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Verhütungspflaster: So funktioniert das hormonelle Verhütungsmittel auf der Haut

Verhütung ist ein wichtiges Thema, das sehr viele Frauen – und natürlich auch Männer - betrifft. Möglichkeiten zur Verhütung von Schwangerschaften gibt es heutzutage sehr viele. Dazu zählen etwa die Pille, die Spirale, das Diaphragma, Kondome und auch das Verhütungspflaster.

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Verhütungspflaster
© iStock

Beim Verhütungspflaster handelt es sich um eine hormonellen Verhütungsmethode. In diesem Falle werden die Hormone jedoch nicht geschluckt, sondern gelangen über die Haut in den Körper der Frau. Aufgrund der äußerst unkomplizierten Anwendung werden sie immer beliebter.

Das Pflaster ist rund 4,5 x 4,5 cm groß, hautfarben und selbstklebend. Es kann am Gesäß, auf der Hüfte, auf der Außenseite der Oberarme oder am Oberkörper – mit Ausnahme der Brust – aufgeklebt werden.

Wie wirkt ein Verhütungspflaster?

Dr. Susanne Lynch-Arzt, Fachärztin für Gynäkologie, Geburtshilfe und Pränataldiagnostik klärt über das Verhütungspflaster, das manchmal auch "Hormonpflaster" genannt wird, auf: "Das Verhütungspflaster enthält zwei weibliche Geschlechtshormone und wirkt wie eine einphasige Kombinationspille. Das Östrogen verhindert dabei den Eisprung und das Gelbkörperhormon unterbindet das Eindringen der Spermien durch die Verdickung des Cervixsekrets. Da es ein Pflaster ist, wird es einfach aufgeklebt und die Wirkstoffe werden über die Haut in den Körper aufgenommen. Das hat den Vorteil, dass auch die Leber weniger belastet wird."

Pearl Index - Wie sicher ist es?

Bei richtiger Anwendung – also einem Pflasterwechsel pro Woche - handelt es sich um eine sehr sichere Verhütungsmethode. In Studien wurde festgestellt, dass der Pearl Index bei 0,88 liegt. Das bedeutet, dass weniger als eine Schwangerschaft bei 100 Frauen auftritt. Dadurch ist es mit der Sicherheit der Pille vergleichbar.

Wichtig ist, dass es auf eine trockene und enthaarte Hautstelle aufgeklebt wird. Dann hält es auch beim Sport und sogar im Schwimmbad oder in der Sauna sehr gut. Sollte es sich trotzdem ganz lösen oder nicht mehr sicher haften, muss ein neues Pflaster verwendet werden. Frauen mit starkem Übergewicht sollten besser auf eine andere Verhütungsmethode zurückgreifen.

Wie unterscheiden sich Verhütungspflaster von anderen Verhütungsmethoden?

Pillenpräparate müssen täglich geschluckt werden und das kann leicht vergessen werden. Bei einem Pflaster kann das nicht so leicht passieren. "Das Verhütungspflaster wird auf eine trockene Hautstelle geklebt und muss 1x wöchentlich gewechselt werden." so Dr. Susanne Lynch-Arzt.

Sie ergänzt: "Insgesamt sind pro Zyklus, also für 1 Monat 3 Pflaster, die im Abstand von 1 Woche gewechselt werden, notwendig. Dann erfolgt eine Pflasterpause von einer Woche, sodass eine Blutung eintritt."

Wer sollte ein Verhütungspflaster nutzen und wer sollte es nicht nutzen?

Dr. Susanne Lynch-Arzt: "Ich empfehle das Pflaster vor allem Frauen, die eine Lactoseintoleranz haben und daher die Pille, die als Trägersubstanz immer Lactose beinhaltet, nicht so gut vertragen, bzw. auch Patientinnen, die eine Magen/Darmerkrankung oder Essstörung haben. Auch junge Mädchen, die dazu neigen, die regelmäßige tägliche Einnahme der Pille zu vergessen, sind mit einem Verhütungspflaster besser bedient. Frauen, die beruflich viel in andere Zeitzonen reisen müssen, oder Schichtdienst leisten, haben mit dem Verhütungspflaster ebenfalls den Vorteil, nicht auf die regelmäßige Einnahme einer Pille unter Berücksichtigung der Zeitverschiebung achten zu müssen."

Was muss beim Tragen beachtet werden?

Das Verhütungspflaster muss am ersten Tag der Regelblutung auf die Haut geklebt werden. Da bietet sich eine trockene, bevorzugt auch enthaarte Körperstelle wie der Oberarm oder die Hüfte gut an. Auf keinen Fall sollte das Pflaster direkt auf die Brust oder den Bauch über die Eierstöcke geklebt werden.

Es muss zudem sichergestellt werden, dass das Pflaster auch wirklich gut mit den Rändern auf der Haut klebt, damit es die volle Wirkung hat. Sport, Schwimmen und Saunaaufenthalte stellen dann kein Problem dar.

Aber es gibt auch Frauen für die das Verhütungspflaster nicht geeignet ist: "Frauen, die rauchen oder ein erhöhtes Thromboserisiko haben, sollten sich für eine andere Methode entscheiden. Auch bei schwerer Migräne mit Aura rate ich von der Verwendung ab. Und das Pflaster ist kein geeigneter Verhütungsschutz für stillende Mütter." so Dr. Susanne Lynch- Arzt.

Welche Nebenwirkungen kann ein Verhütungspflaster haben?

Viele Frauen haben Angst vor Nebenwirkungen, weil sie etwa die Pille nicht vertragen haben. Dr. Susanne Lynch-Arzt klärt auf: "Das Pflaster ist ein kombiniertes Hormonpräparat, ähnlich wie eine Einphasen-Pille, daher kann es auch hier zu Brustspannen, Hautunreinheiten, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen usw. kommen. Auch kann es die Wirkung von anderen Medikamenten wie beispielsweise antiepileptischen Medikamenten, herabsetzen. Generell wird das Verhütungspflaster aber sehr gut vertragen."

Was sind die Vor- und Nachteile?

Der große Vorteil des Verhütungspflasters liegt in der Art der Anwendung, das heißt, dass das Pflaster auf die Haut geklebt wird. Daher werden die Wirkstoffe gleichmäßig eine Woche lang über die Haut abgegeben. Die Hormone gelangen so in den Blutkreislauf und bieten einen sicheren Verhütungsschutz. Es wird dabei die Magen-Darm Passage umgangen und so ist das
Pflaster auch bei Erbrechen und Durchfall eine sichere Methode, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern.

Da eine tägliche Einnahme wie bei der Pille wegfällt, kann es auch nicht vergessen werden und ist daher sehr anwenderfreundlich. Das Risiko für eine Schwangerschaft durch Einnahmefehler, wie sie etwa bei der Pille oft vorkommen, ist daher geringer.

Aber natürlich gibt es auch Nachteile: So sieht man etwa das Pflaster im Sommer beim Baden und es kann auch unschöne Ränder auf der Haut machen. In seltenen Fällen kann es auch eine Reizung der Haut verursachen. Und natürlich schützt das Verhütungspflaster nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen.

Was kostet ein Verhütungspflaster?

Eine Verhütung mit dem sogenannten Hormonpflaster kommt im Monat auf rund 19 Euro. Damit ist es etwas teurer als die Pille. Grund dafür ist, dass es im Moment nur von einer Firma angeboten wird und es kein Generikum gibt. Es ist rezeptpflichtig und wird – bei der Erstverschreibung – von Gynäkolog:innen verordnet. Erhältlich ist das Verhütungspflaster dann mit dem Rezept in der Apotheke. Von der Sozialversicherung werden die Kosten nicht übernommen.

Was muss beim Absetzen beachtet werden?

Dr. Susanne Lynch-Arzt: "Ich empfehle einen Monatszyklus abzuschließen, das bedeutet, es soll das dritte Pflaster noch für eine Woche geklebt werden und die Regelblutung abgewartet werden. Dann ist auch ein Wechsel auf ein anderes Verhütungspräparat komplikationslos möglich."

Über Dr. Susanne Lynch-Arzt: Dr. Susanne Lynch-Arzt ist Fachärztin für Gynäkologie, Geburtshilfe und Pränataldiagnostik und Oberärztin im Hanusch Krankenhaus. Alle Infos gibt's hier: www.dr-lynch.at

Thema: Verhütung