7 Frauen, die Österreich geprägt haben und deren Namen Sie kennen sollten

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Sie warteten nicht auf einen Wandel, sie forderten ihn aktiv: mutige Persönlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart, die abseits großer Bühnen Grenzen hinterfragten – und für Frauen neue Räume öffneten.

Adelheid Popp, Politikerin & Vorreiterin für Frauenrechte

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Adelheid Popp, Politikerin & Vorreiterin für Frauenrechte
 © ÖNB-Bildarchiv / Winkler, Karl

Wenn man über Adelheid Popp eines mit Sicherheit sagen kann, dann: Sie war ihrer Zeit weit voraus. Bereits in den 1920er-Jahren kämpfte die Wienerin, die aus ärmlichen Verhältnissen stammte, unbeirrbar für die Gleichstellung von Frauen. Zu einer Zeit, in der Männer gesetzlich als Familienoberhaupt galten – mit uneingeschränkter Verfügungsmacht über Frau und Kinder –, machte sie sich damit nicht überall beliebt. Frauen durften ohne Zustimmung weder arbeiten noch ein eigenes Konto eröffnen oder den Wohnsitz der Familie mitbestimmen. Zustände, die für Popp, leidenschaftliche Schriftstellerin und heimliche Besucherin von Parteiveranstaltungen, untragbar waren. 1892 machte sie ihre Überzeugung zum Beruf und wurde Mitbegründerin der „Arbeiterinnen-Zeitung“. Ein Jahr später organisierte sie einen dreiwöchigen Textilarbeiterinnenstreik in Wien mit. Ihre Forderung blieb dabei stets dieselbe: mehr Bildung, Aufklärung, Rechte für Frauen. 1925 brachte Popp als sozialdemokratische Abgeordnete unter Bundeskanzler Rudolf Ramek einen Initiativantrag zur Reform des Familienrechts ins Parlament ein – und legte damit einen entscheidenden Grundstein für mehr Gleichstellung. Doch es sollte noch ein halbes Jahrhundert dauern, bis dieser Schritt Wirklichkeit wurde. Erst 1975 erhielten Frauen und Kinder in Österreich umfassendere Rechte. Adelheid Popp erlebte diesen Meilenstein nicht mehr – ihr Einsatz jedoch ebnete den Weg dorthin.

Beate Wimmer-Puchinger, Gründerin des ersten Frauen-Gesundheitszentrums

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Beate Wimmer-Puchinger, Gründerin des ersten Frauen-Gesundheitszentrums
 © APA OTS / Inge Prader

Beate Wimmer-Puchinger hat Gesundheit politisch gemacht. Die 1948 in Wels geborene Psychologin erkannte früh, dass das medizinische System Frauen als Randgruppe behandelte: Ihre Beschwerden wurden unterschätzt, ihre Lebensrealitäten oftmals ausgeblendet. Um das zu ändern, gründete Wimmer-Puchinger 1992 mit F.E.M. (Frauen, Eltern, Mädchen) das erste Wiener Frauengesundheitszentrum – ein Meilenstein. Zum ersten Mal wurde Gesundheit konsequent aus weiblicher Perspektive gedacht: ganzheitlich, niedrigschwellig, selbstbestimmt. Die Einrichtung wurde zum Vorbild für eine neue Versorgungskultur, in der Prävention, psychische Gesundheit und soziale Faktoren ebenso zählen wie medizinische Diagnosen. Doch Wimmer-Puchingers Engagement endete nicht an der Praxistür. Als Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien brachte sie feministische Gesundheitspolitik in die Institutionen – mit dem Ziel, strukturelle Ungleichheiten abzubauen. Ihr Ansatz war klar: Frauen brauchen keine Sonderbehandlung, sondern gerechte Rahmenbedingungen.

Verena Winiwarter, Umwelthistorikerin, plädiert für Gleichstellung an Universitäten

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Verena Winiwarter, Umwelthistorikerin, plädiert für Gleichstellung an Universitäten
 © APA

Die 1961 in Wien geborene Umwelthistorikerin erforscht seit Jahrzehnten das Verhältnis von Mensch und Natur und legt dabei offen, wie sehr Forschung von gesellschaftlichen Machtverhältnissen geprägt ist. Als ehemalige Professorin an der Uni Klagenfurt und der BOKU Wien zeigte Winiwarter auf, wie Gender Bias Karrieren lenkt und Frauen auf dem Weg zur Professur systematisch verloren gehen – obwohl diese seit den 1990ern einen Großteil der Studierenden stellen. Geschlechtervorurteile, so ihre Analyse, wirken selbst dort, wo Objektivität Anspruch ist. Deshalb fordert Winiwarter in öffentlichen Debatten strukturelle Veränderungen an Universitäten und eine Wissenschaftskultur, die Vielfalt als Qualitätsmerkmal begreift. Ihr Engagement verbindet ökologische Verantwortung mit sozialer Gerechtigkeit. Denn für die Umwelthistorikerin ist klar: Wer die Zukunft der Umwelt gestalten will, muss auch die Bedingungen verändern, unter denen Wissen entsteht. Gleichstellung ist für sie kein Zusatz, sondern Voraussetzung für nachhaltige Wissenschaft.

Maria Windhager, Medienanwältin und Vorreiterin gegen Hass im Netz

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Maria Windhager, Medienanwältin und Vorreiterin gegen Hass im Netz

 © Heribert Corn

Die renommierte Medienanwältin gehört hierzulande zu den zentralen Figuren im Kampf gegen Hass im Netz – lange bevor digitale Gewalt als strukturelles Problem anerkannt wurde. In ihrer Wiener Kanzlei setzt sich Maria Windhager dafür ein, dass Menschen nicht zwischen beleidigenden Kommentaren, Lügen und Drohungen allein gelassen werden, wenn diese ihre Würde angreifen. Gemeinsam mit Betroffenen begleitet die 1967 in Linz geborene Juristin Musterprozesse gegen Hasspostings und klagt gegen die Untätigkeit großer Plattformbetreiber. Einer ihrer bekanntesten Fälle: 2018 vertrat sie erfolgreich Sigi Maurer, damals stellvertretende Klubobfrau der Grünen, gegen einen Bierwirt. Dieser verklagte die Politikerin auf üble Nachrede, nachdem sie obszöne Nachrichten, die er an sie gesendet haben soll, veröffentlicht hatte. Wo gezielte Diffamierung Frauen aus dem öffentlichen Diskurs drängen soll, setzt Windhager auf Recht statt Rückzug.

Franziska Kalmar-Muliar, erste Fernsehsprecherin des ORF

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Franziska Kalmar-Muliar, erste Fernsehsprecherin des ORF

 © ORF

Drei Kameras in einem Klassenzimmer – als so simpel beschrieb Franziska Kalmar-Muliar später das improvisierte Fernsehstudio, in dem sie am 1. August 1955 um 17 Uhr Mediengeschichte schrieb. Rund 5.000 Zuschauer:innen verfolgten die einstündige Aufzeichnung von Beethovens „Egmont-Ouvertüre“ im ORF. Das Besondere an diesem Abend: Die 1929 geborene Schauspielerin war die erste Person, die jemals im österreichischen Fernsehen moderierte. Als Programmansagerin des öffentlichrechtlichen Senders stand sie ab 1955 souverän für etwas, das zu dieser Zeit keineswegs selbstverständlich war: eine Frau als ruhige Autorität in einem neuen Massenmedium. Sie erklärte, ordnete ein, führte durch den Abend – ohne Rechtfertigung und vor allem ohne männliche Vermittlung. In den 1950er-Jahren ein starkes Signal, das vielen Nachfolgerinnen vor der Kamera den Weg ebnete. Bis 1968 prägte Kalmar-Muliar als Anchorwoman den Ton des jungen ORF und informierte dabei ganz Österreich.

Olga Neuwirth, erste Komponistin, deren Oper an der Staatsoper uraufgeführt wurde

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Olga Neuwirth, erste Komponistin, deren Oper an der Staatsoper uraufgeführt wurde
 © Getty

Zwischen Hochkultur und Pop, Tradition und Gegenwart: Seit Jahrzehnten sprengt die 1968 in Graz geborene Komponistin mit ihrer Kunst Grenzen. 2019 schrieb Olga Neuwirth in ihrem Stil Geschichte: Ihre Oper „Orlando“ wurde als erstes Werk einer Frau an der Wiener Staatsoper uraufgeführt. Ein längst überfälliger Moment in einem Haus, das bis dahin fast ausschließlich männliche Komponistennamen auf den Spielplänen führte. Dabei lieferte Neuwirth basierend auf dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf ein vielschichtiges, politisch aufgeladenes Musiktheater – über Identität, Geschlecht und gesellschaftliche Zuschreibungen. In ihrem Werk verhandelt die Komponistin Fragen nach Macht, Repräsentation und dem Streben nach Meinungsfreiheit. Dass ihre Oper an einem der traditionsreichsten Häuser der Welt erklang, war auch ein kulturpolitisches Signal. Olga Neuwirth zeigt damit: Erfolg braucht keine Anpassung. Sondern manchmal den Mut, Raum einzunehmen – und jahrhundertealte Strukturen neu zu stimmen.

Berta Karlik, Physikerin und erste Professorin an der Uni Wien

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Berta Karlik, Physikerin und erste Professorin an der Uni Wien

 © APA

Zum Sprichwort „An der Spitze ist es einsam“ könnte Berta Karlik vermutlich einiges erzählen. Denn die Wienerin, die 1904 geboren wurde, war ab 1956 die erste ordentliche Professorin an der Uni Wien – und schrieb so Geschichte. Aber nicht nur damit. Gemeinsam mit Kolleg:innen entdeckte die Physikerin das extrem seltene und hochradioaktive Element Astat, das in der medizinischen Forschung für gezielte Krebstherapien eingesetzt wird. Geplant war das alles nicht, schließlich wollte Berta Karlik, zur Bescheidenheit erzogen, nur die Lehramtsprüfung für Physik und Mathematik absolvieren. Zum Glück widersetzte sie sich den gesellschaftlichen Klischees typischer Frauenberufe und promovierte 1927 an der Uni Wien. 1931 reiste Karlik im Zuge eines Stipendiums nach Paris, wo sie mit Marie Curie eine weitere Frau kennenlernte, die Wissenschaft neu definierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Karlik an der Uni Wien schließlich federführend für den Wiederaufbau des Instituts für Radiumforschung verantwortlich. Heute werden mit dem Berta-Karlik-Programm in ihrem Namen an der Uni Wien exzellente Wissenschaftlerinnen gefördert.

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