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Christine Lagarde: Die Powerfrau & Präsidentin der Europäischen Zentralbank im Portrait

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©2023 Getty Images
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Christine Lagarde ist eine französische Juristin und Politikerin, die derzeit als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) fungiert und die erste Frau, die diese Position übernommen hat. Sie war auch die erste weibliche Leiterin in der Geschichte des IWF. Forbes kürte sie zweimal zur zweitmächtigsten Frau.

Erfahre mehr über die internationale Powerfrau in diesem Artikel!

Steckbrief: Christine Lagarde

  • Name: Christine Madeleine Odette Lagarde (geboren als Lallouette)

  • Geboren am: 1. Januar 1956

  • Sternzeichen: Steinbock

  • Geburtsort: Paris, Frankreich

  • Beruf: Präsidentin der Europäischen Zentralbank (seit 2009)

  • Eltern: Robert & Nicole Lallouette

  • Geschwister: 3 Brüder (Luc, Remy, Olivier)

  • Ehepartner: Wilfried Lagarde (verh. 1982–1992)

  • Partner: Xavier Giocanti (seit 2006)

  • Kinder: Pierre-Henri Lagarde, Thomas Lagarde

  • Größe: 1,8 m

Christine Lagarde ist eine französische Politikerin und Juristin. Seit dem 1. November 2019 ist sie die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) und zudem auch die erste Frau, die dieses Amt übernommen hat.

Im Jahr 2019 und erneut im Jahr 2020 war sie auf dem 2. Platz der Forbes-Liste der 100 mächtigsten Frauen der Welt. Auf der Liste befinden sich auch internationale Powerfrauen wie Angela Merkel, Ursula von der Leyen oder Nancy Pelosi, aber auch bekannte Celebrities aus der Entertainment-Welt wie Taylor Swift, Beyoncé und Oprah Winfrey.

Lagarde war außerdem auch die erste Frau, die Finanzministerin eines G7-Staates wurde und die erste geschäftsführender Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF). 2013 bekam Lagarde den Ehrentitel einer Großoffizierin des Nationalen Ordens der Republik Frankreich.

Seit November 2019 ist sie Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Vorsitzende des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB) und Mitglied des Verwaltungsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sowie Mitglied der G 7 und der G 20.

Ausbildung und beruflicher Werdegang von Christine Lagarde

Lagarde erhielt ihre Ausbildung in den Vereinigten Staaten und Frankreich. Sie machte ihrem Abschluss 1974 an der renommierten Holton-Arms-Mädchenschule in Bethesda, Maryland.

1980 machte sie dann ihren Master in Handelsrecht an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Paris X-Nanterre, wo sie nach ihrem Abschluss als Dozentin tätig war, bevor sie sich auf das Arbeitsrecht spezialisierte und ein Postgraduiertendiplom (DESS) erwarb. 1977 erwarb sie zudem ein Master mit Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzen an der "Sciences Po Aix-en-Provence" sowie ein Master in amerikanischer Literatur der Kunsthochschule in Avignon.

Von 1981 bis 1999 arbeitete sie als Rechtsanwältin mit folgenden Schwerpunkten: Handelsrecht, Fusionen und Übernahmen, Kartellrecht, Arbeitsrecht und Schiedsverfahren für internationale Unternehmen.

1981 trat Lagarde in die internationale Anwaltskanzlei Baker & McKenzie in Paris ein. Danach wurde sie geschäftsführende Partnerin im Pariser Büro von Baker McKenzie und wurde 1999 auch weltweit Vorstandsvorsitzende der international tätigen amerikanischen Anwaltskanzlei und zog nach Chicago. Bei Baker & McKenzie setzte sie ihr Know-How und Wissen perfekt um. Sie vertrat dort den Ansatz "client first", bei dem die Anwält:innen die Bedürfnisse der Kund:innen vorraussehen, anstatt nur auf dringende Situationen zu reagieren. Infolgedessen stiegen die Gewinne der Kanzlei stark an.

Als Mitglied des Center for Strategic & International Studies (CSIS) leitete Lagarde die Arbeitsgruppe der US-amerikanisch-polnischen Verteidigungsindustrie, in der sie die Interessen der Flugzeughersteller Boeing und Lockheed Martin gegenüber denen von Airbus und Dassault Aviation vertrat. Im Jahr 2003 war sie Mitglied der CSIS-Kommission, die einen 3,5-Milliarden-Dollar-Vertrag über den Verkauf von 48 Kampfflugzeugen von Lockheed Martin an Polen abschloss.

Quereinstieg in die Politik

In der Politik galt Lagarde als eine Quereinsteigerin. Sie kehrte im Juni 2005 nach Frankreich zurück und trat als Handelsministerin in die Regierung von Premierminister Dominique de Villepin ein, bevor sie 2007 kurzzeitig Ministerin für Landwirtschaft und Fischerei wurde. Als Handelsministerin förderte sie ausländische Investitionen in Frankreich und die Erschließung neuer Märkte für französische Produkte, insbesondere im Technologiesektor. Sie unterstützte dabei Exporteure durch ein spezielles Programm (Cap-Export-Mechanismus), welches sie im September 2005 startete.

2007 ernannte sie der neu gewählte Staatspräsident Sarkozy zur Wirtschafts- und Finanzministerin (2007-2011). Zusätzlich hatte sie den französischen Vorsitz im Rat der EU in der zweiten Jahreshälfte 2008 inne.

Die internationale Finanzkrise fiel dabei in ihre Amtszeit. Es ging um umstrittene finanzielle Rettungsschirme und heftig kritisierte Sparprogramme für Länder wie Spanien und Griechenland. Sie äußerste sich damals mehrfach dazu, dass die von Männern dominierte Kultur in den internationalen Großbanken mit ein Grund für die schwere Finanzkrise gewesen seien. 2009 kürte die Financial Times Christine Lagarde für ihr erfolgreiches Krisenmanagement zur "besten Finanzministerin Europas".

Lagarde sprach sich zudem oft für eine stärkere Arbeitsmoral aus - eine Ansicht, die vor allem mehr von der französischen Wirtschaft als den Franzosen selbst vertreten wurde und wird. Lagarde wurde auch wegen ihres Umgangs mit einem speziellen Streitfall in ihrer Amtszeit kritisiert, der Bernard Tapie betraf. Dieser behauptete, dass dem Staat gehörende Crédit Lyonnaise habe ihn betrogen, als der Kreditgeber 1993 seine Adidas-Aktien verkaufte. Es kam zu einem Schiedsverfahren und Tapie erhielt 403 Millionen Euro vom Gericht zugesprochen, was für große Aufruhr sorgte.

2016 wurde sie wegen ihres Verhaltens in der Rechtssache Tapie vor Gericht gestellt, die ein Jahr davor nach der Aufhebung des Schiedsspruchs durch ein französisches Gericht für weitere Kontroversen gesorgt hatte. Lagarde wurde der Fahrlässigkeit beschuldigt, insbesondere hatte sie es versäumt, gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts Berufung einzulegen.

Lagarde akzeptierte nach eigenen Angaben den Schiedsgerichtsspruch im Fall Tapie und legte keinen Einspruch ein, um einen weiteren Rechtsstreit zwischen diesem und der staatlichen Bank zu verhindern, der den Steuerzahler:innen zuvor mehrere Millionen gekostet hatte. Im Dezember 2016 wurde sie für schuldig befunden. Es wurde jedoch keine Strafe verhängt.

Von 2011 bis 2019 war sie geschäftsführende Direktorin des "International Monetary Fond" (IMF), der bei uns als Internationalen Währungsfonds (IWF) bekannt ist, in Washington, D.C. (USA).

Zu den wichtigsten Themen, mit denen sie damals konfrontiert wurde, gehörte die anhaltende griechische Schuldenkrise, die ihrer Meinung nach nur durch einen sinnvollen Schuldenerlass gelöst werden konnte - eine bei einigen eher unbeliebte Haltung. Im Jahr 2016 wurde Lagarde für eine zweite Amtszeit im IWF gewählt. Als Chefin des IWF bekam sie laut dem Handelsblatt ein Jahresgehalt von 467.940 Dollar zusätzlich eine pauschale Aufwandsentschädigung in Höhe von 83.760 Dollar.

Im September 2019 verließ sie den IWF und übernahm im November die Präsidentschaft der Europäischen Zentralbank.

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Leistungen der Powerfrau Christine Lagarde

Die erste Frau auf dem Chefsessel zu sein, wirkt bei ihr fast wie eine Gewohnheit. 2018 wirkte sie mit im Beirat der G 7 für Geschlechtergleichstellung. 2019 war sie Mitglied des "International Gender Champions Network " und Co‑Vorsitzende dessen Finanzarbeitsgruppe.

Kurzer Exkurs: Wer ist die G7? Die G7 ist eine Gruppe sieben wichtiger westlicher Industriestaaten, zu denen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA gehören. Zudem ist die Europäische Union bei allen Treffen vertreten. Diesen informellen Zusammenschluss gibt es seit 1975. Er wurde 2014 mit Russland zur G8 erweitert und mit dessen Ausschluss aufgrund der Krim-Annexion, wieder zur G7.

Die G7 bilden zudem mit weiteren Ländern wie Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea oder der Türkei die G20. Diese Gruppe befasst sich mit Themen zu finanz- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Weltwirtschaft.

Christine Lagarde sprach in einem Interview mit dem amerikanischen "Women's Forum for the Economy & Society" über die Herausforderungen und Lehren, die sie als geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds gezogen hat und verriet, das es manchmal auch ganz schön erschöpfend sein kann, die einzige Frau unter Männern zu sein.

Zum Thema "Fehler machen" gibt sie einen guten Rat mit auf dem Weg: "Bemitleide dich nicht selbst, verliere nicht dein Selbstvertrauen und mache einfach weiter!" Laut ihr gibt es Situationen in denen ein Kampf angesagt ist, aber auch welche, in denen man einfach weitergehen muss. Sie erinnert sich dabei an ein Bewerbungsgespräch von 1979 für einen Job in einer großen Pariser Anwaltskanzlei, den sie sausen lies, da man ihr erklärte, dass sie als Frau keine Aussicht auf eine Position als Partnerin dieser hätte.

Christine Lagarde: You Have To Pick Your Fights And Really Persist

Als ehemalige Juristin setzt sich Christine Lagarde besonders für die Abschaffung von Verfassungsprinzipien ein, die Frauen vor allem in Entwicklungsländern an der freien Teilnahme am Berufsleben hindern. Während ihrer Amtszeit als Präsidentin des IWF machte sie die Stärkung der Rolle der Frau zu einem der wesentlichen Ziele der Organisation.

Ungleiche oder ungerechte Behandlung kann Frauen an den Rand drängen und sie daran hindern, als produktive Menschen einen unschätzbaren Beitrag zur Gesellschaft und zur Wirtschaft zu leisten. Wenn ich mir jedoch die zahlreichen Organisationen und Einzelpersonen vor Augen führe, die etwas für die Chancengleichheit von Frauen tun können, sehe ich auch eine entscheidende Rolle für die politischen Entscheidungsträger.

Christine Lagarde / Quelle: IMF (International Monetary Fond)

Dies führte zu einer umfassenden Untersuchung der 88 % der Länder, die in ihren Gesetzen Restriktionen gegen Frauen am Arbeitsplatz verankert haben. Daraufhin wurde in Japan das Budget für Kinderbetreuungseinrichtungen aufgestockt, Marokko wurde aufgefordert seine Erbschaftsgesetze zu ändern und Ägypten, Niger und die Mongolei nahmen zumindest geschlechtsspezifische Maßnahmen in ihr Budget auf.

Privatleben und Stories von Stereotypen aus der Karriere einer Powerfrau

Christine Lagarde war von 1982 bis 1992 mit dem Finanzanalysten Wilfried Lagarde verheiratet. Sie haben zwei gemeinsame Söhne. Seit 2006 ist sie mit Xavier Giocanti, einem Unternehmer aus Marseille liiert.

Christine Lagarde sprach mit Ursula von der Leyen, der Präsidentin der Europäischen Kommission, in einem EZB-Podcast anlässlich des Internationalen Frauentags zum Thema: Kampf gegen Vorurteile und Empowerment von Frauen.

Sie diskutierten über Frauen in führenden Positionen und kamen zum Schluss, das diese meist anders reagieren, sie sind empathischer, hören besser zu und regieren dabei praktisch und effizient mit Fokus auf das Ergebnis, daher sind sie in Krisen immer sehr beliebt.

Die zwei Powerfrauen, die beide als Ministerinnen gearbeitet haben, waren sich einig darüber, das Fragen über die Vereinbarkeit von Karriere und Kinder oder Fragen zum Thema Kleidung nur Frauen gestellt werden, Krawattenfarben bei Männern sind seltener ein Thema. Hier gibt es einen Geschlechter-Bias, dem vor allem Frauen ausgesetzt sind. Zudem brauchen Frauen vor allem eine gute Infrastruktur an Kinderbetreuung, um gleichgestellte Karrieremöglichkeiten zu haben.

Im Rückblick auf ihren Karriereweg erzählte Lagarde zum Thema Gender Bias, dass sie als einzige weibliche Partnerin in einer Anwaltskanzlei mit einem Team von Männern an einem Projekt arbeitete, als ein Kunde sie bat, einen Kaffee zu holen. Daraufhin habe sie ihm geantwortet: "Ja, natürlich, aber Sie werden ihn sich selbst holen! Er war wie vor den Kopf gestoßen, und es bedurfte einiger meiner Mitarbeiter, um ihm behutsam zu erklären, dass ich nicht die Sekretärin bin, die Kaffee macht, sondern die Partnerin, die das Team leitet."

Lagarde erinnerte sich auch an ein anderes Erlebnis in ihrer späteren Laufbahn, als sie als französische Handelsministerin die "schreckliche Übung" machen musste, vor dem Parlament Fragen zu beantworten:

"Ich erinnere mich, wie ich zu dem Podium ging, auf dem man die Fragen beantworten musste und wie ein hochrangiger Abgeordneter auf mich herabblickte und sagte: 'Ich frage mich, mit wem sie ins Bett gegangen ist, um in ihre Position berufen zu werden'", so Lagarde.

Sie sprach in später darauf an: "Wenn er meine Kompetenz und meine Fähigkeiten überprüfen wolle, könne er mir gerne technische Fragen stellen, die ich sehr gerne beantworten würde."

Lagarde fügte hinzu, sie hoffe, dass junge Frauen "es nicht so schlimm haben, wie diese Erfahrungen waren" dank all der Arbeit, die Frauen wie Ursula von der Leyen geleistet haben, die sie geleistet habe und die viele andere Frauen geleistet haben. Zudem hofft sie, dass ihr stets weitere Frauen in ihren Jobs folgen sowie es bei der IWF der Fall war.

Die beiden sind sich auch einig darüber, dass Frauen es schwerer haben, aber das genau dies für viele Frauen auch ein Vorteil sein kann, der zu großem Erfolg führt. Zudem sollten Frauen sich ihre Ziele hochstecken, sich nie entmutigen lassen und sich gegenseitig unterstützen.

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Auszeichnungen von Christine Lagarde

Die engagierte internationale Powerfrau bekam unzählige Auszeichnungen für ihr Wirken und hält mehrere Ehrentitel an verschiedenen Universitäten wie beispielsweise der Universität Montreal (Ehrendoktorwürde), dem Washington College, dem Claremont McKenna College oder dem Robinson College in Cambridge.

  • 2021 Komtur des Nationalen Verdienstordens der Französischen Republik

  • 2020 Platz 2 der Forbes-Liste "The World’s 100 Most Powerful Women"

  • 2019 Platz 2 der Forbes-Liste "The World’s 100 Most Powerful Women"

  • 2019 Distinguished International Leadership Award des Atlantic Council

  • CARE Humanitarian Award 2019 von CARE (Cooperative for Assistance and Relief Everywhere)

  • 2018 Appeal of Conscience World Leader Award der Appeal of Conscience Foundation

  • 2017 Global Women’s Leadership Award des International Planning Committee des Global Summit of Women

  • 2016 Global Leadership Award der School of International Public Affairs der Columbia University

  • 2016 Mohammed-Bin-Rashid-Ehrenmedaille für Frauen

  • 2016 Woman of the Year und Lifetime Achievement Award des Magazins "Glamour"

  • 2015 Ehrenauszeichnung von Baker McKenzie & Ehrenpräsidentin der Spendenkampagne der Holton-Arms School

  • 2014 Erster Global Achievement Award der Global Foundation

  • 2014 "Diplomat of the Year"-Auszeichnung des Magazins "Foreign Policy"

  • 2012Globalist of the Year Award des Canadian International Council

  • Leadership Award 2012 der Union of Arab Banks

  • Global Citizenship Award 2011 des Atlantic Council

  • 2011 Transatlantic Leadership Award des European Institute

Christine Lagarde zählt sicher zu einer der spannendsten internationalen Powerfrauen, die sich mit Intelligenz, Charme und Humor auf ihrem Weg behaupten und auch durchsetzen konnte und von der wir alle viel lernen können. Außerdem setzt sie sich stets für Frauenrechte, das Ende von Gewalt gegen Frauen und mehr Selbstbestimmung für Frauen ein.

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