Darum reinigen und pflegen wir unser Gesicht jetzt doppelt

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Lächelnde Frau mit Reinigungsschaum in den Händen

©Unsplash / Sven Mieke

Zwei Schritte, ein Prinzip: Die japanische Schönheitsphilosophie setzt auf doppelte Reinigung und doppelte Befeuchtung. Warum dieses Ritual für schöne Haut entscheidend ist und wie es gelingt, verrät ein Skincare-Profi.

Die Kunst der Hautpflege hat in Japan eine lange Tradition. Sie ist im Alltag verankert, präzise und dennoch achtsam. Beauty-Routinen sind dort weniger „Self-Care-Momente“ als Selbstverständlichkeit. Wer sich mit japanischen Pflegezeremonien beschäftigt, stößt schnell auf ein Prinzip, das erstaunlich schlicht ist und dennoch einen entscheidenden Unterschied macht: „Double Cleansing“, die doppelte Reinigung. Die Idee dahinter ist nicht, „mehr“ zu machen, sondern gezielter vorzugehen. Schritt eins löst alles, was ölbasiert ist: Sonnenschutz, Make-up, Talg … Schritt zwei nimmt das ab, was wasserlöslich ist: Transpiration, Bakterien, verhornte Hautschüppchen. Das Ergebnis ist eine Haut, die nicht blank geschrubbt ist, sondern porentief sauber und damit aufnahmefähiger für alles, was danach kommt.

„Detox für die Haut funktioniert ähnlich wie für unseren Stoffwechsel: Erst wenn Belastendes entfernt ist, kann Wertvolles aufgenommen werden“, sagt der Wiener Dermatologe Dr. Markus Dawid. Seine Ordination in der Wiener Innenstadt ist auf Monate hinaus ausgebucht. Dennoch nimmt er sich Zeit für ein vertiefendes Gespräch mit WOMAN Balance über die essenzielle Rolle der Reinigung und die Energieversorgung unserer Haut.

Die Basis jeder gesunden Haut

Die Doppelreinigung folgt einem klaren Prinzip: so gründlich wie nötig, so sanft wie möglich. Ziel ist es, die Poren vollständig von Rückständen zu befreien. „Man kann sich eine Pore wie einen schmal zulaufenden Trichter vorstellen, in dessen Tiefe sich Feinstaub und Schmutz festsetzen“, erklärt Experte Dawid. „Wer hier nicht sorgfältig reinigt, riskiert Mikroirritationen. Daraus können unterschwellige Entzündungsprozesse entstehen, kleine, zunächst unsichtbare Gewebeschäden, die langfristig Trockenheit, Elastizitätsverlust, feine Linien und einen fahlen Teint begünstigen.“ Wichtig ist der richtige Zeitpunkt. Die Doppelreinigung gehört in die Abendroutine, wenn sich Make-up, Sonnenschutz, Talg und Umweltablagerungen auf der Haut gesammelt haben. Morgens hingegen genügt ein einzelner Reinigungsschritt, idealerweise mit dem zweiten Produkt der Routine, einem Cleanser, der die Haut klärt, ohne sie zu belasten.

Doch trocknet eine so gründliche Reinigung die Haut nicht aus? Dermatologe Dawid gibt Entwarnung: „Problematisch wird ‚Double Cleansing‘ nur dann, wenn die Formulierungen zu aggressiv sind oder nicht zum jeweiligen Hauttyp passen.“ Entscheidend sei die Qualität der Produkte und ihre präzise Abstimmung auf die individuellen Bedürfnisse der Haut.

Sein persönlicher Anwendungstipp: Reinigung sowie nachfolgende Pflege nicht einfach auftragen, sondern mit leichtem Druck und lymphstimulierenden Bewegungen einarbeiten. Der Dermatologe ist ein großer Fan der Lymphdrainage, seit er die sanfte, rhythmische Massagetechnik vor rund 20 Jahren in einem exklusiven Spa in London erstmals entdeckt hat. „Sie lässt sich ideal auch im Gesicht anwenden und unterstützt den Abtransport von überschüssiger Gewebeflüssigkeit und Stoffwechselrückständen. Schwellungen werden gemindert, die Mikrozirkulation wird gefördert. Und wenn es schnell gehen muss, dauert die gesamte Pflegeroutine dennoch keine fünf Minuten“, so Dawid.

Doppelte Befeuchtung als Booster

Auf die gründlich gereinigte Haut folgt ganz im Sinne der japanischen Pflegetradition die doppelte Befeuchtung. Zunächst bringt eine Lotion den pH-Wert ins Gleichgewicht, durchfeuchtet intensiv und bereitet die Haut auf den nächsten Schritt vor. Direkt danach wird die Tages- oder Nachtpflege auf die noch leicht feuchte Haut aufgetragen, um die Feuchtigkeit einzuschließen und die Barriere zu stärken. „Man kann sich die Haut wie ein System mit begrenzter Energie vorstellen. Ist sie gestresst oder ihre Barriere gestört, verbraucht sie Kraft für Reparaturprozesse – Energie, die dann für die Regeneration fehlt.“ Die Folge können Trockenheit, Irritationen und ein fahler Teint sein. Gut durchfeuchtete Haut hingegen regeneriert effizienter und wirkt vitaler. Extra-Tipp: Seren werden zwischen Lotion und Creme aufgetragen, morgens bildet Sonnenschutz den Abschluss. Unser Fazit: Nicht einzelne Wunderprodukte entscheiden über unsere Hautgesundheit, sondern die Summe konsequent gesetzter, bewusster Schritte – Tag für Tag.

Über die Autor:innen

-20% auf das WOMAN Abo