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Wie die Schwangerschaft Haut & Haar verändert

Sie strahlt wie nie: Die Haar wirklich verändert.


  • Herzogin Kate: In der Schwangerschaft wird das Haar fülliger, die Haut praller und schöner.

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  • Bauch und Po werden runder, sammeln Fettreserven für die Stillzeit.

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Eine Schwangerschaft prägt eine Frau – in jeder Hinsicht. Nicht nur der Bauch wird runder, sondern auch Haut und Haar verändern sich. Und auch wenn die schöne Herzogin Kate ihre Schwangerschaftskilos liebt und nach der anfänglichen Morgenübelkeit nun von innen zu strahlen scheint: Es gibt ein paar Beauty-Fakten über die Schwangerschaft, die nur selten erzählt werden.

Wir baten Dr. Johannes Seidl, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe im Wiener Gesundheitszentrum Woman & Health , um Klärung der wichtigsten Beauty-Mythen rund um die Schwangerschaft.

Der Mythos: Während der Schwangerschaft ist das Haar dicker und fülliger.

Das sagt der Experte:
Die Haare werden ab der 2. Schwangerschaftshälfte deutlich fülliger und fester, da durch die hohen Östrogenspiegel die Wachstumsrate der Haare verstärkt und damit das Haarwachstum gefördert wird. Der Haarzyklus verlängert sich - es kommen weniger Haare in die Haarausfallsphase. Dadurch wirkt das Haar deutlich fülliger.

Der Mythos: Nach der Schwangerschaft fallen die Haare stärker aus.

Das sagt der Experte:
Nach der Geburt kommt es durch den Wegfall der Plazenta und Schwangerschaft zu einem massiven Hormonabfall - vor allem der Östrogene. Dadurch entsteht ein sogenanntes Telogeneffluvium - viele Haare kommen rasch in die Haarausfallsphase. Das führt zu einem Haarverlust von mehr als 100-200 Haaren täglich. Auch wenn Frauen das oft massiv beunruhigt: Der Haarausfall nach der Geburt ist zeitlich limitiert und bessert sich nach maximal 3 Monaten wieder von selbst! In besonders schweren Fällen kann eventuell durch die Gabe von östrogenhaltigen Haarwassern der Haarausfall vermindert werden.

Der Mythos: Während der Schwangerschaft wird die Haut schöner, leuchtet von innen.

Das sagt der Experte:
In der ersten Zeit der Schwangerschaft kommt es durch die vermehrte Produktion von weiblichen, aber auch männlichen Geschlechtshormonen oft zu vermehrten Hautunreinheiten. Durch die Talkproduktion verstopfen sich Poren, was Akneveränderungen gerade zu Beginn der Schwangerschaft auslösen kann. Gute Hautreinigung ist daher wichtig!

Ab Mitte der Schwangerschaft wird sie meistens praller, fester und schöner. Da sich das Blut und Herzzeitvolumen, also der Blutfluss, mit zunehmender Schwangerschaft deutlich erhöht, wird auch die Haut meist mehr durchblutet, was sie in manchen Fällen frischer aussehen lässt. Auch wird durch Veränderung des osmotischen Druckes mehr Flüssigkeit ins Unterhautgewebe gezogen. Dadurch wird die Haut meist sehr prall und faltenlos. Allerdings können durch vermehrte Wassereinlagerungen - gerade gegen Ende der Schwangerschaft - Gesicht und Beine oft sehr verquollen wirken.

Der Mythos: Die Schwangerschaft verstärkt Pigmentflecken .

Das sagt der Experte:
Die hohen Östrogenspiegel sind auch für eine vermehrte Melanozytenproduktion in der Haut. Dies führt zur bekannten Neigung zu Pigmentflecken vor alle im Gesicht - sogenannte Chloasmen. Auch im Bereich des Nabels im Bauchmittebereich bildet sich gegen Ende der Schwangerschaft eine stark pigmentierte Linie - die sogenannte Linea nigra. Daher ist während der Schwangerschaft unbedingt auf ausreichend Sonnenschutz zu achten!!

Der Mythos: Während der Schwangerschaft drohen Krampfadern.

Das sagt der Experte:
Die stärkere Durchblutung und Östrogene sind auch an einer verstärkten Bildung von kleinen Krampfadern (sogenannten Besenreisern) schuld. Falls vermehrt Krampfadern auftreten: Unbedingt Kompressionsstrümpfe tragen, damit es zu keiner Verschlechterung kommt. Diese verblassen meistens nach Normalisierung der Hormonwerte nach der Geburt.

Der Mythos: Vor Schwangerschaftsstreifen ist keine Frau sicher.

Das sagt der Experte:
Dehnungsstreifen entstehen durch irreparable Risse der Unterhaut durch Überdehnung des Bindegewebes. Aufgrund der durchscheinenden Blutgefäße sind die Streifen zunächst rötlich gefärbt, blassen jedoch mit der Zeit ab. Als Ursache gilt das Zusammentreffen von Dehnungsbelastung und hormonbedingter Auflockerung des Gewebes. Ca. jede 2. Frau neigt zu Dehnungsstreifen unterschiedlichen Ausmaßes. Besonders betroffen sind Erstgebärende und übergewichtige Schwangere. Frauen, die schon in der Pubertät Dehnungsstreifen bekommen haben, neigen besonders dazu.

Zur Vorbeugung: Bürstenmassagen, Wechselbäder, Cremes mit dem Wirkstoff Centella asiatica – der einzige Wirkstoff, der einen wissenschaftlich erwiesenen Nutzen zur Prophylaxe von Schwangerschaftsstreifen zeigt. Außerdem ist Sport in der Schwangerschaft enorm wichtig.

Auch übermäßige Gewichtszunahme ist einer der größten Risikofaktoren für Dehnungsstreifen. Positiv: Dehnungsstreifen sind jedoch heute durch neue Lasermethoden nach der Geburt gut behandelbar. (Infos unter: Woman&Health .)

Der Mythos: In der Schwangerschaft wird auch der Po dicker.

Das sagt der Experte:
Das Fett und Bindegewebe der Gesäß- und Oberschenkelregion ist bei Frauen hormonell reguliert. Östrogene und Progesteron fördern die Bildung von Fettgewebe im Po- und Oberschenkelbereich. Sie hemmen gleichzeitig die fettabbauenden Enzyme, so dass selbst durch Sport und Diät in der Schwangerschaft kaum Fett aus dieser Region mobilisiert wird.

Das hat einen evolutionstechnischen Hintergrund: Da Stillen extrem viel Kalorien verbraucht, (bis zu 1500000 Kalorien!!) bunkert der Körper Fettreserven in der Gesäßregion, um im Notfall während der Stillzeit darauf zurückgreifen zu können. Außerdem kommt es durch die östrogenbedingte vermehrte Wasserspeicherung manchmal zu Verstärkung von Cellulite und Zunahme von Bauch und Po.

Der Mythos: Nach der Geburt purzeln die Kilos.

Das sagt der Experte:
Nach der Schwangerschaft kommt es durch den starken Hormonabfall zunächst zu einer deutlichen Ausschwemmung von Gewebswasser, so dass Frauen nach der Geburt relativ rasch viele Kilos verlieren. Allerdings sind viele Hautareale insbesondere die Bauchregion und Bauchmuskulatur oft sehr stark überdehnt. Sport und Fitness sollten jedoch nicht vor 6 Wochen nach der Geburt begonnen werden und auch dann nicht von Null auf 100. Insbesondere die Bauchmuskulatur braucht Zeit sich zu regenerieren. 2 Monate nach der Geburt sollte jedoch unbedingt ein Mix aus Ausdauer und Krafttraining begonnen werden, um rasch das Gewebe und die Muskulatur wieder in Form zu bringen.

Thema: Haare