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Yves Saint Laurent: Das französische Luxuslabel im Portrait

Erfahre mehr über die Geschichte und das Unternehmen des Modedesigners Yves Saint Laurent, der die Modewelt mit seinen Kreationen revolutionierte.

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© Elke Mayr

Yves Saint Laurent ist als großer Modedesigner bekannt. Inspiriert von der Struktur der Herrenmode und dem Empowering-Gefühl, das mit dem Tragen einhergeht, lies er mit seinen Ansatz die Geschlechter-Grenzen ineinander fließen und sorgte für frischen Wind in der Modegeschichte.

Steckbrief Yves Saint Laurent

  • Firmenname: Yves Saint Laurent, bekannt unter den Markennamen Saint Laurent oder YSL
  • Gründer: Yves Saint Laurent und Pierre Bergé
  • Gründungsjahr: 1962
  • Firmensitz: Paris, Frankreich
  • Leitung: Anthony Vaccarello (Kreativdirektor), Francesca Belletini (CEO)
  • Zugehörigkeit: Kering
  • Modecodes & typische Merkmale:
  • Produktgruppen: Bekleidung (ready-to-wear), Schuhe, Lederwaren, Uhren, Schmuck, Brillen, Accessoires; Parfüms und Kosmetik (L’Oréal)

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Biographie von Yves Saint Laurent

Der Modedesigner wurde eigentlich als Yves Henri Donat Mathieu-Saint Laurent, am 1. August 1936 in Oran (Algerien) geboren und starb am 1. Juni 2008 in Paris.

Nach dem Abschluss der Sekundarschule in Oran, ging er nach Paris, um eine Karriere als Modedesigner zu verwirklichen. Er besuchte für kurze Zeit eine Modeschule und gewann den ersten Preis bei einem internationalen anerkannten Designwettbewerb (Woolmark Prize). Diesen bekamen unter anderem auch bekannte Modeschöpfer:innen wie Valentino Garavani, Karl Lagerfeld oder Donna Karan.

Als Christian Dior einige von Saint Laurents Entwürfen gezeigt wurden, stellte er ihn als Assistent ein. Damals war Yves Saint Laurent gerade erst 17 Jahre alt.

Als talentiertes Protegé wurde Yves nach Christians Tod 1957 zum Kreativdirektor des Hauses Dior ernannt. Nach dem typischen "New Look" von Dior und der A-Linien-Silhouette führte er verfeinerte, längere Röcke und 1959 auch drastisch verkürzte Röcke ein.

Im Jahr 1960 führte er den schicken Beatnik-Look mit Rollkragenpullovern und den typisch schwarzen Lederjacken mit Pelzbesatz ein.

Nach seiner Einberufung in die französische Armee im Jahr 1960 wurde er im Modehaus Dior durch den Designer Marc Bohan ersetzt. 1962 gründete Saint Laurent mit Hilfe seines Partners und Finanziers Pierre Bergé, sein eigenes Modehaus und avancierte schnell zu einem der einflussreichsten Designer in Paris.

Unter seinem eigenen Label führte Yves Saint Laurent auch mehrere Trends und Silhouetten ein, die bis heute in der Mode präsent sind - Safari-Jacken, Anzüge für Frauen oder oberschenkelhohe Stiefel (Overknees).

In seinen Kollektionen der späten 1960er Jahre waren metallische und transparente Stoffe vorherrschend. In den 70er Jahren führte er, inspiriert von der traditionellen Trachten, den folkoristischen Haute-Peasant-Look ein.

Der Designer gilt als der erste Modeschöpfer, der eine Konfektionslinie (Prêt-à-porter) auf den Markt brachte. Ein wichtiger Schritt angesichts der Tatsache, dass in Europa in diesem Jahrzehnt der Fokus auf der französischen Haute Couture lag.

In dieser Zeit expandierte sein Unternehmen und umfasste nun neben seinem Haute-Couture-Geschäft auch Konfektionsbekleidung, Accessoires, Haushaltswäsche, Düfte und Herrenbekleidung.

Als Visionär war der Designer auch einer der ersten, der schwarze Models auf dem Runway der Fashion Week präsentierte und mit Models wie Iman oder Naomi Campbell zusammenarbeitete.

Im Jahr 1983 zeigte das Metropolitan Museum of Art in New York City eine Retrospektive von Saint Laurents Entwürfen. 1998 übergab er die Prêt-à-porter-Linie an Alber Elbaz, um sich ausschließlich auf die Haute-Couture-Linie konzentrieren zu können.

Das Haus Yves Saint Laurent wurde dann 1999 von der Gucci-Gruppe (Kering) aufgekauft und Elbaz durch Tom Ford ersetzt, der zu dieser Zeit auch das italienische Label Gucci leitete.

2002 ging Yves Saint Laurent in den Ruhestand. Die Couture-Sparte des Modehauses wurde offiziell geschlossen und der Schwerpunkt ausschließlich auf die Konfektionsmode unter dem Namen Yves Saint Laurent Rive Gauche gelegt. Seitdem haben Kreative wie Hedi Slimane und Anthony Vaccarello seine Vision für die Marke interpretiert.

Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2008 zwischen Frankreich und Marokko.

2017 wurde in seinem ehemaligen Haute-Couture-Haus in Paris und in Marrakesch Museen eröffnet, welche die historische Stücke von Yves Saint Laurent verwahren und präsentieren.

Die wichtigsten Designs und Innovationen von Yves Saint Laurent

Mit seinem androgynen Stil und seinen einzigartigen Kreationen revolutionierte Yves Saint Laurent zweifellos die Modewelt des 20. Jahrhunderts. Hier stellen wir euch einige seiner bekanntesten Designs vor.

Das Trapezkleid

Das Trapezkleid mit seiner fließenden Silhouette und weiter, befreiter Taille war während YSLs Amtszeit bei Christian Dior und während seiner gesamten glanzvollen Karriere ein wichtiger Bestandteil. Der Designer überarbeitete Diors "New Look"-Silhouette zu einem Kleidungsstück, das einen ähnlichen Stil beibehielt, aber weniger einengend zu tragen war. Dank des ungezwungenen und doch eleganten Stils katapultierte das Kleid YSL ins internationale Interesse.

Die Safari-Jacke

Inspiriert von seiner algerischen Herkunft und mit einem ausgeprägten Ready-to-Wear-Ansatz führte Saint Laurent die Safari-Jacke in die Modewelt ein. Der praktische Stil zeichnete sich durch übergroße Elemente aus dem Militärbereich und große aufgesetzte Taschen aus.

Der Designer zeigte die Jacke auch oft während der Haute-Couture-Kollektionen, was eine drastische Abwechslung zu den aufwendigen Kleidern und Entwürfen aus dieser Zeit darstellte. Als eines der Signature-Modelle von YSL wird die Jacke auch heute noch vom aktuellen Creative Direktor:innen der Marke immer wieder neu interpretiert.

Das Mondrian-Kleid von YSL

Im Zuge der branchenweiten Hinwendung zu sackartigen Silhouetten orientierte sich YSL für seine Herbst/Winter-Kollektion 1965 am niederländischen Maler Piet Mondrian. Insbesondere bezog sich der Designer auf Mondrians Gemälde "Composition II in Red, Blue, and Yellow" aus dem Jahr 1929. Die kubischen Elemente des Gemäldes passten perfekt zu der geradlinigen Form des Mini-Dress und wurden zum bekanntesten Design des Designers. Das Kleid unterstrich auch Saint Laurents Talent, die Welten der Kunst und der Kultur mit der Haute Couture in einer unverwechselbaren Mischung zu verbinden.

Ähnliche Tribute an Künstler:innen folgten in Saint Laurents Karriere auch an Picasso (1979), an Matisse (1980) oder an Van Gogh (1988).

Der Nude Look

In den 1960er Jahren wird der Körper in den Vordergrund gerückt, die sexuelle Revolution findet statt und die emanzipierte Frau tritt in Erscheinung. Der Österreicher Rudi Gernreich entwarf 1964 den ersten Monokini, der ohne bedeckendes Oberteil auskam.

Yves Saint Laurent war stets ein aufgeschlossener Designer und enthüllte mit seinen Entwürfen die weibliche Brust, in diesem gesellschaftlichen und modischen Umbruch, indem er seine ersten Nacktkleider (Naked Dress) entwarf und so den Nude Look erschuf.

Die transparenten Meisterwerke, für die Enthüllung des weiblichen Körpers, wurden aus Cigaline gefertigt. Dieses von Bucol entworfene synthetische und feenhaft erscheindende Gewebe war zu dieser Zeit eine Innovation.

Die Smoking-Jacke für die Damengarderobe

Der Anzug diente früher dazu, in einem Raucherzimmer getragen zu werden, um die Kleidung vor dem Zigarettengeruch zu schützen - ein Stil, der ursprünglich Männern vorbehalten war.

Schon Coco Chanel machte sich die Notwendigkeit zunutze, dass Frauen während des Ersten Weltkriegs Hosen tragen mussten, um traditionell männliche Aufgaben zu erfüllen, und verlieh ihnen Stil. Mit ihren charakteristischen Tweed-Anzügen nahm auch sie für ihr Label Chanel Anleihen bei der Herrenmode, obwohl diese davor stets immer nur mit Röcken kombiniert wurden. Saint Laurent brachte den Look auf die nächste Stufe - im Jahr 1967 führte den Smoking für Frauen ein.

Der Smoking von Yves Saint Laurent behielt die typischen Codes bei und passte sich aber gleichzeitig der weiblichen Körperform an. Obwohl der Look anfangs von den Couture-Kunden und der Modepresse belächelt wurde, ist er aus heutiger Sicht zweifellos eine Ikone der Modegeschichte.

Bianca Jagger, Catherine Deneuve und Nan Kempner gehörten zu den ersten, die den Look trugen. Claudia Schiffer führte den Tuxedo einst am Kaufsteg auf der Fashion Week vor. 1975 fotografierte der Modefotograf Helmut Newton den Style für die französische Vogue in Paris und sicherte ihm seinen mittlerweile ikonischen Rang.

Der Style wird heute noch immer gerne von Kate Moss, Kristen Stewart oder Rihanna getragen.

Beatnik-Style

Mit dem Aufkommen der Jugendmode sah YSL in der Beatnik-Bewegung eine wichtige Inspirationsquelle, sowohl für seine Herbst/Winter Kollektion bei Christian Dior, als auch für sein eigenes Label.

Yves griff dabei auf Silhouetten und Texturen zurück, die ein rockiges und trotziges Gefühl verkörperten - Krokodilleder, Motorradjacken und Overknee-Stiefel. Obwohl diese Kollektionen beim damaligen Publikum nicht so gut ankamen, legten sie den Grundstein für die innovative Ästhetik des Labels, die wir heute kennen.

Noch mehr Signature-Styles von Yves Saint Laurent gibt es in der Google Arts & Culture Online-Ausstellung!

YSL unter Tom Ford, Stefano Pilati und Hedi Slimane

Zwischen 1999 und 2004 arbeitete Tom Ford unermüdlich an den mit viel Spannung erwarteten Kollektionen für Yves Saint Laurent, Gucci und sein eigenes Label. Ford brachte zudem beiden Luxushäusern Umsatzsteigerungen ein.

Stefano Pilati übernahm dann die Position des Kreativdirektors. Seine erste Kollektion im Frühjahr/Sommer 2005 präsentierte eine sehr feminine Silhouette, die etwas aus der Reihe tanzte also nicht ganz so nach YSL aussah. Mit voluminösen Röcken und Rüschen lies er die Models auf der Fashion Week über den Laufsteg laufen, anstatt der klaren Schnitte und minimalen Details, für die das Label eigentlich bekannt geworden war.

Während jeder von Saint Laurents Nachfolgern dem Modehaus zweifellos seinen Stempel aufgedrückt hatte, veränderte keiner das Label so sehr wie Hedi Slimane. Bei seinem einschneidendes Rebranding des Labels, wurde der Name "Yves" aus der Firmenbezeichnung gestrichen. Dies führte zu Meinungsverschiedenheiten bei Presse und Kritiker:innen.

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© Elke Mayr

Hedi Slimane und Saint Laurent

Seine Vorstellung verkörpert das, was wir heute als den Look von Saint Laurent kennen. Luxuriöse, stilsichere Bikerjacken aus Leder und rockig inspirierte Stiefel sind zum Signature-Style des Hauses geworden.

Auch die metallischen Partykleider sind markant für Saint Laurent und verweisen auf den Glamour der 1970er und 1980er Jahre.

Slimane wählte einen einzigartigen Ansatz für die Laufstegshows, indem er Models auswählte, die an die Heroin-Chic-Ära von Kate Moss erinnerten, eigens für die Veranstaltung aufgenommene Musik spielte und Männer- und Frauenkollektionen zusammenlegte, um die gender-fluide Botschaft zu unterstreichen. Heute verkörpert das Label die Jugendkultur.

Im Jahr 2015 wollte Slimane die Couture-Linie wieder einführen, diese kam aber nicht zustande. Am 1. April 2016 wurde bekannt gegeben, dass er Saint Laurent verlassen würde. Es folgten Rechtsstreitigkeiten, die zwei Jahre später beigelegt wurden, als Slimane den Prozess gewann.

Sein Nachfolger Anthony Vaccarello knüpft an dem an, was Yves Saint Laurent geschaffen hat und an dem, was Hedi Slimane neu erfand.

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Quellen:

www.britannica.com/biography/Yves-Saint-Laurent-French-designer

www.metmuseum.org

Fashionary; 2021: The Lives of 50 Fashion Legends

Blackman, Kelly; 2020: 100 Years of Fashion

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