ritchie wurde im Jahr 2000 als nächster - und vorerst letzter - Ehemann auserkoren. Noch im selben Jahr brachte Madonna ihr zweites Kind auf die Welt: Sohn Rocco. Im Vergleich zu ihrer anderen Ehe lief dieses Mal alles anders: Madonna zog nach England, genoss das traditionelle Familienleben und nahm ihre Mutterrolle ein. 2008 ließ sich das Paar scheiden.

Eine 180-Grad-Drehung: Madonna als Aktivistin und Autorin

Diese Frau weiß definitiv, wie man das Publikum schockt und verwirrt. Madonna, die sonst als wilde Punk-Göre bekannt ist, soll plötzlich Kinderbuchautorin sein? Richtig gehört! Im Jahr 2003 veröffentlichte das Multitalent ihr Kinderbuch "The English Roses" - eine Story über englische Schulmädchen, Freundschaft und Rivalität.

Drei Jahre später entdeckte Madonna ihre Liebe für das Land Malawi. Die Bindung sollte aber noch tiefer gehen: 2006, 2009 und 2017 adoptierte sie hier David, Mercy, Stelle und Estere - mit den Vorwürfen, dabei Eltern ihre Kinder zu entreißen.

»Meine Reise nach Malawi hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet, vor allem, dass wir als Menschen die Verantwortung haben, anderen Menschen zu helfen.«

Ebenfalls 2006 gründete die Sängerin die NPO "Raising Malawi", um gegen Armut und schlechte Gesundheitszustände vorzugehen. Die spätere Online-Initiative "Secret Project Revolution" (2013) ist ein Kurzfilm über die in der Welt herrschende Ungerechtigkeit. Zusammen mit dem Fotografen Steven Klein fordert Madonna hier dazu auf, mit Kunst wie Musik oder Poesie auszudrücken, was Revolution und Freiheit für die jeweiligen Personen bedeutet.

Welche Auszeichnungen und Preise wurden Madonna verliehen?

Insgesamt hat Madonna bisher 10 Grammys und 2 Golden Globes verliehen bekommen. Im Guinness-Buch der Rekorde ist sie als kommerziell erfolgreichste Sängerin eingetragen - mit über 350 Millionen verkauften Tonträgern. Obwohl sie damit ziemlich sicher einen verdient hätte, möchte die Musikerin nicht auf dem Walk of Fame verewigt werden. Der Grund: Man solle nicht auf sie treten.

Neben vielen Kooperationen - wie beispielsweise mit Louis Vuitton - musste die Sängerin auch einige unschöne Preise einstecken: Im Jahr 2003 wurden ihr gleich mehrere goldene Himbeeren verliehen - ein Preis für schlechte Schauspielleistung & Co.

Marilyn Monroe oder doch eher Kim Kardashian?

Jede:r wird einmal alt - das ist der Kreislauf des Lebens. Madonna möchte das aber - so wirkt es zumindest - noch nicht so ganz einsehen. Ihre Fans auf Instagram erkennen die mittlerweile über 60-Jährige deswegen kaum wieder: Neben ziemlich verzerrenden und verboten gehörten Filtern ist auch ein Besuch beim Beauty-Doc unübersehbar.

Eins lässt sich aber mit Sicherheit immer sagen - egal ob alt oder jung, im Kardashian-Look oder Natur pur: Madonna war, ist und bleibt - mit einem kleinen Hauch von Skandal - die Queen of Pop.

»Ich will die Welt erobern.«

Thema: Society