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Babyzeichensprache: Kommunizieren bevor Kinder sprechen!

Du kannst bereits im Alter von wenigen Monaten mit deinem Baby kommunizieren. Eine Expertin erklärt, wie du dein Kind verstehen lernst noch bevor es zu sprechen beginnt.

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Babyzeichensprache Wien

Kommunikation ist ein menschliches Grundbedürfnis.

© istockphoto.com

Das Kind jammert. Was könnte es haben? Vielleicht Durst? Man reicht ihm die Wasserflasche. Frustriert wirft es diese weg. Mhhh, vielleicht doch Hunger? Nein, nun weint es... Ach, wenn es doch nur schon sprechen könnte... Diese Situation kommt wahrscheinlich vielen Mamas und Papas bekannt vor. Babys beginnen meist erst im Alter von 12 Monaten zu sprechen. Einfache Worte wie Mama, Ball oder Nein sind aber zu wenig, um wirklich mit dem Kind kommunizieren zu können. Was viele Eltern nicht wissen: bereits davor kann man sich mittels Zwergensprache mit dem Kind unterhalten. "In meinen Kursen vermittle ich einfache Handzeichen, beruhend auf der deutschen Gebärdensprache, welche die Verständigung zwischen Eltern und Babys erleichtert", erklärt Simone Kostka-Krytinar. Die Mamalogin erklärt im Interview mit WOMAN.at, wie die Babyzeichensprache funktioniert und welche Vorteile sie für Eltern und Kinder bringt.

Wie viele Zeichen lernen Eltern und Kinder in den Kursen für die Babyzeichensprache?
Simone: Im Anfängerkurs vermitteln wir den Eltern so etwa 80 bis 100 Zeichen, je nach Dynamik in der Gruppe möglicherweise noch ein paar mehr, wenn Extrafragen kommen.

Der Fortgeschrittenenkurs hat dann nochmals ungefähr 250 Zeichen,
also alles in allem können es mit beiden Kursen zusammen fast um die 400 Zeichen sein.

Babyzeichensprache Wien Kurs

Ab welchem Alter ist ein Babyzeichensprachenkurs geeignet?
Simone: Grundsätzlich empfehlen wir den Kursstart, wenn das Baby ungefähr ein halbes Jahr alt ist. Prinzipiell kann man aber immer damit anfangen, auch schon früher oder auch später. Es gibt z.B. Mamas, die beim 2. Kind schon ab der Geburt gebärden, das ist völlig okay, man muss dann nur sehr lange warten, bis das Baby das 1. Zeichen macht. Man kann genauso mit 1 Jahr beginnen. Meistens machen dann Babys verhältnismäßig bald die ersten bewusst gemeinten Handbewegungen. Etwas zu spät ist es, wenn die Kinder bereits zwei Worte zu einem Satz zusammenfügen, also 2-Wort-Sätze bilden. Dann geht die Sprachentwicklung so schnell voran, Zeichen einsetzen macht dann kaum mehr Sinn.

Wie sieht zum Beispiel das Zeichen für Mama aus?
Simone: Man streichelt die Wange! :)

»Andere Kinder werden quengelig oder raunzen und das Ratespiel für die Eltern beginnt.. Durch die einfachen Handbewegungen, die so leicht sind wie winken oder klatschen, wird ein Babyzeichensprachenkind von seinen Eltern verstanden.«

Welche Vorteile bringt die Zwergensprache Eltern und Kindern?
Simone: Oh, da gibt es ganz, ganz viele Gründe:
1. Es macht Spaß! Der Kurs ist wie eine Spielgruppe für die Kinder. Wir singen, tanzen, schauen Bücher an und haben viele Gegenstände, die wir betrachten und benennen. Ähnlich babygerecht soll die Umsetzung zu Hause im Alltag dann sein.
2. Eltern, die sich für Zeichensprache entscheiden sind besonders interessiert an der Sprachentwicklung ihres Kindes, legen mehr Wert auf Kommunikation und beobachten ihr Baby intensiv. Automatisch tun sie somit Dinge - teilweise unbewusst - die dazu beitragen, dass Sprache für ihr Baby interessanter wird.
Natürlich reagiert der kleine Schatz darauf - bestärkt durch mehr Aufmerksamkeit und Reaktionen der Eltern. Das ganz bewusste Miteinander fördert auch die Bindung zwischen Eltern und Kind.
3. Kommt dann schließlich das erste erkennbare Zeichen des Kindes, ist das ein ganz besonders schönes Gefühl. Ähnlich wie andere Meilensteine in der Babyentwicklung, wie das erste Lachen, bewusstes Greifen, erfolgreiche Krabbelversuche.
4. Nach und nach werden es immer mehr Zeichen, die das Kind bewusst einsetzt, um zu zeigen was es möchte. Besonders bei abstrakten Wünschen ist es hilfreich. Auf Dinge, die ein Kind sieht, kann es hinzeigen, dafür braucht man die Babyzeichen nicht ganz so dringend, aber wenn ein Kind möchte, dass ihm ein Lied vorgesungen wird, oder wenn es etwas trinken möchte und es ist kein Becher in der Nähe oder das Bedürfnis hat nach Hause zu gehen, dann sind die Zeichen besonders wertvoll. Andere Kinder beginnen dann quengelig zu werden, raunzen und das Ratespiel beginnt, was es denn gerade möchte. Durch die einfachen Handbewegungen, die so leicht sind wie winken oder klatschen, wird ein Babyzeichensprachenkind von seinen Eltern verstanden.
5. Das gesamte Familienleben läuft harmonischer ab, die Eltern fühlen sich sicherer im Umgang mit ihrem Kind und erleben viele schöne Situationen, in denen ihr Kind ihnen kommunizieren kann, was in seinem Köpfchen vor sich geht lange noch bevor es Worte sprechen kann. So kann es z.B. dem Papa "erzählen", was es mit Mama erlebt hat oder umgekehrt. Das Kind wird schon viel früher zu einem richtigen kleinen Gesprächspartner. Eltern sind oft ganz verblüfft, wenn sie merken, welche gedanklichen Zusammenhänge so junge Kinder schon bilden können, die man ihnen einfach noch nicht zutraut, dadurch, dass sie die Worte noch nicht aussprechen können. Wenn sie nun aber ein Instrument abgesehen von Sprache haben, dass sie nutzen können, haben sie die Möglichkeit alle jene, die sie verstehen, teilnehmen zu lassen.
6. Vorteile gibt es auch dann noch, wenn die ersten Worte kommen. Eine Zeit lang verwenden die Kinder Worte und Zeichen noch gleichzeitig. Wir wissen alle wie schwierig es manchmal ist, die gesprochenen Babyworte zu verstehen. Beispielsweise "Ba" kann "Ball", "Banane", "baden" vielleicht auch "Papa" oder in Wien "Baba" heißen. Da geht das Raten weiter.
Unterstützt das Kind aber sein "Ba" mit einem Zeichen, dann ist es ganz eindeutig, welches Wort damit gemeint ist. Nach und nach wird die Sprache klarer und je weiter sie voranschreitet desto mehr treten die Zeichen in den Hintergrund bis sie schließlich irgendwann (meistens etwa um den 2. Geburtstag) ganz aufhören.

Worauf sollte man achten, damit das Kind die Zeichen zuhause dann auch wirklich macht?
Simone: Eltern sollten die Zeichen gleichzeitig zeigen parallel zu dem Wort, das sie sagen. Dabei sprechen sie automatisch das entsprechende Wort langsamer und deutlicher aus. Bitte beim Reden und beim Zeigen wann immer es möglich ist Augenkontakt halten!

Babyzeichensprache

Wie lange dauert es ungefähr bis das Baby das erste Zeichen macht?
Simone: Wiederholungen sind sehr wichtig. Je öfter ein Kind ein Zeichen sieht, desto besser wird es verstehen, was gemeint ist. Idealerweise sollte pro bewusst mit dem Baby gesprochenem Satz ein Zeichen eingebaut werden. Geduld ist aber genauso wichtig, weil es in den meisten Fällen einige Monate dauert bis die Kinder verstehen, dass sie ihre Hände zum Zeigen einsetzen können.

Hast du noch Tipps?
Simone: Positive Verstärkung! Jeder erkennbare Versuch sollte unterstützt und gelobt, auf jedes verstandene Zeichen entsprechend reagiert werden, um die Lern- und Zeigemotivation aufrecht zu erhalten.

Wo kann man einen Kurs für die Babyzeichensprache machen?
Simone bietet laufend Kurse für die Babyzeichensprache Kurs 1 bei Lyma in Wien (1060) an. Auf der Website (www.lyma.at) findet ihr alle Informationen für die nächsten Termine. Kosten: 150,- Euro pro Semester (10 Einheiten).

Simone Kostka - Babyzeichensprache Wien
Simone Kostka-Krytinar, Mamalogin und Zwergensprachen-Lehrerin

Tipp: Zusätzlich kann man die App "Babyzeichen" downloaden, in der alle wichtigen Zeichen mit Video dargestellt werden.

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Themen: Eltern, Kinder

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