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Karenz: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?"

Sport? Lesen? Reisen? Diese Frage bekomme ich tatsächlich sehr häufig von kinderlosen Menschen gestellt. Hier ist meine Antwort darauf...

von

Alltag Mama und Baby

Willkommen im ganz normalen Wahnsinn!

© Privat

Als ich selbst noch schwanger war, hatte ich auch keine Ahnung, wie mein Leben in der Karenzzeit aussehen würde. Im Kopf hatte ich mir aber schon ausgemalt, endlich all die Bücher zu lesen, die schon seit Monaten im Regal verstaubten. Dass ich viel rumreisen würde... Bali vielleicht. Angeblich mit Baby total easy. Und ich könnte mich endlich im Fitnessstudio anmelden, in der Karenz habe ich schließlich viel Zeit! Spätestens an dieser Stelle dürfte jede Mutter einen Lachkrampf bekommen haben... Die Realität ist nämlich, dass ich seit der Geburt meines Sohnes jeden Tag - und zwar JEDEN Tag - versuche zumindest ein paar Minuten Zeit für mich alleine zu erkämpfen.

Für all jene, die sich nicht vorstellen können, wie der Alltag mit Baby aussieht, habe ich einen kleinen Stundenplan erstellt. Natürlich ist kein Tag wie der andere aber der "ganz normale Wahnsinn" lässt sich hier gut ablesen. Also ihr lieben Freundinnen und Freunde - welcome to my world:

5:00 Uhr: Mein Sohn (mittlerweile fast ein Jahr) wacht schon zum 2. Mal in dieser Nacht auf und turnt im Gitterbett umher. Warum? Weil er ein Fläschchen will. Durchschlafen? Was ist das?

6:30 Uhr: Neben mir Gebrabbel. Offenbar ist er nun endgültig wach und bereit die gesamte Wohnung auseinander zu nehmen. Ich schleppe meinen gefühlten 300-Kilo-Körper nur schwer aus dem Bett. Aber der Chef will es so.

Ein Tag im Leben einer Mama - Baby Kleinkind

7:00 Uhr: Zuerst wickeln, denn die Windel geht schon fast über. Wickeln bedeutet bei uns: Geschrei, weil der kleine Mann nicht liegen will. Na gut, dann versuchen wir es eben im Stehen. Geht auch nicht, denn er will laufen. Ich robbe auf allen Vieren hinterher und schaffe es nach 10 Minuten Kraftsport ihm die frische Windel umzuschnallen. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie das Ganze aussieht, wenn ich ihn anziehen will. (Strumpfhosen-Saison beginnt, ich sterbe.)

7:30 Uhr: Monsieur wird quengelig, weil hungrig. Es gibt sein Leibgericht: Schwarzbrot mit Butter und Kresse und dazu weich gekochtes Ei. Das will er natürlich alles selber essen. Gefüttert werden ist nicht so sein Ding. Ein Drittel des Frühstücks landet zumindest im Mund, der Rest wird dann vom Boden rund um den Hochstuhl aufgeklaubt.

»Bis heute frage ich mich, wie so kleine Menschen so viel Scheiße produzieren können. «

8:00 Uhr: Direkt nach dem Frühstück heißt es dann nochmals wickeln, denn der Herr stinkt schon von 100 Kilometer Entfernung. Ach, wie schön es doch war, als er nur Muttermilch bekam. Doch nun riecht Baby-Kacke gar nicht mehr nach Baby, weil er schon alles isst. Bei jedem Wickelvorgang mit AA drinnen, nehme ich mir ganz fest vor ihn endlich ans Töpfchen zu gewöhnen. Es ist nämlich nicht nur der Geruch oder das Gezappel am Wickeltisch. Die Kacke quirlt meist auch seitlich und oben über den Rücken aus der Pampers. Bis heute frage ich mich, wie so kleine Menschen so viel Scheiße produzieren können. Immer wieder ein Tiefpunkt in meinem Leben.

8:30 Uhr: Ich versuche die Küche aufzuräumen, während Sohnemann im Wohnzimmer spielt. Klappt nicht. Sohnemann will mich sehen, will immer da sein, wo ich auch bin. Also kommt er zu mir in die Küche und beginnt dort sämtliche Regale und Mülltonnen auszuräumen - oder er krabbelt in den Geschirrspüler. Spielzeug interessiert ihn nicht.

Ein Tag im Leben einer Mama - Baby Kleinkind

9:00 Uhr: Das Kind wird langsam wieder müde. Das Highlight meines Tages, weil ich entweder selbst 1,5 Stunden schlafen kann oder nun endlich Zeit habe die Wohnung aufzuräumen und ein bisschen zu arbeiten.

12:00 Uhr: Nach dem Vormittagsschläfchen gehen wir raus. Natürlich immer zu spät - egal, wie sehr ich mich beeile. Meist besuchen wir einen der vielen Babykurse, welche in Wien angeboten werden. Heute sind wir im Babyzeichenspachenkurs. Dort lernen wir eine Art Gebärdensprache, damit sich die Kleinen schon vor Einsetzen der Sprache ausdrücken können. Jonah braucht viel Action, viele Kinder um sich herum und möglichst was zum Austoben. Tipp an alle Mamis mit Wirbelwind-Kids: Babyschwimmen macht die Kleinen müde.

Ein Tag im Leben einer Mama - Baby Kleinkind

14:00 Uhr: In der Zwischenzeit haben wir irgendwo gegessen (ich bin meist zu faul um mittags zu kochen) und sind am Weg zum Spielplatz oder in einen Park. Dort lass ich Jonah noch mal 1-2 Stunden rumsausen, klettern und toben. Danach ist er müde, ich pack ihn in den Wagen und kann Dinge in der Stadt erledigen, wie zum Beispiel einkaufen.

16:00 Uhr: Jonah hat noch ein Stündchen geschlafen. Herrlich. Zuhause mache ich nun die Wäsche, räume das Chaos weg, spiele mit Jonah oder versuche mal alleine aufs Klo zu gehen. Meist klappt der Großteil dieser Liste aber nicht und ich versuche einfach nur den Sohnemann davon abzuhalten irgendwo raufzuklettern. Neuerdings sitzt er nämlich am liebsten am Küchentisch... Wenn ich Glück habe, "hilft" er mir im Haushalt, indem er zum Beispiel die Wäsche, welche ich in den Korb lege, wieder ausräumt.

Ein Tag im Leben einer Mama - Baby Kleinkind

18:00 Uhr: Wir sind hangry aber meist schaffe ich es nicht pünktlich mit dem Essen fertig zu werden. Jonah räumt wirklich alles, was herumliegt hin und her. Abends sieht es so aus als wäre ein Tornado durch die Wohnung gefegt. Nun sehne ich mich schon wirklich danach, dass endlich mein Mann nachhause kommt und den Kleinen nimmt. Ich bin müde und habe keine Nerven mehr.

Ein Tag im Leben einer Mama - Baby Kleinkind

18:30 Uhr: Der Papa ist heute früher nach Hause gekommen. Wir sitzen endlich alle am Tisch. Jonah will aber lieber mit dem Essen spielen. Er wirft es durch die Gegend oder schmiert es sich in die Haare. Langsam wird er müde.

Ein Tag im Leben einer Mama - Baby Kleinkind

19:30 Uhr: Chef wurde gebadet, umgezogen und sein Gute-Nacht-Fläschchen steht bereit. Aber der kleine Kerl ist plötzlich gar nicht mehr müde und saust wie ein Wirbelwind umher. Er beginnt Bauklötze hevorzukramen, klettert auf sein Pikler-Dreieck (Was das ist, erfährst du hier) und will lieber turnen statt schlafen. Mein Mann nimmt ihn mit ins abgedunkelte Schlafzimmer und singt ihm vor, während ich die Küche mache - oder umgekehrt.

Ein Tag im Leben einer Mama - Baby Kleinkind

20:00 Uhr: Wenn wir Glück haben, schläft Jonah jetzt schon. Wenn wir Pech haben, dauert das ganze Prozedere bis 21 Uhr. Zurzeit fällt es ihm besonders schwer loszulassen. Mein Mann und ich landen am Sofa, beide müde und starren auf die verwüstete Wohnung. Sollen wir jetzt noch aufräumen? Sollen wir einen Film schauen? Mal wieder kuscheln? Oder sind wir zu müde für all das?

23:00 Uhr: Irgendwie ist es jeden Abend so: Kaum sitzen wir auf dem Sofa, verfliegt die Zeit und es ist schon wieder viel zu spät. Mir fallen längst die Augen zu und mir graut es davor, dass Jonah auch in dieser Nacht wieder mindestens 2x aufwachen wird. Aber so ist es nun mal und wir sind trotzdem glücklich, dass wir einen so aufgeweckten, tollen Sohn haben.

Tipps für Mamas mit aktiven Kids:

Wenn ihr auch Kinder habt, die sich wenig bis gar nicht für Spielzeug interessieren und stattdessen lieber die Wohnung unsicher machen: Spielideen für Babys und Kleinkinder - Diese Liste hat mir sehr geholfen.

Außerdem würde ich allen Stadtmamas empfehlen, möglichst viele Babykurse zu besuchen. Da trifft man andere Eltern und die Kinder sind hinterher ausgeglichener. Wir gehen zum Babyschwimmen ins Dianabad, machen Krabbel-Yoga im Feelgoodstudio und die Babyzeichensprache bei Lyma. Außerdem gibt es viele Babycafés, wenn das Wetter mal nicht so toll ist, um rauszugehen!

Irgendwann habe ich begriffen, dass ich nicht glücklich bin in meinem Chaos-Daheim und habe mir Hilfe geholt. Meiner Meinung nach viel zu spät. Jetzt kommt 1-2 mal pro Woche eine Studentin und hilft mir im Haushalt. Sie putzt, geht einkaufen, passt auf meinen Sohn auf und kocht. Ich liebe sie. Mein Leben ist dadurch einfacher geworden. Hier noch der Beitrag dazu: "Mutter & Hausfrau: Ich schäme mich nicht, weil ich Hilfe brauche!

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Themen: Eltern, Kinder

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