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#FreeBritney: Die Chronologie eines fremdbestimmten Lebens

13 Jahre Gerichtsstreit liegen hinter Pop-Ikone Britney Spears. Sie kämpft seitdem um Autonomie und ein Ende der Vormundschaft ihres Vaters. Jetzt soll sie ein Leben ohne strenge Regeln zurückbekommen.

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© Getty Images

Das Internet vergisst nicht. Wer "Britney Spears Glatze" googelt, sieht sie – die verstörenden Bilder, auf denen die Pop-Ikone, 39, sich in einem Friseurgeschäft eine Glatze rasiert. Und die, wo sie mit kahlgeschorenem Kopf mit einem Regenschirm auf einen Paparazzi losging. Die ganze Welt sah ihr dabei zu, als sie 2007 mental komplett zusammenbrach. Die Fotos der Musikerin gingen als Memes viral, die lustig gemeint waren, aber alles andere als witzig sind, wenn man die Geschichte dahinter sieht – die Verzweiflung und den absoluten Kontrollverlust.

Mit viel Engagement zum Kinderstar

Mit drei Jahren brachten sie ihre Eltern zum Tanzunterricht im amerikanischen Kentwood. Mit acht ließen Lynne und Jamie Spears ihre Tochter für den Mickey Mouse Club vorsprechen. Britney bekam eine Absage, weil sie noch zu jung war. Talentsucherin Nancy Carson war von ihrem Können aber so beeindruckt, dass sie vorschlug, sie an der Professional Performing School of Arts einzuschreiben. Daraufhin zog die Mutter mit ihr in eine kleine Wohnung in New York.

Mit elf wurde sie schließlich für den Mickey Mouse Club engangiert - an der Seite von Justin Timberlake (mit ihm war sie später vier Jahre liiert), Christina Aguilera und Ryan Gosling. Die Serie lief bis 1994, danach forcierten die Eltern Britneys Gesangskarriere.

Ein paar Demo-Aufnahmen und Vorsprechen bei Plattenfirmen später erschien ihr Debütalbum "... Baby One More Time". Das erreichte auf Anhieb Platz 1 in den US-Billboard Charts. Der Rest ist Geschichte.

Beruflich erfolgreich, privat desorientiert

Während sich ihre Musik weltweit millionenfach verkaufte ("… Baby One More Time" gehört mit 30 Millionen verkauften Exemplaren zu den 25 erfolgreichsten Alben aller Zeiten!), sie eine Auszeichnung nach der anderen kassierte, lief's privat ... sagen wir … semi-gut. Am 3. Jänner 2004 heiratete Spears ihren Jugendfreund Jason Alexander - betrunken in Las Vegas. Ihre Ehe wurde nach nur 55 Stunden wieder annulliert. Im September desselben Jahres sagte sie Ja zu Tänzer Kevin Federline. Mit ihm bekam sie zwei Söhne: Sean wurde im September 2005, Jayden James im September 2006 geboren.

Auch die Beziehung zu Federline scheiterte. Zwei Monate nach Geburt des zweiten Kindes trennte sich Britney. Im Juli 2007 wurde das Paar geschieden. Vor Gericht verlangte sie das Sorgerecht, wollte Federline Besuchsrechte einräumen. Es kam allerdings anders. Die Ausnahmekünstlerin stürzte ab. Ihre persönliche Krise gipfelte in einer Kahlrasur - vor weltweitem Publikum. In diesem Zustand ließ sie sich außerdem Lippen und ein Kreuz tätowieren. Die Angestellte des Tattoo-Salons erinnert sich an eine Britney, die "verzweifelt und verwirrt" war. "Sie hat vor Schmerz geschrien, ist ausgeflippt und hat mit dem ganzen Körper herumgezappelt", ehe die Polizei kam, um sie abzuführen.

Ein Leben unter ständiger Kontrolle

Seit diesen Eskapaden kontrolliert Vater Jamie das Leben seiner Tochter und habe ihr geholfen, wie er selbst sagt, "eine schwere Lebenskrise zu überwinden, ihre Karriere zu rehabilitieren und voranzutreiben und ihre Finanzen und Angelegenheiten in Ordnung zu bringen." Das Reglement war weitreichend: Von Psychopharmaka bis zur Verhütung - er bestimmte darüber, was Britney einnehmen sollte, organisierte ihre Auftritte, entschied darüber, wo sie sich aufhielt und war für ihre Finanzen verantwortlich. All ihre Entscheidungen, ihr ganzer Alltag - fremdbestimmt. Als ihr Vater viele Bereiche der Vormundschaft 2019 aus "gesundheitlichen Gründen" zurücklegte (er blieb vor allem für die Finanzen zuständig), übernahm Jodi Montgomery und wurde zu Spears’ Care Manager.

Die #FreeBritney-Bewegung startet

Die Spears-Fansite “Breathe Heavy” startete 2009 eine Kampagne mit diesem Hashtag und kommentierte dabei die Vormundschaft sehr kritisch. Vater Jamie aber bewirkte, dass die Initiative nicht weiter forciert wurde. 2019 wurde die Entmündigung erneut öffentlich thematisiert, als Britneys Vater mit gesundheitlichen Problemen ins Krankenhaus eingeliefert wurde und Britneys Instagram-Account fast drei Monate stillgelegt wurde. Man spekulierte, dass sie ohne Okay ihres Vaters nicht einmal Social Media-Beiträge veröffentlichen durfte. Britney kommentierte das mit einem Statement: Ihre Fans sollten nicht alles glauben, was sie lesen und hören würden, ihr gehe es gut.

Im Juli 2020 schaltete sich schließlich Britneys Mutter Lynne ein. Sie beantragte gerichtlich, über alle finanziellen Angelegenheiten ihrer Tochter informiert zu werden. Insider sollen wissen, dass dies auf Wunsch von Britney geschehen sei.

Knapp ein Jahr später erhebt der Superstar selbst schwere Vorwürfe gegen den Vater. Sie erzählt in einer richterlichen Anhörung davon, dass er sie zu Auftritten gezwungen haben soll, sie eingesperrt und sich an ihrem Vermögen bereichert habe. Sein Einfluss auf ihr Leben ging sogar so weit, dass er ihr untersagt haben soll, sich die Spirale entfernen lassen zu dürfen. Britney, die für ein Ende der Vormundschaft kämpft: “Ich bin traumatisiert, ich kann nicht schlafen. Und ich bin deprimiert - ich weine jeden Tag.” Auf Instagram postet sie dazu: "Ich entschuldige mich dafür, dass ich in den letzten zwei Jahren so getan habe, als ob es mir gut ginge ... ich habe das aus Stolz getan, und es war mir peinlich zu teilen, was mit mir passiert ist”.

Prominenter Support

Unterstützung bekommt die Künstlerin nicht nur von ihren Fans (die demonstrieren sogar vor Gericht für sie), auch viele Promis zeigen sich solidarisch. Darunter Ex-Freund Justin Timberlake, Christina Aguilera, Bette Midler, Madonna und Mariah Carey. Der Druck auf Vater Jamie wird immer größer - er hat jetzt beim Los Angeles County Superior Court einen Antrag auf Beendigung der Vormundschaft gestellt. Ende September soll es dazu eine Anhörung vor Gericht geben.