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Feminismus: Ein Kampf für die gesellschaftliche Gleichstellung aller Geschlechter

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38 min
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Wann gilt man als Feminist:in?

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Beim Feminismus handelt es sich zweifelsfrei um eine der kontroversesten gesellschaftlichen Debatten überhaupt. Ist es nun eine pure Abneigung gegenüber Männern oder doch die endlos wirkende Forderung nach mehr Frauenrechten? Während unausgewogene (männliche) Dominanz- und Machtverhältnisse zwar oft den Diskussionsgegenstand bilden, steht vor allem eins im Vordergrund: Gleiche Chancen und Rechte für jeden Menschen - ohne Diskriminierung, Sexismus und Geschlechterrollen jeglicher Art.

Glaubt mir, wenn ich sage, dass es wahrscheinlich ein:e Feminist:in war, der:die dafür gesorgt hat, dass du und ich heute so leben können, wie wir es tun. Du darfst wählen? Du darfst lieben, wen du möchtest? Du darfst jeden Tag den Beruf ausüben, für den du brennst? Du darfst über deinen Körper entscheiden? Voll normal, meinst du? Leider nein. Denn viele dieser für uns selbstverständlichen Aspekte treffen selbst 2024 nicht auf jede:n zu. Männer regieren die Welt, während Frauen auf ihr Aussehen reduziert werden und sich bloß gut um die Kinder kümmern sollen.

Im Rahmen der "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" heben sogar die Vereinten Nationen hervor, dass die Stärkung und Beteiligung von Frauen an der Gestaltung unserer Welt eine grundlegende Voraussetzung ist, um Armut und Gewalt zu beenden. Die strukturellen Ursachen dieser Ungleichheit müssen unbedingt, das ist der genaue Wortlaut, bekämpft werden. Frauenrechte sind Menschenrechte - und die stehen bekanntlich allen zu, oder?

Die Gleichstellung der Geschlechter ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern in ökonomischer und sozialer Hinsicht unverzichtbar.

Die Vereinten Nationen

Marlene Loos ist gebürtige Burgenländerin, Fashion Studentin und Influencerin. Auf ihren Social-Media-Kanälen "Malentschi" postet sie unter anderem politischen Content, der Feminismus und Frauenrechte behandelt. "Als Frau in der großen Businesswelt habe ich viel Diskriminierung und Sexualisierung gegenüber Frauen erlebt", so Marlene. Gemeinsam mit WOMAN spricht sie über das ständige Auf und Ab im Feminismus.

Was setzt sich Feminismus zum Ziel?

Feminismus bedeutet auf Latein "Frau" - was die gesamte Thematik bereits stark eingrenzt, gleichzeitig aber auch viel Interpretationsspielraum bietet. Um eine Sache direkt zu Beginn klarzustellen: Das Ziel von Feminismus ist es nicht, Männer von ihrem Thron zu stoßen und stattdessen Frauen hinzusetzen. Frauen wollen gesehen, gehört und verstanden werden. Es geht um eine gerechte Verteilung von Ressourcen, Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung. Dies impliziert allerdings die Aufdeckung und Analyse patriarchalischer Strukturen - im gesellschaftstheoretischen Rahmen wird so die Institutionalisierung männlicher Macht beschrieben.

Fakt ist: Obwohl eine Gleichstellung der Geschlechter rechtlich vorgesehen ist, existiert nach wie vor eine gravierende Genderungleichheit, deren negative Auswirkungen in mehreren Bereichen zu spüren sind - aber natürlich nur von Mädchen und Frauen. Allein ein Blick auf das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern genügt, denn die Gender Pay Gap bleibt auch in Österreich nicht aus. Bei den Gehältern soll es 2022 laut Eurostat einen Unterschied von 18,4 Prozent gegeben haben. Der verwehrte Zugang zu fairem Lohn und die Vorurteile hinsichtlich beruflicher Fähigkeiten resultieren in einem lebenslangen finanziellen Ungleichgewicht sowie einem erhöhten Armutsrisiko im Alter. Wichtig: Der Equal Pay Day markiert, ab welchem Stichtag Frauen, im Gegensatz zu Männern, theoretisch (und praktisch) "gratis" bis zum Jahresende arbeiten.

Ich würde mich niemals mit Leuten umgeben, die keine Feminist:innen sind. Wenn eine Person sich nicht für meine Rechte engagiert, macht eine Freundschaft keinen Sinn. Primär bei Frauen ist es schade, wenn nicht für die eigenen Rechte eingestanden wird.

Marlene LoosInfluencerin

Hinzukommen etliche Femizide, sexualisierte Gewalt, sexuelle Belästigungen und sexistische Kosenamen - egal, ob hinter verschlossenen Türen im häuslichen Rahmen oder nachts auf der Straße. Ein "Nein" wird oft nicht akzeptiert und endet in einer (korrigierenden) Vergewaltigung oder einem sogenannten "Ehrenmord", der sich fast ausnahmslos gegen Frauen richtet. Solch eine geschlechtsspezifische Gewalt wird meist aufgrund der Geschlechtsmerkmale, Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung ausgeübt. Leidtragende sind dabei also nicht nur weibliche, sondern ebenso intersexuelle, transsexuelle und nicht-binäre Menschen. Mehr zum Thema Gender kannst du hier lesen. Eine offene und demokratische Gesellschaft wie unsere ist eigentlich dafür verantwortlich, dass Minderheiten geschützt, statt bedroht werden. Auch hier gilt wieder: Selbstverständlich können auch Männer betroffen sein. Die Realität zeigt jedoch, dass sich nun einmal überwiegend Mädchen und Frauen in der Opferrolle befinden.

Feminismus versteht sich daher als eine Art Ideologie, die auf der Gleichstellung politischer, wirtschaftlicher, persönlicher und sozialer Frauenrechte basiert und sowohl theoretisch als auch praktisch eine Verbesserung der weiblichen Lebenschancen fordert. Übrigens: Ein besserer Begriff lautet "Feminismen", da es unglaublich viele unterschiedliche und vielfältige Ansätze zur Geschlechter- und Gesellschaftskritik gibt.

Welche Rolle spielt eigentlich das Venussymbol?

Das Venussymbol besteht aus einem Kreis mit umgedrehtem Kreuz - keine Sorge, Frauen sind keine Antichrist:innen - und kommt ursprünglich aus der Astronomie sowie Astrologie, wo es den Planeten Venus verkörpert. In der römischen Mythologie wird dieser mit Weiblichkeit assoziiert. Erst vor wenigen Jahrzehnten erweiterten Feminist:innen das Symbol in den 1970er-Jahren um eine geballte Faust, die in der Mitte des Kreises sitzt. Seither gilt die abgewandelte Form des Venussymbols als offizielles Feminismussymbol und wird für Sticker, Plakate und Kleidungsstücke verwendet.

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© Elke Mayr

Feminismus findet seinen Ursprung in den Frauenbewegungen

Obwohl das Wort "Feminismus" erst im 19. Jahrhundert geprägt wurde, heißt dies nicht, dass es vorher keine feministischen Schlachten gab. Ganz im Gegenteil: Seit Jahrhunderten setzen sich Frauen für Gleichberechtigung und Inklusion ein. Eine der berühmtesten Frauenrechtler:innen ist Olympe de Gouges, die während der Französischen Revolution - ein Zeitalter, in dem Menschen- und Bürgerrechte ausschließlich für Männer galten - gegen die Monarchie und für mehr Frauenrechte kämpfte. Im Jahr 1791 verfasste Olympe ihre "Déclaration des droits de la Femme et de la Citoyenne", übersetzt mit "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" - und bezahlte später mit ihrem Leben.

Die Frau wird frei geboren und bleibt dem Manne gleich in allen Rechten.

Olympe de GougesSchriftstellerin, Revolutionärin & Frauenrechtlerin

Da der Begriff "Feminismus" anfangs noch als Schimpfwort aufgefasst wurde, hießen die englischen Kämpfer:innen damals Suffragetten. Diese setzten sich im Rahmen der "Women's Social and Political Union" (WSPU) für das Wahlrecht der Frau ein.

Neben Parlamentsboykott und Hungerstreik warf sich Emily Davisonm, eine englische Suffragette, im Jahr 1913 beim Epsom Derby vor das Pferd des Königs, um auf die Ernsthaftigkeit der Forderungen aufmerksam zu machen, wobei sie ihren Verletzungen erlag.

Auf europäischem Grund hatten die Suffragetten erst 1918 Erfolg, als Frauen nach dem Ersten Weltkrieg in England, Deutschland und Österreich wählen durften. In der Schweiz hingegen wurde das Frauenwahlrecht erst 1971 eingeführt. Vor allem im mittleren Osten ist dies für Länder wie Syrien, Afghanistan und Pakistan noch immer nicht gegeben.