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"Ich war Single und wollte ein Baby"

Irgendwann war die Sehnsucht nach Familie so groß: Sarah, 35, wollte nicht mehr länger auf einen passenden Partner warten. Ihr Plan? Sie holte sich eine Samenspende aus einer dänischen Kinderwunschklinik. Wir haben die selbstbewusste "Single Mom by Choice" und Tochter Eloise, 1, zu Hause in ihrer Wohnung in Wien besucht.

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"Ich war Single und wollte ein Baby"
© ERNST KAINERSTORFER

Mein Eloischen, da grinst sogar du, wenn das Wort Parship fällt", lacht Sarah, nimmt ihre einjährige Tochter auf den Schoß und drückt ihr einen Kuss auf die Wange. Beide kichern. Sarah, 35, ist Single und Alleinerzieherin. Partnerbörsen? Schon lange kein Thema mehr. Der Vater von Töchterchen Eloise kommt aus einer Samenbank in Kopenhagen. "Ich wollte schon immer Mama sein. Seit ich denken kann, hat mich dieser Wunsch begleitet. Mit Anfang 30 war ich bereits acht Jahre Single. Ich wollte einfach nicht mehr länger warten, bis Mr. Right auftaucht", erzählt Sarah. Sie entschied sich dazu, "Single Mom by Choice" zu werden und sich künstlich befruchten zu lassen. "Mir wurde irgendwann bewusst, dass ich meinen Wunsch nach einem Kind von der romantischen Liebe abkoppeln kann. Durch Zufall bin ich dann auf mehrere Blogs gestoßen, auf denen unter anderem lesbische Paare erzählen, wie sie durch Insemination zu ihrem Wunschkind gekommen sind."

Im Gegensatz zur In-vitro-Fertilisation wird bei der Insemination der Samen direkt mit einem Katheter in die Gebärmutter eingeführt. Einzige Hürde: In Österreich ist diese Form der Fortpflanzung nur für Personen, die in festen Partnerschaften leben, erlaubt. Single-Ladies wie Sarah müssen dazu nach Belgien, Spanien oder eben Dänemark reisen. "Mir war wichtig, dass das Ganze sauber abläuft. Sich von irgendeinem Typen hier in Wien ein Kind machen zu lassen - das wäre nix für mich gewesen!", erklärt die Wienerin ihre Beweggründe. "Natürlich habe ich lange überlegt, ob ich das alles allein schaffen kann. Als Pressesprecherin eines Museums verdiente ich nicht schlecht, aber als Alleinerzieherin den Alltag zu stemmen, davor hatte ich anfangs doch etwas Bammel. Was, wenn ich krank werde? Oder sonst etwas passiert?" Trotz aller Bedenken setzte sich Sarahs Kinderwunsch durch...

DER WEG ZUM BABY. 2014 dann das erste Beratungsgespräch mit einer Klinik in Kopenhagen. "Das lief über Skype und war kostenlos. Mir waren die Leute dort sofort sympathisch, man nahm sich viel Zeit, war einfühlsam - ich fühlte mich gut aufgehoben." Nur: Wie sucht man sich einen passenden Spender aus? Nach welchen Kriterien geht man da vor? Wie findet man "den Richtigen"? Sarah dazu: "Die Idee, ein Kind nach einem Katalog zu entwerfen, fand ich irgendwie gruselig. Ich wollte ein Baby, und keinen Menschen designen! Deswegen habe ich die Auswahl des Spenders der Klinik überlassen. Man empfahl mir einen Mann, der mir optisch auch ähnlich war."

Für die Befruchtungsversuche musste die Angestellte dann meist kurzfristig nach Kopenhagen reisen, schließlich lässt sich der Eisprung nicht immer zu 100 Prozent vorhersagen. Jeder Versuch kostete rund 1.000 Euro. "In der Klinik herrschte eine sehr entspannte Stimmung, ich kann mich noch gut an das erste Mal erinnern. Das war am 1. Jänner 2015. Ich dachte damals, dass es sofort klappen wird. Dementsprechend enttäuscht war ich, als es nicht auf Anhieb funktionierte." Bis auf ihre Mama, Schwester und enge Freundinnen wusste niemand von Sarahs Bemühungen, schwanger zu werden. "Nach dem ersten Fehlversuch war ich total verunsichert und niedergeschlagen", erinnert sie sich an diese schwierige Phase. Versuch Nummer fünf war erfolgreich! Als sich auf dem Schwangerschaftstest eine rosa Linie bemerkbar machte, war Sarah super happy. "Endlich schwanger! Ich genoss jeden einzelnen Moment dieses neuen Lebensgefühls und hatte natürlich ein riesiges Redebedürfnis, welches ich mit meiner Familie und Freundinnen teilen konnte. Und ich hatte - im Gegensatz zu unfreiwilligen Alleinerzieherinnen - ausreichend Zeit, mich auf mein Leben als Single-Mom einzustellen."

"Ich war Single und wollte ein Baby"

STARKER SUPPORT. Auch ihr Umfeld reagierte auf Sarahs Baby-News durchwegs positiv: "Ich glaube, viele waren einfach überrascht, weil ich noch relativ jung für so eine Aktion war. Die meisten gehen davon aus, dass eine künstliche Befruchtung mit Spendersamen eine Notlösung ist. Der letzte Schritt, den eine Frau erst dann geht, wenn ihre biologische Uhr mit 40 abläuft. Bei mir war es nicht so. Das hat anfangs vielleicht viele etwas irritiert."

"Ich war Single und wollte ein Baby"

Drei Wochen vor der Geburt zog Sarahs Mutter bei ihr ein, um sie im Endspurt unterstützen zu können. Im April 2017 war es dann so weit, die kleine Eloise kam auf die Welt. "Was für ein Moment! Auf einmal hast du ein Baby auf deiner Brust liegen. Ich konnte mein Glück kaum fassen", schwärmt die 35-Jährige von den ersten gemeinsamen Stunden. "Und dass meine Mama auch im Kreißsaal dabei war, hat unsere Beziehung enorm gestärkt." Natürlich gab es im vergangenen Jahr schon auch extreme Momente, die sehr anstrengend waren, gibt die Single-Mama zu: "Ich war aber erstaunt, wie viel Kraft man über die Erschöpfung hinaus noch mobilisieren kann. Meine Entscheidung habe ich kein einziges Mal bereut. Auch wenn das jetzt total kitschig klingt: Die Liebe zu meiner Tochter wird jeden Tag größer." Im Herbst will die PR-Agentin wieder Teilzeit in ihren Job zurückkehren, für die Kinderbetreuung ist schon ein Krippenplatz reserviert.

"Ich war Single und wollte ein Baby"
SARAHS GESCHICHTE. Auf ihrem Instagram-Account "how_i_became_your_ mother" dokumentiert Sarah ihren Weg zur bewussten Alleinerzieherin. Vom positiven Schwangerschaftstest bis zum Babschwimmen - richtig süß!


... UND WAS IST MIT PAPI? Wenn das Kind volljährig ist, darf es auch seinen biologischen Erzeuger kennenlernen. Das hat Sarah mit der Klinik rechtlich vereinbart. Sobald erste Fragen kommen, möchte sie "so offen wie möglich, aber kindgerecht" damit umgehen. "Ich hoffe, meine Tochter versteht das und ist nicht allzu frustriert deswegen." Wie aufs Wort beginnt Eloise laut zu werden: "Babaabahababaha." Sarah reagiert prompt und beruhigt das süße Grummelmonster mit einem Schnuller: "Na, Eloischen, was willst du uns denn sagen?" Ihre Suche nach einem Partner hat Sarah vorübergehend auf Eis gelegt: "Ich merke, dass ich jetzt als Mutter entspannter an das Thema herangehe, aber ich habe einfach keine Zeit, Männer zu daten. Vielleicht ändert sich das ja bald. Ich möchte nämlich auch noch ein zweites oder drittes Kind. Und da wäre der traditionelle Weg - mit einem Mann, den man wirklich liebt - natürlich schon super."

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HAPPY TOGETHER. Das Gitterbett wird von der kleinen Eloise zurzeit eher zum Spielen verwendet. "Sie schläft noch jede Nacht in meinem Bett", erzählt die 35-Jährige aus ihrem Alltag in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung in Wien.


Themen: Eltern, Kinder
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