
Sie warteten nicht auf einen Wandel, sie forderten ihn aktiv: mutige Persönlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart, die abseits großer Bühnen Grenzen hinterfragten – und für Frauen neue Räume öffneten.
von
Adelheid Popp, Politikerin & Vorreiterin für Frauenrechte


Wenn man über Adelheid Popp eines mit Sicherheit sagen kann, dann: Sie war ihrer Zeit weit voraus. Bereits in den 1920er-Jahren kämpfte die Wienerin, die aus ärmlichen Verhältnissen stammte, unbeirrbar für die Gleichstellung von Frauen. Zu einer Zeit, in der Männer gesetzlich als Familienoberhaupt galten – mit uneingeschränkter Verfügungsmacht über Frau und Kinder –, machte sie sich damit nicht überall beliebt. Frauen durften ohne Zustimmung weder arbeiten noch ein eigenes Konto eröffnen oder den Wohnsitz der Familie mitbestimmen. Zustände, die für Popp, leidenschaftliche Schriftstellerin und heimliche Besucherin von Parteiveranstaltungen, untragbar waren. 1892 machte sie ihre Überzeugung zum Beruf und wurde Mitbegründerin der „Arbeiterinnen-Zeitung“. Ein Jahr später organisierte sie einen dreiwöchigen Textilarbeiterinnenstreik in Wien mit. Ihre Forderung blieb dabei stets dieselbe: mehr Bildung, Aufklärung, Rechte für Frauen. 1925 brachte Popp als sozialdemokratische Abgeordnete unter Bundeskanzler Rudolf Ramek einen Initiativantrag zur Reform des Familienrechts ins Parlament ein – und legte damit einen entscheidenden Grundstein für mehr Gleichstellung. Doch es sollte noch ein halbes Jahrhundert dauern, bis dieser Schritt Wirklichkeit wurde. Erst 1975 erhielten Frauen und Kinder in Österreich umfassendere Rechte. Adelheid Popp erlebte diesen Meilenstein nicht mehr – ihr Einsatz jedoch ebnete den Weg dorthin.
