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So fühlt es sich an, wenn eine Freundin Mutter wird – du aber keine Kinder bekommen kannst

Ein unerfüllter Kinderwunsch bestimmt das ganze Leben. Aber was geht in einem vor, wenn dann auf einmal dir nahe stehende Menschen zu Müttern beziehungsweise Vätern werden? Genau in dieser Situation steckt Franziska, wozu sie sehr berührende Worten gefunden hat.


Kinderwunsch
© iStockphoto.com

Das Baby meiner Freundin: sehr persönliche Gedanken und weshalb ich heute auch geweint habe

Heute war ein ganz, ganz besonderer Tag für mich. Ich habe heute das Baby – einen kleinen Jungen – meiner Freundin zum ersten Mal gesehen, ihn kennengelernt – und sie als Mutter erlebt.

Sie sieht zauberhaft aus! Sie sagt, sie wäre vollkommen übernächtigt… aber sie strahlt. Sie ist glücklich. Sie ist stolz. Sie ist zutiefst dankbar für diesen kleinen gesunden Jungen. Er ist so schön, so klein, so niedlich – so etwas Besonderes. Für sie – und für mich.

Immer wieder sage und fühle ich, dass ich inzwischen (ja, erst inzwischen) auch ohne Kind glücklich bin. Dass mein Leben auch ohne Kind einen Sinn hat. Das Leid, dass ich all die Jahre in der Kinderwunschklinik aushalten musste, stellt mir heute die Grundlage für eine große Aufgabe, der ich mich mit Herz und Hirn aber auch Mut stelle. Aus meiner eigenen Geschichte lasse ich meine Kraft erwachsen, mit den Kinderwunsch-Coachings die Frauen zu unterstützen, die heute das erleben, was ich erleben musste.

Ich darf heute dazu beitragen, dass diese Frauen Hoffnung schöpfen – Hoffnung darauf, dass es auch ohne Kind ein lebenswertes, schönes Leben gibt. Meine Tätigkeit als Kinderwunsch-Coach trägt zutiefst dazu bei, dass ich mich heute leicht und zufrieden fühle - und oft sogar fröhlich. Aber manches Mal spüre ich auch die Last der Kinderlosigkeit.

Was, wenn auch ich...

Aber heißt das, dass mich so ein Wunder, das meine liebe Freundin erleben darf, nicht mehr berührt?
Aber heißt das, dass ich mich nicht manchmal noch frage, wie es gewesen wäre, wenn auch wir dieses Glück gehabt hätten und erleben dürften.

Ich war heute früh unglaublich aufgeregt. Und in der tiefsten Seele berührt. Weil mir klar war, dass das Treffen und Kennenlernen des kleinen Jungen heute etwas Besonderes sein würde. Ich hatte ein wenig Angst beziehungsweise fühlte ich Unsicherheit.

Und dann haben wir uns gesehen – meine Freundin und ich. Meine tolle Freundin – nun ist sie Mutter. Erst einmal habe ich sie in den Arm genommen, sie umarmt, geherzt, beglückwünscht, angestrahlt.
Dann schaute ich auf den kleinen Jungen, von dem ich schon viele Fotos gesehen hatte. Was für ein Wunder. Was für ein Geschenk.

Und mir kamen die Tränen.

Aber weshalb habe ich geweint? Ich weinte – das war mir dann schon ziemlich schnell klar – weil dieses kleine Menschlein gesund auf der Welt ist und meine Freundin glücklich macht. Und weil ich ihr dieses Glück von Herzen gönne. Und weil ich weiß, dass auch ich den kleinen Jungen immer und immer wieder werde erleben dürfen. Vielleicht auch immer wieder ein Stück im Leben begleiten darf. Ich darf mitbekommen, wie er aufwächst, größer wird, bestimmt auch mal schwierig sein wird und bestimmt auch immer und immer wieder seine Eltern stolz sein lassen wird.

Ich bin dankbar, dass ich so ein wenig davon mitbekomme, wie es ist, ein Kind zu haben.

Ich habe geweint vor Aufregung. Weil es mich nicht kalt lässt. Wie könnte das auch sein.
Ich bin nicht neidisch. Nein, das habe ich vorher für mich geklärt – und nach unserem Treffen noch einmal für mich „durchgefühlt“. Nein, ich bin statt dessen dankbar, dass sie das erleben darf, was ich auch gerne gehabt hätte. Und dass ich so ein wenig davon mitbekomme, wie es ist, ein Kind zu haben.

Ich bin meinen Freundinnen mit Kindern so dankbar, dass sie mich teilhaben lassen. Dass sie mich gelegentlich Geschenke kaufen lassen. Dass ich manchmal Kleidung für sie kaufen darf – weil ich kein eigenes Kind habe, dem ich die zuckersüßen Klamotten, die es ja durchaus gibt, kaufen kann.

Die Kinder meiner Freundinnen heilen auch meine Seele.

Die Kinder meiner Freundinnen heilen auch meine Seele.
Es war ein langer Weg, bis ich das so sehen konnte.
Kalt lässt mich so ein kleines Wesen (und auch die größeren Kinder meiner Freunde, die nun schon anfangen in die Pubertät zu kommen) nicht.

Berührt es mich? Ja, zutiefst.
Weine ich? Ja, auch vor Rührung.
Freue ich mich? Ja, im Innersten meiner Seele.
Bin ich unsicher? Ja. Immer wieder.
Ist es manchmal schwer? Ja, auch das.
Macht es mich glücklich, Kinder anderer Menschen auf dem Arm zu haben? Ja, in aller Tiefe meines Herzens.

Bin ich heute glücklich – auch ohne Kind? Ja. Weshalb? Weil ich mein Leben angenommen habe wie es ist. Weil ich gelernt habe – sehr mühsam gelernt habe – dass es auch ohne Kind, ohne die Erfüllung meiner Sehnsucht und meines Traumes, eine eigene Familie zu haben, ein gutes Leben voller Sinn und Aufgabe sein kann. Das hat eine Weile gedauert und manches Mal dachte ich in den Momenten tiefster Trauer, ich würde es nie schaffen. Aber ich bin mutig vorwärts gegangen; auch wenn ich immer wieder mal einen Schritt rückwärts ging. So bin ich am Ende doch immer weiter voran gekommen. Weil das Loslaufen und Scheitern mich näher ans Ziel brachte, als wenn ich gar nicht erst beginnen würde.

Wie ich das geschafft habe, ist der Kern meiner Coachings – weil ich mir nicht nur vorstelle, wie du dich fühlst, sondern es selbst erlebt habe. Weil ich nicht daran glaube, dass „eine Kerze anzünden und positiv denken“ alles ist.

Die tiefsten Tiefen unseres Schmerzes – sie heilen uns am Ende. Wenn wir die Kraft finden, sie anzunehmen und in unser Leben integrieren, dann können wir mit diesem schlimmen Schmerz und dem Verlust des Kinderwunsches umgehen lernen. Und das habe ich heute gemerkt: Es geht darum, das, was das eigene Leben für einen bereit hält auszuhalten, zu verstehen (es hilft, wenn man weiß, was da wirklich in einem passiert) und es anzunehmen. Und zu lernen, damit jeden Tag umzugehen – und sich nicht die Lebensfreude nehmen zu lassen; trotz allem.

Der Schmerz ist ein Teil von mir. Aber das darf er auch sein.

Damit umgehen zu lernen – es auszuhalten. Und ja, dazu gehört auch, dass der eigene unerfüllte Kinderwunsch ein Teil von dir (und mir) ist und das auch lebenslänglich so sein wird. Aber das darf er auch sein.

Wenn mir jemand gesagt hätte „Dreh deine schlechten Gedanken in Gute um“, dann hätte ich gesagt „So ein idiotischer Ratschlag. Wie blöd kann man eigentlich sein?" Das geht vielleicht, wenn ich mich über jemanden ärgere, der mir den Parkplatz klaut oder der Chef Probleme macht, aber nicht bei einem so existenziellen Wunsch wie dem (unerfüllten) Kinderwunsch.

Und daran glaube ich noch heute. Vieles von dem, was „da draußen“ an Tipps kursiert, funktioniert bei den kleineren Schwierigkeiten und größeren Herausforderungen, die wir alle manchmal im Leben erleben. Aber ich persönlich glaube, dass der (unerfüllte) Kinderwunsch tiefer sitzt und man deshalb ganz anders damit umgehen muss. Und er berührt – auch das ein fundamentaler Unterschied zu den allermeisten anderen Lebensfragen und -krisen – jeden einzelnen Lebensbereich.

Was habe ich heute gemacht? Ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Ich habe mir vorher bewusst gemacht, was da auf mich zukommt – und dennoch geweint, gelacht und tiefe Dankbarkeit gefühlt. Ich habe mich für meine Freundin von Herzen gefreut und dennoch im Verlauf des Tages darüber nachgedacht, wie es gewesen wäre, wenn… Und das ist auch okay. Es wäre doch seltsam, wenn nicht, oder?

Ja, meine unerfüllte Kindersehnsucht ist ein Teil von mir und meinem Leben. Ein Teil von meiner Seele, meinem Herz und meinem Kopf.
Meine Freundin und der kleine Junge sind auch ein Teil von meinem Leben – beide habe ich im Herzen und freue mich, dass ich das erleben darf und mich nicht verstellen muss.

Meine Freundin weiß, wie groß meine Freude über ihr Kind ist – und meine Freundin weiß auch, was das mit meinem Herz und meiner Seele macht.
Ich bin dankbar für meine wunderbare Freundin. Dankbar für ihren kleinen Sohn.

Und ich bin dankbar, dass ich es geschafft habe, mein Leben sinnerfüllt und glücklich zu leben – auch ohne Kind.

Ich bin stolz auf mich, weil ich den Kinderwunsch im wahrsten Sinn des Wortes „über-lebt“ habe und nach vorne schauen kann. Klar, hätte ich von Herzen gerne ein Kind gehabt. Heute brauche ich kein Kind mehr, um glücklich zu sein. Es wäre schön gewesen, wenn. Aber: Ich habe meinen Frieden damit gemacht. Es ist gut so, wie es heute ist. Ich bin in meinem neuen Leben angekommen.

Heute bin ich stolz auf den Weg, den ich bewältigt habe – und zutiefst zufrieden.
Mein Leben ist gut so, wie es ist.

Leidest du auch an einem unerfülltem Kinderwunsch?

Franziska Ferber ist Kinderwunsch-Coach. Nachdem sie über Jahre mit ihrem Mann versucht hat, ein Kind mittels künstlicher Befruchtung zu bekommen, ist sie ungewollt kinderlos geblieben und hat über ihre Erfahrungen das Buch „Unsere Glückszahl ist die Zwei“ geschrieben. Heute bietet sie Betroffenen Unterstützung in dieser schweren Lebensphase als Coach an – per Skype und Telefon, über ihre verschiedenen Online-Coaching-Kurse und in ihrem Büro in München. Mehr dazu findest du auf kindersehnsucht.de.

Wenn du denkst, dass du ebenso ein wenig Unterstützung gebrauchen könntest, dann melde dich gerne bei Franziska: Sie bietet ein kostenloses, circa 15-minütiges Kennenlern-Telefonat an. Darin sprecht ihr über deine Situation und das Unterstützungsangebot, das zu dir in deiner Situation passen könnte. Schreib ihr einfach über das Kontaktformular (klick) ihrer Website.

Franziska Ferber, Kinderwunsch Coach
Franziska Ferber
Themen: Kinder, Eltern

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